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Grimma Keine Luxussanierung für historische Stadtmauer
Region Grimma Keine Luxussanierung für historische Stadtmauer
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00:21 18.06.2018
Noch bis Sommer 2019 wird die historische Stadtmauer am Muldeufer von Grimma saniert. Das gestaltet sich als schwierig, da der Zugang nur über die Privatgrundstücke der Anlieger erfolgen kann und zunächst der Bau der neuen Hochwasserschutzmauer in diesem Bereich abgeschlossen sein musste. Quelle: Thomas Kube
Grimma

Verborgen vor den Blicken der Passanten liegt derzeit eines der ältesten Grimmaer Bauwerke in den profunden Händen von Bauarbeitern: die historische Stadtmauer entlang der Mulde. Das alte Gemäuer hinter der neu errichteten Flutschutzwand, nur über private Grundstücke erreichbar, wird stadtseitig saniert. Das Geld erhält die Stadt Grimma aus dem Freistaat-Topf zur Beseitigung von Hochwasserschäden. Zeit für die letzten fünf von insgesamt neun Bauabschnitten bleibt noch bis Mitte kommenden Jahres.

Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert

Die historische Stadtmauer von Grimma – ältestes Bauwerk der Muldestadt – wird derzeit einer Sanierung unterzogen. Die Arbeiten sollen im nächsten Jahr abgeschlossen sein. Es geht um den Erhalt der Mauer, nicht um Luxussanierung.

Seit 2014 dringt Andreas Schneider vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Colditz in die Materie der historischen Stadtmauer ein. Bevor es an die Baugenehmigung und Ausschreibung gehen konnte, wälzte der Planer Literatur zur Mauer, die wohl im 13. Jahrhundert Stück für Stück Gestalt annahm. Bauunterlagen indes fand der Fachmann nicht, auch nicht im Landesamt für Denkmalpflege.

Kein Wunder. „Die Mauer ist historisch gewachsen, man hat damals nichts dokumentiert“, berichtet Schneider. Es gebe nur Lagepläne, aber keine Beschreibung. Schreitet man das Bauwerk ab, das der Abwehr von Feinden ebenso diente wie dem Schutz vor Hochwasser, mischen sich originale Bruchsteine mit Ziegel, die im Laufe der Zeit der Ausbesserung dienten. Eingestürzte Bereiche hatten die Grimmaer mit eigenen Händen wieder aufgebaut. Selbst grauer DDR-Putz ist hier und da zu finden. Genau genommen, gleicht keine Stelle der anderen.

Sanierung war nach Flut notwendig

Nach der verheerenden Flut 2002 wurde die alte Stadtmauer gründlich unter die Lupe genommen. Rasch wurde klar, dass sie dem Druck eines weiteren Hochwassers nicht stand halten würde und vor das jahrhundertalte Bauwerk eine neue Mauer zu setzen sei. Aus diesen Forschungen zog Schneider ebenso seine Kenntnisse für die Sanierungsplanung wie aus eigenen Untersuchungen.

Besonderheit: 15 private Häuser an der Mauer

Weil die einstige Wehrmauer eben auch die Muldefluten fern halten sollte, blieb sie auf der Flussseite fast komplett erhalten. Die jetzige Erneuerung reicht vom Vereinsgebäude der Ruderer bis zur Klosterkirche. Auf den knapp 500 Metern reckt sich die Mauer bis zu 3,80 Meter in die Höhe und überrascht mit beachtlicher Breite. Ohnedies glänzt sie mit einer Besonderheit. 15 private Mauerhäuschen klammern sich an das Bauwerk, am bekanntesten ist das Stolle-Haus aus dem Jahr 1820. Die Häuschen, die den Blick über die Mulde freigeben, sind jedoch nicht Bestandteil der Arbeiten.

Erhalt der Stadtmauer

Schneider hebt hervor, dass keine Luxussanierung vorgenommen werde. Es gehe um den Erhalt der historischen Stadtmauer – in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde. Und so bleibt auch der DDR-Putz drauf, wo er noch seinen Zweck erfüllt, nämlich den Schutz vor der Witterung. Müssen jedoch bröckelige Ziegel entfernt werden, ersetzen sie die Bauleute mit Bruchsteinen. „Die sind frostsicher und druckfester, das wussten schon unsere Vorfahren“, weiß Schneider.

Risse im Bauwerk

Zwar erwies sich das Bauwerk an einigen Stellen als deutlich geschädigt und zeigte hier und da gefährliche Risse, doch unliebsame Überraschungen blieben bislang aus. Allerdings stießen die Bauleute in der Nähe des Kreismuseums auf Hausmüll, mit dem ein Sockel aufgefüllt worden war. Gläser, Flaschen und anderes mehr trat zutage – Schneider vermutet, dass die Gegenstände aus der Mitte des 19. Jahrhunderts stammen könnten.

Großer Auftrag von rund 300 000 Euro

Die Sanierer konnten erst nach Fertigstellung der neuen Flutschutzwand anrücken. Für alle fünf bisherigen Abschnitte erhielt die Baugenossenschaft Grimma den Zuschlag. Vorstand René Otto spricht von einem „ziemlich großen Auftrag“ für sein 26-Mitarbeiter-Unternehmen, das in diesem Jahr 60 wird. Bislang habe der Auftrag einen Umfang von rund 300 000 Euro. Trotz des für Grimma bedeutenden Bauwerks sei es „eine Baustelle wie jede andere“, meint Otto, der die Genossenschaft seit zwei Jahren anführt. Die Herausforderung bestehe darin, dass man auf Privatgelände arbeite und sich mit den Eigentümern gut abstimmen müsse. Die Baugenossenschaft werde sich auch für die Folgeabschnitte bewerben, so der Vorstand. Es erfülle einen mit Stolz, an Bauvorhaben in Grimma teilhaben zu können.

Von Frank Prenzel

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