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Grimma Kühlschränke im Wald: Immer mehr Müll wird illegal entsorgt
Region Grimma Kühlschränke im Wald: Immer mehr Müll wird illegal entsorgt
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14:23 07.01.2019
Immer wieder hat es der Grimmaer Bauhof mit wilden Müllablagerungen zu tun. 2018 war es besonders schlimm. Hier bei Zschoppach.
Immer wieder hat es der Grimmaer Bauhof mit wilden Müllablagerungen zu tun. 2018 war es besonders schlimm. Hier bei Zschoppach. Quelle: Bauhof Grimma
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Grimma

Haus- und Sperrmüll, Grünschnitt, Bauschutt oder Elektrogeräte – Grimmas Bauhof ist fast täglich damit beschäftigt, die Hinterlassenschaften anderer Leute wegzuräumen. Aus der Natur, von Straßenrändern und Containerplätzen, aus Papierkörben. „2018 war so schlimm wie kein Jahr zuvor“, schüttelt Bauhofleiter Stefan Schuricht den Kopf. Das Aufkommen illegalen Mülls in der Flächenkommune wuchs im Vergleich zu den Vorjahren um 30 bis 40 Prozent. Bei der Frage nach dem Warum, muss der 32-Jährige passen.

Müll in blauen Säcken am Waldrand von Böhlen

Etwa, warum manche Leute ihren Grasschnitt in blaue Müllsäcke schütten, dann an den Waldrand karren und dort ungeöffnet hinwerfen. „Die kippen das nicht mal aus, da hört bei mir jedes Verständnis auf“, bringt es Schuricht auf den Punkt und kann nicht verstehen, warum solche Umweltsünder nicht ihren eigenen Kompost nutzen, wenn sie schon die paar Euro für den Wertstoffhof sparen möchten. Denn im Bauhof entleeren die Mitarbeiter solche Säcke dann auch nur im Grünschnittcontainer.

Immer wieder hat es der Grimmaer Bauhof mit wilden Müllablagerungen zu tun. 2018 war es besonders schlimm. Hier vollgestopfte blaue Säcke am Wald bei Böhlen. Quelle: Bauhof Grimma

Meist geht es aber um anderes Kaliber. Ein Vorfall schlug dabei im vorigen Jahr für Schuricht dem Fass den Boden aus. Vermutlich ein Übeltäter hatte im Spätsommer rund um Dürrweitzschen und Zschoppach an drei Stellen insgesamt 40 blaue Säcke in der Natur versengt.

Hausrat mit Adresse gefunden – Umweltamt sucht Sünder

Sie waren prall gefüllt mit Dingen, die unter anderem auf eine Haushalt-Auflösung schließen ließen. In den Säcken steckten Bilderrahmen und Schriftverkehr, aber auch normaler Hausmüll. Auf den Dokumenten fand sich eine wiederkehrende Adresse, die der Bauhof pflichtgemäß dem Umweltamt des Kreises meldete. Doch der mutmaßliche Verursacher tauchte nicht auf, um seine Säcke in der achtwöchigen Frist abzuholen. „Wir sind in solchen Fällen verpflichtet, den Müll solange zu lagern“, schimpft Schuricht. Denn das ist nicht nur eine Frage des Platzes: Gerade im Sommer rege sich in den Säcken bald das Leben.

Schreiben vom Gerichtsvollzieher im Müll

Im vorigen Jahr kam es fünf bis sechs Mal vor, dass Schurichts Leute in wild abgelegten Müllsäcken Adressen entdeckten und der Umweltbehörde übermittelten. Denn einige illegale Entsorger halten von Datenschutz offenbar nicht viel. „Wir finden Kontoauszüge, Lohnabrechnungen und Versicherungsdokumente“, erzählt der junge Bauhofchef. Sogar Schreiben des Gerichtsvollziehers seien darunter.

Ungewollter Müll-Rekord in Grimma

Den Müll aus den rund 400 Papierkörben im gesamten Stadtgebiet entsorgt die Stadt Grimma auf eigene Kosten. Die anderen Hinterlassenschaften füllt sie in vom Landratsamt bereit gestellte Sieben-Kubikmeter-Container. 25 bis zur Oberkante volle Container kamen im vorigen Jahr zusammen – ein ungewollter Rekord für Grimma.

Dabei befolgen die Bauhofleute ein ungeschriebenes Gesetz: „Wo etwas liegt, müssen wir schnellstmöglich handeln. Sonst wird es eine Deponie“, erklärt Schuricht. So wie im Oktober nahe der Frauenkirche. Dort hatte jemand beim Auszug seine alten Möbel kurzerhand auf die Straße gestellt. Man konnte zuschauen, wie der Haufen wuchs. Die Frist zur Beräumung verstrich, und der Bauhof sollte dem mutmaßlichen Verursacher eine weitere Woche Zeit geben. „Wir haben es dann lieber schnell weggeräumt“, so der 32-Jährige.

Immer wieder hat es der Grimmaer Bauhof mit wilden Müllablagerungen zu tun. 2018 war es besonders schlimm. Hier der Containerplatz an der Schwimmhalle. So sieht es fast täglich aus. Quelle: Bauhof Grimma

Öffentliche Container werden missbraucht

Ein Schwerpunkt sind die 74 öffentlichen Containerplätze für Glas oder Altkleider, die der Bauhof reinigt und instand hält. Eine Aufgabe, die im vorigen Jahr 1120 Arbeitsstunden kostete. „Dort wird ständig Zeug hingeworfen, das in die Hausmülltonne gehört“, ärgert sich Schuricht. Besonders schlimm ist es ausgerechnet vor der eigenen Haustür des Bauhofes, nämlich am Containerplatz nahe der Schwimmhalle. Fast täglich holen seine Mitarbeiter dort eine Radlader-Schaufel voll Unrat weg. Und immer wieder stopfen Unverbesserliche ihren Hausmüll in städtische Papierkörbe.

Gern nutzen die Missetäter mit dem Auto leicht erreichbare, aber abgelegene Stellen – etwa die Buswendeschleife in Grimma-Süd und unbefestigte Parkplätze an Straßen fernab der Häuser. Im vorigen Jahr landeten aber auch ausgediente Kühlschränke mitten im Klosterholz oder bei Mutzschen eine Fuhre Bauschutt im Straßengraben.

Immer wieder hat es der Grimmaer Bauhof mit wilden Müllablagerungen zu tun. 2018 war es besonders schlimm. Hier alte Kühlschränke im Klosterholz. Quelle: Bauhof Grimma

Wertstoffhöfe nehmen Sperrmüll kostenlos an

Schuricht hat für dieses Tun keine Erklärung. Denn Elektrogeräte und kleinere Mengen Sperrmüll kann jeder kostenlos in den Wertstoffhöfen abgeben. Was er aber weiß: Die Arbeit des 36-köpfigen Bauhofs leidet unter dem Beräumen illegalen Mülls. „Unsere Arbeitsabläufe werden unterbrochen, andere Tätigkeiten bleiben liegen“, erklärt der 32-Jährige und nennt die Grünlandpflege als Beispiel. Werde eine wilde Ablagerung gemeldet, schicke er umgehend ein zweiköpfiges Team los. Manchmal sei das zwei- bis dreimal am Tag. Manchmal sei auch eine Woche Ruhe.

Der Bauhof will nun – mit 2018 beginnend – seine derartigen Einsätze statistisch erfassen und so heraus finden, „wie viel Zeit wir dadurch verlieren“. Eine Handhabe gegen die Umweltfrevler sieht Schuricht nicht. „Uns sind die Hände gebunden“, gibt er zu Protokoll und nennt einen großen Wunsch: „Es wäre schön, wenn die Leute vernünftiger werden.“

Von Frank Prenzel