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Grimma Mediziner bannt altes Kössern auf Leinwand
Region Grimma Mediziner bannt altes Kössern auf Leinwand
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19:04 27.12.2018
Der frühere Chef des Krankenhauses Grimma, Karl-Heinrich Vogel, geht der Malerei nach und hält mit dem Pinsel frühere Ansichten seines Heimatdorfes Kössern fest. Derzeit sind sie im Jagdhaus zu sehen. Dieses war 2016 sein erstes Kössern-Bild. Quelle: Frank Prenzel
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Grimma

Skalpell und Tupferzange hat er längst aus der Hand gelegt. Seit seinem Ruhestand greift er statt dessen öfter zu Pinsel und Ölfarbe – auch wenn die Leidenschaft zur Malerei ihn seit seiner Jugend umtreibt. Die Rede ist von Karl-Heinrich Vogel, der sich von 1983 bis 1990 als Ärztlicher Direktor des Krankenhauses Grimma einen Namen machte und jetzt im Jagdhaus erstmals seine Kössern-Bilder zur Schau stellt. Der Betrachter findet keine Dorfansichten der Gegenwart. Vogel hält vielmehr Momentaufnahmen vergangener Tage auf der Leinwand fest. Und das ist zweifellos das Besondere an seiner Arbeit.

Historische Ansichten von Kössern zeigt Karl-Heinz Vogel in der Ausstellung im Jagdhaus. Für die Details wälzt er Chroniken des Ortes.

Autodidakt holt sich Anregungen im Pariser Louvre

Der heute 76-Jährige hatte schon als Kind sein Talent entdeckt. Als er dann mit 14 auf dem Boden beim Stöbern ein Bilderalbum alter Meister entdeckte, wurde seine Leidenschaft für die Malerei des Barock und der Spätrenaissance geboren. Eine Handschrift, die er seitdem gern selbst auf die Leinwand bringt. Um Pinsel und Farbe richtig zu setzen, wälzte Vogel im Laufe seines Lebens Fachliteratur und schritt wachen Auges durch die Museen dieser Welt. „Im Pariser Louvre habe ich tagelang den Kopisten zugeschaut“, erinnert er sich. Mit Fug und Recht kann sich der Kösserner als Autodidakt bezeichnen.

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Vogel gehört zu den malenden Ärzten im Muldentalkreis

Während seines reichen Arbeitslebens als Chirurg, Urologe und Krankenhauschef, das ihn zu DDR-Zeiten auch für drei Jahre zu einem Auslandseinsatz nach Angola führte, malte der promovierte Arzt eher „auf kleiner Flamme“. Etwa 30 Bilder entstanden in jener Zeit, darunter thematische Arbeiten über Venedig und Angola. 2004 und damit vier Jahre vor seinem Ruhestand beteiligte sich Vogel an der Ausstellung „Malende Ärzte des Muldentalkreises“ und wagte sich hier mit seiner Kunst erstmals an die Öffentlichkeit.

Recherchen für historische Jagdszenen

Vogel, der in Leipzig das Licht der Welt erblickte, 1974 nach Grimma zog und schließlich im Einheitsjahr bei der Häuschen-Suche in Kössern fündig wurde, nimmt sich seit der Rente mehr Zeit für sein Steckenpferd. Die Kössern-Muse küsste ihn, als er im Herbst vor zwei Jahren neben dem Kavalierhaus stand und sich im Kopf eine historische Jagdszene ausmalte. Vogel, schon immer geschichtlich interessiert, begann zu recherchieren und zog dabei vor allem die Dorfchronik des Kösserner Architekten Manfred Berger (1921-2009) zu Rate. „Ich habe mich von dessen Arbeiten inspirieren lassen“, verrät der 76-Jährige.

Noch 2016 malte er die im Kopf entstandene Jagdszene am Kavalier- und Jagdhaus. Es war das erste Kössern-Bild, dem bislang 13 weitere folgten. In seiner ersten eigenen Ausstellung können sie derzeit im Jagdhaus betrachtet werden. „Ich möchte den Erzählungen der Kösserner und den Beschreibungen der Chronik Gestalt geben“, bekräftigt der Mediziner. Er halte sein Heimatdorf fest, wie es zwischen 1700 und 1800 ausgesehen hat.

Schau in Kössern lockt zusätzliche Besucher

Siri Pöppchen, die Kulturorganisatorin des Jagdhauses, ist voll des Lobes für Vogels Arbeit. „Er recherchiert historisch exakt.“ Der Zugang in Vergangenes mache den Reiz seiner Bilder aus. Und sie freut sich, dass die kleinen Gemälde zusätzliche Besucher anlocken. Vogels Bekanntheit trage dazu bei. „Wir würden die Bilder gern länger hängen lassen, weil sie so schön hierher passen.“

Vogel weiß zu jedem seiner Kunstwerke eine interessante Geschichte zu erzählen. Und beim Betrachten lohnt ein Blick auf die Details, denn der Hobbymaler spielt mit seiner Fantasie. Hier und da blitzt auch der Schalk hervor. Vor allem bei der Tischrunde, die Kösserner Wegbereiter verschiedener Jahrhunderte vereint.

Handwerkersiedlung in Kössern als Motiv

Alte Mühle, Mulde mit Knabenschule, Druschszene oder Barockgarten – etwa 15 bis 20 Stunden malt Vogel an einem Kössern-Bild in seinem kleinen Arbeitszimmer, in dem die Staffelei und der Farbenwagen Platz finden. Pläne für weitere Motive reifen in seinem Kopf bereits heran. „Als nächstes habe ich die Phase von Wolf Dietrich von Erdmannsdorf im Blick“, erzählt der Familienvater. Neben dem Rittergut zielt Vogel dabei auch auf die von Erdmannsdorf geschaffene Handwerkersiedlung in Kössern.

Nebenbei beschäftigt den 76-Jährigen aber noch ein anderes Projekt. Er schreibt an einem Buch über seine Arbeit in Angola, wo er in einem internationalen Team am Hospital „Josina Machel“ als Chirurg tätig war. Langweilig wird es Karl-Heinrich Vogel jedenfalls nicht.

Von Frank Prenzel