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Grimma Naturschutz stoppt Abriss der Papierfabrik Golzern
Region Grimma Naturschutz stoppt Abriss der Papierfabrik Golzern
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14:43 04.04.2019
Die frühere Brikettfabrik Golzern liegt mitten in der Mulde. Quelle: Thomas Kube
Grimma

Die Nachricht kommt einem Paukenschlag gleich: Die Landesdirektion Sachsen hat die von der Stadt Grimma beantragte Verlängerung der im November 2014 erteilten Abbruchgenehmigung für die frühere Papierfabrik Golzern versagt. „Die denkmalgeschützten Gebäude der Fabrikanlage sind daher zu erhalten“, teilte Pressesprecher Holm Felber am Donnerstag mit.

Behörde verweist auf Naturschutz und geschützte Arten

Letztlich stoppen nicht die Denkmal-, sondern die Naturschützer den Plan der Stadt Grimma, große Teile des mitten in der Mulde liegenden Industriedenkmals abzureißen und so auch den Hochwasserschutz für Dorna zu verbessern. Hintergrund der Entscheidung der Landesdirektion sei „das fehlende Einvernehmen der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Leipzig“, so Felber. Diese hatte im Zusammenhang mit dem Abriss-Begehren die Naturschutzbelange zu prüfen.

Die historische Fabrikanlage werde von Naturschutzgebieten europäischen Rangs umschlossen. Darüber hinaus würden in der Anlage geschützte Tierarten siedeln, führt Felber dazu aus. Der Abbruch habe daher immer auch Auswirkungen auf naturschutzrechtliche Belange. „Diese Auswirkungen sind vor einem eventuellen Abbruch der Papierfabrik einer naturschutzrechtlich tragfähigen Klärung zuzuführen“, lässt Felber eine Hintertür offen.

Grimmas OBM Berger von Bescheid überrascht

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) erfuhr die Botschaft von der LVZ. „Ich bin irritiert, dass solche wichtigen Entscheidungen über die Medien kommuniziert werden“, ärgerte sich der Rathauschef. Das sei „stillos“. Die Entscheidung selbst kann er nicht nachvollziehen. Auch ohne Genehmigung falle die Ruine zusammen, werde eines Tages im Flussbett liegen und erhöhe die Gefahr für den Hochwasserschutz, sagte Berger. Für die Stadt sei der Abbruch alternativlos.

„Die viel beschworenen Investoren habe ich bis heute nicht kennengelernt“, glaubt Berger nicht an eine mögliche Nachnutzung. „Alle, die hier waren, verabschiedeten sich, als sie die Dimension sahen.“ Berger spricht von einem Millionenaufwand. Die Stadt selbst habe kein Geld für den Erhalt der ruinösen Fabrik. Ihre Prioritäten lägen bei Schulen, Kindergärten und Feuerwehr.

Bürgerinitiative sieht neue Chance für den Erhalt

Nach der Muldeflut 2013 hatte die Papierverarbeitung Golzern ihren jahrhundertalten Standort aufgegeben und produziert seit 2015 in Mutzschen. Die Stadt Grimma erwarb das leer stehende Ensemble mit dem Ziel, es abzureißen. Dafür waren bereits zwei Millionen Euro Fördergeld in Aussicht gestellt. Naturschutz-Belange verzögerten das Vorhaben, am 28. November 2017 lief dann die denkmalschutzrechtliche Abbruchgenehmigung nach einer Dreijahres-Frist ab. Wenige Tage zuvor hatte die Kommune den Antrag auf Verlängerung um zwei weitere Jahre eingereicht.

Dorothea von Below, Vorstand "Freundeskreis Dorf und Schloss Döben, Papierfabrik Golzern. Quelle: Thomas Kube

„Halleluja“, entschlüpfte es Dorothea von Below, die ebenfalls von der LVZ mit der Nachricht überrascht wurde. Döbens Schlossherrin ist der führende Kopf einer Bürgerinitiative (BI), die sich für den Erhalt des industriellen Kulturdenkmals stark macht und die Begründungen zum Hochwasserschutz als nicht stichhaltig ansieht. Ihren Worten zufolge hätten potenzielle Investoren mehrfach Interesse angemeldet. „In Leipzig sind die großen Immobilien vergeben. Interessenten, die solche Gebäude entwickeln wollen, drücken jetzt nach draußen“, so von Below. Das Ensemble mit seiner einzigartigen Lage sei nicht nur als Denkmal, sondern auch aus Sicht der Nutzung erhaltenswert und könnte ein „unglaublicher Kristallisationspunkt für die Region“ werden. Auch die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig reiche die Hand, so von Below.

Ministerin Stange an Expertenrunde interessiert

Beim Sachsengespräch der Landesregierung vor wenigen Tagen in Grimma ging von Below auf Ministerin Eva-Maria Stange zu. Die habe Interesse an einer Expertenrunde zur Fabrik, so die BI-Chefin. Von Below will nun versuchen, alle an einen Tisch zu holen und hofft, dass auch die Stadt Grimma bereit ist, gemeinsam über Wege zum Erhalt nachzudenken.

Von Frank Prenzel

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