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Grimma Keine Lärmschutzwand für Ammelshain an der A14
Region Grimma Keine Lärmschutzwand für Ammelshain an der A14
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14:25 25.06.2018
Die Autobahn 14 an der Abfahrt Klinga. Die Wohngebäude im Hintergrund gehören zu Ammelshain. Nichts bietet in der flachen Landschaft Schutz vor dem Lärm. Quelle: Frank Pfeifer
Naunhof/Ammelshain

Schier aussichtslos kämpft seit Jahren Hagen Reckziegel aus Ammelshain gegen den Lärm von der Autobahn 14. Erwiesenermaßen übersteigt der Lautstärkepegel an seinem Einfamilienhaus in der Hauptstraße einen zulässigen Grenzwert. Trotzdem lehnt es die Stadt Naunhof ab, ein Verfahren anzuschieben, von dem er sich Hilfe verspricht. Die Gründe: Es wäre sehr teuer und hätte kaum Aussicht auf Erfolg.

In der Nacht gilt Lärm, der lauter als 55 Dezibel ist, als gesundheitsgefährdend. Berechnungen des Freistaats ergaben, dass Reckziegels Familie mehr ertragen muss. Für Andreas Rink vom Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie aber ein Einzelfall im Ort – zwei weitere bewohnte Gebäude seien in Albrechtshain betroffen. „Erst wenn es um mehr als 50 Einwohner geht, sollte sich die Stadt Gedanken machen, ob sie einen Maßnahmeplan erarbeiten lässt“, sagt er. Dies würde bedeuten, Naunhof müsste ein Ingenieurbüro beauftragen, das aufzeigt, wie die Menschen zum Beispiel durch eine Wand oder einen leiseren Fahrbahnbelag ein ruhigeres Umfeld erhalten könnten.

Die Lärmkartierung rund um Naunhof auf den Autobahnen 14 und 38. Die Karte zeigt die Belastung in den Nachtstunden an. Quelle: Stadt Naunhof

Im vorliegenden Fall hält das Rink jedoch für nicht zielführend. Naunhof würde nach seinen Worten „eine vier- oder fünfstellige Summe versenken“, und er sei sich sicher, dass das für die Autobahnen zuständige Landesstraßenbauamt den Maßnahmeplan ablehnt. „Wir sollen zwar darauf einwirken, dass der Lärmschutz eingehalten wird“, sagt er. „Andererseits darf nicht viel Geld für geringe Effekte hinausgeworfen werden.“

Nächtlicher Lärm nicht nur an Hauptstraße

Von geringen Effekten kann laut dem Ammelshainer Ortsvorsteher Lutz Kadyk keine Rede sein. „Unser Ort braucht einen Lärmschutz, weil deutlich mehr Einwohner als nur die aus einem Haus belastet sind“, fordert er. „Jede Nacht höre ich den Lärm von der Autobahn, und ich wohne weiter von ihr entfernt als die Bürger in der Hauptstraße.“

Persönliches Empfinden zählt allerdings nicht. Deshalb stellte Hagen Reckziegel Messungen an. Als Ingenieur für technische Gebäudeausrüstung hat er, wie er versichert, beruflich mit Schallschutz zu tun und weiß, wie er vorgehen muss. Auf seiner Terrasse maß er, je nach Wetterlage, über 70 Dezibel am Tage und über 60 Dezibel in der Nacht. „Beides liegt gravierend über den Grenzwerten und legt nahe, dass nicht nur wir im Ort der Belastung ausgesetzt sind“, erklärt er. Bei der Landesdirektion Sachsen stellte er daraufhin einen Antrag auf Lärmschutz. „Das Verfahren kostete mich viel Geld und brachte nichts.“

Die Lärmkartierung rund um Naunhof auf den Autobahnen 14 und 38. Die Karte zeigt die Belastung über den ganzen Tag hinweg an. Quelle: Stadt Naunhof

Denn auch Messungen werden laut Rink nicht vom Gericht anerkannt. „Sie müssten über lange Zeiträume an jedem Haus erfolgen, wobei Sorge zu tragen wäre, dass alle Nebengeräusche ausgeblendet werden“, erklärt er. „Deshalb wird der Lärm berechnet.“ Für Ortsvorsteher Kadyk ein Missstand. „Überall wird gemessen. Nur da, wo der Staat etwas zahlen soll, wird gerechnet“, moniert er.

2002 gab die Europäische Union dem Lärmschutz eine Lobby, deshalb müssen an Straßen mit mehr als drei Millionen Kraftfahrzeugen pro Jahr alle fünf Jahre Lärmkartierungen vorgenommen werden. Sachsen entwickelte zur Umsetzung ein vereinfachtes Verfahren für Fälle, bei denen es wenige Belastete gibt. Dabei müssen die Kommunen lediglich ein vorgefertigtes Formular ausfüllen und können dann darauf verzichten, einen Maßnahmeplan in Auftrag zu geben.

Stadt setzt auf freiwillige Maßnahmen

Für diese Variante entschied sich, wie kurz berichtet, der Stadtrat auf seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich. „Mit einem Maßnahmeplan würden wir nur viel Bürokratie schaffen, die zudem eine Menge Geld kostet“, begründet Michael Eichhorn (Linke). Für Uwe Kulisch (Unabhängige Wählervereinigung) lässt sich „aus den erhobenen Daten keine Verpflichtung“ für den Freistaat herleiten.

Allerdings vermerkte die Stadt im auszufüllenden Formular, dass sie auf freiwillige Maßnahmen des Landesstraßenbauamtes setzt. Diese sollen, so der amtierende Bauamtsleiter Thomas Hertel, „geplant und ausgeführt werden“.

Für Hagen Reckziegel Augenwischerei. „Wie mir das sächsische Verkehrsministerium mitteilte, wird es keine freiwilligen Maßnahmen geben, weil der Staat kein Geld für Dinge ausgeben darf, für die es keine plausible Begründung gibt“, sagt er und kritisiert: „Naunhof interessiert sich nur für Naunhof, aber nicht für seine Ortsteile.“ Die zuständigen Minister in Bund und Land will er weiter anschreiben. „Vielleicht“, so hofft er, „geht man mit dem Thema sensibler um, wenn an die Autobahn eine dritte Spur angebaut wird.“

Von Frank Pfeifer

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