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Grimma Krimi im Lossatal: Mutmaßliche Dachdecker zocken Rentner ab
Region Grimma Krimi im Lossatal: Mutmaßliche Dachdecker zocken Rentner ab
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08:04 15.02.2019
Die Polizei warnt immer wieder vor Haustürgeschäften. Quelle: dpa
Wurzener Land

Sein betagter Onkel im Wurzener Land soll wenigstens nicht ganz umsonst auf unlautere Geschäftemacher herein gefallen sein. Deshalb wandte sich Markus Görz an die LVZ, um die unglaubliche Geschichte vermeintlicher Dachdecker öffentlich zu machen und arglose Hausbesitzer vor deren Masche zu warnen.

Was sich dieser Tage in der Gemeinde Lossatal abgespielt haben soll, hat das Zeug zum Krimi: Vier vermutlich aus dem Ausland stammende Männer, von denen eine Person gebrochen Deutsch spricht, bieten einem Rentner auf dessen Hof an, das Dach des Stallgebäudes neu zu decken. Der Preis klingt verlockend: 2000 Euro. Der Hausbesitzer willigt ein.

Rentner fällt aus allen Wolken

Die Männer, die sich als Handwerker ausgeben, machen sich sogleich ans Werk. Wenig später ist das Dach runter. Als der Trupp am nächsten Tag das Blechdach drauf hat und die Rechnung präsentiert, fällt der gutgläubige Lossataler aus allen Wolken: Statt der vereinbarten 2000 Euro verlangen die dubiosen Herrschaften satte 15000.

Weil der Hofbesitzer nur die verabredeten 2000 Euro flüssig hat, verfrachten die mutmaßlichen Handwerker den „Auftraggeber“ in ihren silberfarbenen Mercedes Vito mit Leitern auf dem Dach und fahren ihn zur Bank nach Wurzen. Dort hebt der Rentner 10000 Euro ab und muss seinen Bedrängern die ausstehenden 3000 Euro vorerst schuldig bleiben.

Polizei warnt vor Haustürgeschäften

Vor Haustürgeschäften könne er nur warnen, sagt Andreas Loepki von der Polizei in Leipzig. Es komme wiederholt vor, dass spontan Dachrinnen angeboten und Einfahrten asphaltiert würden. Nicht nur ältere Menschen fielen auf die kommunikativen Täter herein, so der Beamte. „Dabei wäre gesundes Misstrauen gerade in solchen Fällen angeraten.“ Man solle scheinbar lukrative Angebote noch einmal überschlafen. „Ganz wichtig: Parallelangebote einholen“, rät Loepki.

Dachdeckermeister René Pfeifer in Fremdiswalde nennt solche angeblichen Berufskollegen einfach nur Verbrecher. „Seriöse Firmen haben wahrlich genug Arbeit, müssen nicht um Aufträge betteln.“ Beim Verbraucher müssten alle Alarmglocken schrillen, wenn sie regelrecht zu ihrem Glück gezwungen würden. „Finger weg von angeblichen Schnäppchen. Am Ende wird es meist teurer.“ Pfeifer empfiehlt örtliche Handwerksfirmen. Schon allein wegen der Gewährleistung.

Rechtsanwalt vermutet Betrug

Es gestalte sich schwierig, solch durchreisenden Trupps das Handwerk zu legen, sagt der Bennewitzer Rechtsanwalt Patric Blum. „Wer die Kosten X veranschlagt, kann über Nacht nicht fast das Achtfache verlangen.“ Blum vermutet, dass es die Ausführenden nur darauf abgesehen hätten, dem naiven Rentner ein Vielfaches aus dem Kreuz zu leiern. „Das wäre eine Täuschungshandlung und somit Betrug.“

Der Leiterwagen soll noch in weiteren Orten des Wurzener Landes gesichtet worden sein. Und wie ging der Krimi aus? Ohne Happy End, verriet Neffe Markus Görz: „Nach dem Besuch der Bank in Wurzen fährt der Trupp meinen Onkel wieder nach Hause. Die Männer kündigen an, nach dem Wochenende wieder zu kommen, um das restliche Geld zu holen. Daraufhin verschwinden sie in ihrem Transporter mit Dessauer Kennzeichen.“

Betrüger entkommen der Polizei

Inzwischen zeigt sich, dass die verrichtete Arbeit von minderer Qualität ist. Der Rentner schaltet die Polizei ein und erstattet Anzeige. Falls der Trupp wieder auftauche, solle er sie sofort informieren, tragen ihm die Beamten auf. Und tatsächlich: Die dreisten Dachdecker statten dem Rentner noch einen Besuch ab. Der alarmiert die Polizei. Als die eintrifft, sind die Handwerker über alle Berge. Glück im Unglück: Ohne das 3000 Euro-„Restgeld“.

Von Haig Latchinian

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