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Grimma Landkreis Leipzig leidet unter Wassermangel
Region Grimma Landkreis Leipzig leidet unter Wassermangel
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09:00 24.07.2019
Die Bewässerung von Grünflächen im großen Stil sollte aktuell vermieden werden. Quelle: Frank Schmidt
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Landkreis Leipzig

Landwirte, Förster und Kleingärtner sind besorgt: Die anhaltende Trockenheit und Hitze macht vielen Nutzpflanzen, Bäumen und Grünflächen in Sachsen zu schaffen. Sogar tiefe Wurzeln erreichen oft nicht mehr das Grundwasser und erste Brunnen in der Region versiegen.

Auch im Fall eines anhaltenden Hitze-Sommers sind zumindest keine Trinkwasser-Engpässe im Landkreis Leipzig zu befürchten. „Die hochsommerlichen Temperaturen haben keinerlei Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung im Gebiet des Versorgungsverbandes Grimma-Geithain“, garantiert Tina Stroisch, Sprecherin der Veolia, die in der Region die Wasserversorgungsanlagen betreibt.

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Rund 20 Prozent erhöhte Trinkwasserabnahme der Verbraucher

Trotz des erhöhten Verbrauchs in den Haushalten zeigen sich die Wasserversorger im Landkreis entspannt. Ramona Seifert, Geschäftsführerin des Versorgungsverbands Eilenburg-Wurzen erklärt: „Wir haben aktuell eine um etwa 20 Prozent erhöhte Abnahme. Die Trinkwasserversorgung ist aber auf alle Fälle gewährleistet.“ Das Wasser werde hier immer aus den eigenen Ressourcen und aus Fernwasser zusammengeführt.

So könne garantiert werden, dass auch in Ausnahme-Jahren wie 2018 die Versorgung nicht abbricht. Auffällig seien in diesem Jahr jedoch die steigenden Anfragen von Bürgern, deren Hauswasserbrunnen versiegen. Einen großen Anteil an der erhöhten Abnahme stellt die Gartenbewässerung dar, für die nun auch die Brunnen-Besitzer häufig Trinkwasser nutzen müssen. Das betrachtet Seifert allerdings kritisch. „Gartenbewässerung im großen Stil sollte möglichst vermieden werden“, empfiehlt sie.

Der ausbleibende Regen macht den Bächen und kleinen Füssen in Deutschland zu schaffen. Quelle: Roland Weihrauch/dpa

Veolia: Gesteigerter Zufuhr von Desinfektionsmitteln

Der private Wasserversorger Veolia zeigt sich weniger besorgt und legt Verbrauchern nahe, weiterhin Balkon und Garten zu bewässern. „Niemand muss selbst im Hochsommer Wasser sparen. Dadurch würde sich die Aufenthaltszeit des Wassers in den Behältern und Leitungen nur unnötig verlängern. Es würde sich erwärmen, und da es sich um ein Lebensmittel handelt, ist die Gefahr größer, dass sich Keime bilden“, so Sprecherin Stroisch.

Da ausreichend Wasserkapazitäten zur Verfügung stünden, könne dieses Risiko vermieden werden. Veolia weiter: „Zur Sicherheit und zum Schutz der Verbraucher haben wir allerdings die Zugabe von Desinfektionsmitteln etwas erhöht und überwachen das Trinkwasser durch Messungen in den Hochbehältern und im Versorgungsnetz noch stärker als sonst.“

Entnahme aus oberirdischen Gewässern verboten

Auch Frank Lichtenberger, Präsident des Regionalverbands Muldental der Kleingärtner, sieht die aktuellen Probleme noch nicht als dramatisch an. „Ich bin gegen Panikmache, aber wir sollten dennoch sorgsam mit unseren Ressourcen umgehen“, so der 51-Jährige.

Frank Lichtenberger, Präsident des Regionalverbands Muldental der Kleingärtner, sieht die aktuellen Probleme noch nicht als dramatisch an. Quelle: Frank Schmidt

Für den Verband spricht Lichtenberger regelmäßig mit Kleingärtnervereinen und weiß um die Schwierigkeiten vor Ort. In der Region seien nur wenige auf eigene Brunnen angewiesen, allerdings werden für die Bewässerung häufig oberirdische Gewässer genutzt. Diese Möglichkeit fällt nun weg.

Die Untere Wasserbehörde des Landkreises hatte in der vergangenen Woche verboten, Wasser aus Flüssen zu schöpfen. Dafür sei nun eine „wasserrechtliche Erlaubnis“ vonnöten. Das gelte insbesondere für die Entnahme mit Pumpen. Der Grund: die Behörde sorgt sich, dass die Gewässer austrocknen, ein zu starker Sauerstoff-Mangel entstehen könnte und Algen das Wasser belasten.

Gartenkonzept überdenken: Mehr Schatten, weniger Wasser

„Dieses Jahr macht uns das Wetter nicht ganz so zu schaffen, aber der letzte Sommer wirkt noch nach. Vor allem die Bäume konnten sich davon noch nicht richtig erholen. Wir stellen viele Erkrankungen an Obstbäumen fest“, so Frank Lichtenberger. Die vergangenen Jahre hätten durch die Wetterbedingungen aber auch ein Umdenken bei vielen Kleingärtner zur Folge gehabt.

Eine dichtere Bepflanzung und regelmäßiges Mulchen seien wichtige Maßnahmen zum Erhalt von Grünflächen. „Viele entscheiden sich inzwischen für resistentere Pflanzen und mediterrane Kräuter, die wenig Wasser benötigen“, so der Verbandspräsident. Seine Empfehlung für die kommenden Wochen: Bei der Bewässerung sparsam sein und im Zweifelsfall einen Fachberater hinzuziehen.

Von Tilman Kortenhaus

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