Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Letzte Führung durch Sonderausstellung zum Kriegsgefangenenlager Golzern
Region Grimma Letzte Führung durch Sonderausstellung zum Kriegsgefangenenlager Golzern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:38 11.07.2017
Kriegsgefangenenlager in Golzern im 1. Weltkrieg: Postverwalter Otto Tauchnitz mit einem französischen Kriegsgefangenen in der Poststelle des Lagers. Quelle: Foto: Kreismuseum Grimma
Anzeige
Grimma

Am Sonntag führt die Chefin des Kreismuseums Grimma, Marita Pesenecker, noch einmal durch die Sonderausstellung „Das Kriegsgefangenenlager Golzern“. Beginn ist um 15 Uhr. Es ist die letzte Möglichkeit, um mehr über das von 1914 bis 1917 existierende Lager zu erfahren. Die Ausstellung endet am 13. August.

Ein Schwerpunkt der Führung der Museumsleiterin wird beim Postverkehr der Kriegsgefangenen liegen. Sie wurden dazu angehalten, ihren Angehörigen regelmäßig zu schreiben. Der Briefverkehr wurde durch die Lagerleitung streng überwacht. So wurden auch die eingehenden Postkarten und Briefe in der Poststelle übersetzt und mit einem Prüfvermerk (Stempel) versehen. Die ankommenden Briefe und Karten wurden auf verbotene Inhalte geprüft.

Anzeige

Für diesen Zweck beschäftigte das Lager wohl acht Dolmetscher. Einer von ihnen war Hans Richter. Er wurde am 21. August 1875 in Berlin geboren und war Kaufmann in Leipzig-Gohlis. Im Kriegsgefangenenlager agierte Unteroffizier Richter als Dolmetscher und Postprüfer. In seinem Privatleben sammelte er postalische Objekte. Seine Tätigkeit im Lager ermöglichte es ihm, seine Sammlung maßgeblich zu vergrößern. Er kaufte diese Dinge den Kriegsgefangenen entweder ab oder tauschte sie gegen andere Gegenleistungen wie Zigaretten, Essen und ähnliches ein.

Diese postalische Sammlung von Hans Richter ist erhalten geblieben. Während der Vorbereitung der Ausstellung zum 1. Weltkrieg nahm das Kreismuseum Grimma zum Vorsitzenden des Vereins Arbeitsgemeinschaft Zensurpost, Wolfgang Vogt aus Koblenz, Kontakt auf. Vogt, der mit dem Sammler des postalischen Nachlasses von Hans Richter bekannt ist, hat in mühevoller Kleinarbeit den gesamten Bestand gescannt und dem Museum für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Außerdem schenkte er dem Museum einige Originale mit den entsprechenden Zensurstempeln des Lagers Golzern aus seiner eigenen Sammlung. In der Ausstellung ist ein kleiner Teil dieser Sammlung von Hans Richter zu sehen.

Einige Postkarten aus oder an das Lager Golzern konnten die Mitarbeiter des Museums in den letzten Jahren für die museale Sammlung auch käuflich erwerben. „Das Sammeln, Bewahren und Dokumentieren sind wichtige Grundfunktionen eines Museums, gilt es doch originale Sachzeugen für die künftigen Generationen zu bewahren“, so Pesenecker.

Von lvz