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Grimma Stadt Grimma lässt Haus niederreißen
Region Grimma Stadt Grimma lässt Haus niederreißen
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15:06 07.01.2019
Weil Gefahr in Verzug war, hat die Stadt Grimma kurz entschlossen die Überreste des brandgeschädigten Hauses auf dem Wetteritzer Mühlengelände mit einem Bagger einreißen und zusammenschieben lassen
Weil Gefahr in Verzug war, hat die Stadt Grimma kurz entschlossen die Überreste des brandgeschädigten Hauses auf dem Wetteritzer Mühlengelände mit einem Bagger einreißen und zusammenschieben lassen Quelle: Frank Schmidt
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Grimma/Wetteritz

Nachdem etwa 50 Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren aus Mutzschen, Grimma Nerchau und Zschoppach am Sonntagmorgen viele Stunden ihrer Freizeit opfern mussten, um den Wohnhausbrand in Wetteritz bei Mutzschen zu löschen (LVZ berichtete), rückte unverzüglich ein Bagger an, um die restlichen Mauern niederzureißen und in sich zusammenzuschieben. Den Auftrag dazu gab Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) und begründete dies mit „Gefahr in Verzug“.

Eilentscheidung – Es musste gehandelt werden

Der Eilentscheidung sei eine persönliche Vor-Ort-Begehung vorausgegangen. „Ich habe während der Löscharbeiten in unmittelbarem Kontakt mit den Löschkräften gestanden, die darum baten, dass ich mir das Ganze vor Ort ansehen sollte. Und dabei wurde klar erkennbar, dass der Giebel instabil ist und auf die Straße zu stürzen drohte. Hier musste also gehandelt werden“, stellte Berger auf LVZ-Anfrage klar. Sehr wohl wissend, dass eine mutmaßliche Brandstiftung vorliegen könnte und damit mögliche Spuren für Brandermittler verloren gehen würden. Ohnehin sei der allgemeine Gesamtzustand des Gebäudes aufgrund der Vorschäden instabil gewesen.

Müllberge und Gebüsch erschweren die Löscharbeiten bei dem Brand in Wetteritz.

Wohnhaus gehörte ursprünglich zu einer Mühle

„Das ist schon seit Jahren eine Ruine gewesen, in der es ja nicht das erste Mal gebrannt hat. Von einem intakten Haus konnte man schon gar nicht mehr sprechen, das war nicht mehr zu halten“, fügte Berger an. Ursprünglich war es das Wohnhaus einer Windmühle, die nach Aussagen von Einheimischen bereits in den 60er- oder 70er-Jahren abgerissen wurde. Deshalb sprechen die Leute auch vom „Wetteritzer Mühlengrundstück“, das aber abgelegen und seit Jahren unbewohnt sei. „Wenn ich hier mal Leute von Weitem gesehen habe, dann haben die nur ihren Müll abgeladen. Aber ehe man die zur Rede stellen konnte, sind die mit ihren Autos längst wieder weg“, sagte ein 80-jähriger Rentner, der am Montag mit seinem Hund dort vorbei kam.

Polizei respektiert Abriss trotz Brandermittlung

Für die Polizei stelle sich Bergers Tatsachenentscheidung nicht als Problem dar. „Das Gebäude war unbewohnt und Personen sind auch nicht zu Schaden gekommen. Und wenn die Mauern einsturzgefährdet sind, können wir auch keine Brandermittler rein lassen“, erklärte der Leipziger Polizeisprecher Alexander Bertram.

Erbengemeinschaft vernachlässigt Immobilie in Wetteritz

Bleibt die Frage nach den Besitzern, denen ihr Haus, wenn auch marode, quasi über Nacht dem Erdboden gleichgemacht wurde. Die Antwort darauf sei „ganz kompliziert“, denn da stehe eine Erbengemeinschaft aus „wirtschaftlich nicht leistungsfähigen Personen“ dahinter. „Aber die hatten ihre Chancen, das Grundstück adäquat zu sichern“, sagte Berger ohne Bauchschmerzen. Denn, so fügte er an, „Eigentum berechtigt nicht nur, es verpflichtet auch“. Und wenn sich über Jahre hinweg jemand nicht zu seinem Eigentum bekennen würde, dann müsste man den Enteignungstatbestand haben. „Es kann nicht sein, dass so ein verantwortungsloses Handeln über Jahre geduldet wird“, ging der Rathauschef mit den Eigentümern hart ins Gericht.

Die Flammen wüteten vor allem im Innern des Gebäudes, das nur schwer zugänglich war. Quelle: Frank Schmidt

Grimma geht bei Kosten in Vorleistung

„Ich freue mich schon darauf, wenn die Erbengemeinschaft kommt, weil wir deren Eigentum vernichtet haben, die können was erleben“, fuhr Berger schon jetzt symbolisch die Krallen aus. Da es sich um eine sogenannte „Ersatzvornahme“ handelte, muss die Stadt für die noch nicht näher bezifferten Kosten der Lösch- und Abrissarbeiten aufkommen.

„Wir versuchen das natürlich den Eigentümern in Rechnung zu stellen.“ Um dem Müll Herr zu werden, wolle sich die Kommune mit dem Landratsamt in Verbindung setzten, ebenfalls zulasten der Eigentümer, erklärte Berger abschließend.

Von Frank Schmidt