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Grimma Naunhof zeigt Bilder unerreichbarer Schönheit
Region Grimma Naunhof zeigt Bilder unerreichbarer Schönheit
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18:06 12.09.2019
Zeitzeugen: Witwe Dagmar Dorndeck (li.) und das frühere Model Renate Stephan, die auf den Schwarz-Weiß-Fotos im Hintergrund zu sehen ist, zur Vernissage in der Galerie Kugel. Quelle: Roger Dietze
Naunhof

„Es handelt sich um ein Ausstellungshighlight der Galerie Kugel“, sagt Christa Winkelmann in ihrer Laudatio. Und wie die ehemalige Geschäftsführerin des Buchverlags für die Frau doch recht hat! Die Fotos, die seit Mittwochabend auf zwei Etagen des Naunhofer Rathauses hängen, zeigen einen Ausschnitt der DDR, der für die breite Masse im Bereich der Wunschträume lag, aber nie erreichbar war.

Rainer Dorndeck, der von 1973 bis zu seinem Tod 2011 in Borsdorf lebte, war es, der auf den Auslöser drückte. In der Regel handelt es sich um schwarz-weiße Auftragswerke. Interpelz Leipzig wie auch die Kombinate Trikotagen Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), Esda Thalheim und Lederwaren Schwerin orderten den Freiberufler für Mode- und Werbefotos, die auf Käufer im westlichen Ausland zielten. „Manches ging zwar auch für die eigene Bevölkerung in Serie, doch der überwiegende Teil war für den Export bestimmt. Der Staat brauchte Devisen“, erklärt Dagmar Dorndeck, die als Ehefrau dem Fotografen zeitlebens assistierte.

Aufnahmen in Steinbrüchen der Region

Von ihm forderten die Betriebe bestimmte Frauentypen und ein passendes Umfeld. Mitunter waren auch neutrale Hintergründe gefragt, um den Grafikern mehr Spielraum auf der freien Fläche zu geben. So entstanden zwar viele Aufnahmen im Atelier der Dornbecks in Leipzig-Schönefeld, einer maroden Unterkunft, in die es rein regnete. Ging es um ein Shooting im Freien, dann waren dem Borsdorfer die Steinbrüche von Ammelshain und Beucha sowie die Kleinpösnaer Sandgrube am liebsten. „Klar, er hätte auch gerne mal in Frankreich oder in den Alpen fotografiert. Aber da durften wir ja nicht hin“, bedauert die 76-Jährige.

Ausdrucksstark: Models und Verfall

Nicht die einzige Einschränkung. Dorndeck wagte sich einmal, seine Models vor alten zerfallenen Fassaden in Leipzig posieren zu lassen. Diese Fotos wurden ihm nicht abgenommen. Doch genau sie sind es, die in der jetzigen Ausstellung mit einer enormen Wucht ausstrahlen. Der Kontrast zwischen Edelpelzen und Verfall erzeugt eine ungeheuere Spannung, die das damalige Sein auf den Punkt bringt und für die Ewigkeit fixiert. Dorndeck war damit einer der Vorreiter eines Sujets, an dem sich später viele – mehr oder weniger erfolgreich – versuchten.

Echt wirkende Akt-Aufnahmen

Was rundherum ins Auge springt, ist die Natürlichkeit seiner Models, zumeist Frauen. Der als humorvoll und bescheiden geltende Künstler erlaubte offenbar allen, sich individuell vor der Kamera zu bewegen. Nichts wirkt gekünstelt, jede Szene spiegelt das Innere des Menschen. Auch bei den Aktaufnahmen, die oft im Rahmen der Mode- und Werbefotografie entstanden. Von ihnen sind ebenfalls einige Beispiele in der Schau zu bestaunen, die Dagmar Dornbeck und die Leipziger Historikerin Elke Pietsch konzipiert haben.

Model zur Vernissage anwesend

Den Eindruck vom direkten Draht zwischen Fotograf und Model bestätigte zur Vernissage Renate Stephan, die in Naunhof geboren wurde, wo ihre Großeltern die Kirschnerei und das Pelzgeschäft Burschberg betrieben. Sie war mit 15 Jahren von der Fotografenlegende Günter Rößler entdeckt worden und hatte über diesen Kontakt Dornbeck kennengelernt, mit dem sie ab 1970 arbeitete. „Das lief alles sehr ausgeglichen, einfühlsam und sympathisch ab“, blickt sie zurück. Spielerische Posen, die nach einem Glas Wein entstanden, gehören zu den besonderen Hinguckern in der Galerie.

Eine Welt schließt sich, andere öffnet sich

Anfang der 1990er-Jahre kam für den Fotokünstler, der sich in seiner Geburtsstadt Bitterfeld erste Erfahrungen im Metier angeeignet und 1961 bis ’66 an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studiert hatte, der Bruch. „Als die großen Auftraggeber wegfielen, hat er noch für einige neu gegründete Betriebe aus der Baubranche und der Konfektion Werbekonzepte mitentwickelt. Er hörte aber auf, als es auf die Rente zuging“, sagt seine Witwe. Zugleich eröffneten sich für sie und ihren Mann neue Horizonte. „Endlich konnten wir die Welt kennenlernen, in die früher unsere Bilder gegangen waren. Wir schauten uns Europa an, besuchten Museen, waren fasziniert von dem Lebensgefühl.“

Ausstellung „Junge Leute zu DDR-Zeiten im Blickwinkel der Werbe- und Modefotografie“, Galerie Kugel im Rathaus Naunhof, geöffnet dienstags 9 bis 12 und 14 bis 18.30 Uhr, mittwochs und donnerstags 9 bis 12 und 13 bis 15.30 Uhr sowie freitags 9 bis 12 Uhr; zu sehen bis zum 10. Januar 2020

Von Frank Pfeifer

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