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Grimma Naunhofer Modellbahner zeigen historische Waggons
Region Grimma Naunhofer Modellbahner zeigen historische Waggons
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17:00 04.04.2019
Bonbonzug mit Überraschungen für Kinder: Thomas Jähnichen (li.) und Ulrich Meißner bestücken die Waggons. Quelle: Thomas Kube
Naunhof

Miniaturzüge schlängeln sich durch verträumte Landschaften, in den kleinen Häuschen gehen abends die Lichter an. Allein nur das Zuschauen weckt ein Stück Kindheit im Betrachter – für gewöhnlich während der Adventszeit. Was aber, wenn in den Bahnwaggons Ostereier liegen? Dann präsentieren die Naunhofer Modellbauer außerhalb der Saison ihre Anlagen dem geschätzten Publikum. Am Sonnabend wird das der Fall sein.

„Nach jeder Runde stoppt unser Bonbonzug, und die Kinder dürfen zugreifen“, kündigt Thomas Jähnichen an. Für den Vorsitzenden der Naunhofer Eisenbahnfreunde hat die Anlage mit der für heutige Verhältnisse riesigen Spur 0 eine besondere Bedeutung. Als kleiner Naseweis, als noch niemand ahnte, dass er einmal Arzt werden würde, hat er noch selber mit ihr gespielt. Inzwischen ist sie weiterentwickelt und durch neue Häuser ergänzt worden.

Naunhofer Bahnhof originalgetreu nachgebaut

„Irgendeinen Klaps muss man haben“, bekennt der 75-Jährige. „Ich habe mir eine Aufgabe gesucht und hier gefunden.“ Als Bastler bezeichnet er sich nicht, eher interessiert ihn die Eisenbahnhistorie. Und so funkeln denn seine Augen, wenn er vor der größten Anlage im Haus der Vereine mit der Spur HO steht.

Die Naunhofer Modellbahner zeigen vor Ostern ihre historischen Anlagen.

Sie zeigt den Naunhofer Bahnhof, wie er bis 1945 aussah. „Wertvolle Tipps erhielten wir von Zeitzeugen, so dass wir ihn originalgetreu nachbauen konnten“, berichtet Jähnichen. Drei Gleise führten seinerzeit an ihm vorbei, hinzu kamen noch einige Rangiergleise an der Ladestraße, die ihren Namen erhielt, weil dort die zahlreichen Güter für die örtliche Industrie umgeschlagen wurden.

Frühere Bauten verschwunden

Heute existieren nur noch zwei Schienenstränge. Verschwunden sind auch die Nebengebäude, die auf der Modellanlage noch zu sehen sind: Wasserstation für Dampfloks, Gaststätte, und Lagerschuppen. Thomas Jähnichen zeigt auf ein Sägewerk. „Dort steht heute der Rewe-Markt.“

Auch von der Drehscheibe, auf die er verweist, fehlt inzwischen jede Spur. Über sie wurden früher Waggons auf ein im rechten Winkel abzweigendes Gleis gerollt, das zum Wasserwerk bei Ammelshain führte. „Es musste mit Kohle und Kalk versorgt werden“, weiß der Hobby-Modellbahner. „Eine Lok fuhr dorthin aber nicht, die Wagen wurden mit dem Pferd gezogen.“

Probleme mit realer Eisenbahnstrecke

Vorm Bahnhof steht auf der Anlage eine Diesellok mit zwei Personenwaggons und einem Speisewagen der Mitropa. Genau dieselbe Kombination machte am 22. Dezember vergangenen Jahres dort Halt aus Anlass des 150-jährigen Bestehens der Strecke Borsdorf-Coswig. Für viele Eisenbahner ein freudiger und zugleich trauriger Termin, denn inzwischen herrscht nur noch bis Döbeln Fahrbetrieb.

Jänichen fügt einen weiteren Aspekt hinzu. „Der Naunhofer Bahnhof sticht heute als der am besten sanierte und genutzte entlang der gesamten Strecke heraus. Kreissportbund, Bäckerei mit Café und Touristinformation sind dort beheimatet“, sagt er. „Alle anderen Bahnhöfe befinden sich dagegen in einem beklagenswerten Zustand. Die große Deutsche Bahn will nur schnell und geradeaus fahren, die historische Situation am Rande interessiert sie nicht.“

Naunhofer Modellbahner setzten auf digitale Technik

Geschichtsträchtig ist nicht nur der Aufbau der großen Modellbahnanlage, sondern auch ihre Technik. Gesteuert wird sie analog mit Trafos, Knöpfen und Schaltern. Das digitale Zeitalter soll Einzug halten auf einer TT-Anlage nebenan, die unter anderem Ulrich Meißner unter seine Fittiche genommen hat. Der 61-jährige frühere Ingenieur für Elektrotechnik ist einer der Bastler in der Interessengemeinschaft.

„Es handelt sich eigentlich um zwei kleinere Anlagen, die wir geschenkt bekamen und zusammengefügt haben“, erklärt er. Für die Digitaltechnik muss er sämtliche Gleise wechseln. „Jede Lok braucht einen Dekoder, hinzu kommt ein Computer mit dem entsprechenden Programm. Das alles ist eine Geldfrage.“

Interessengruppe hofft auf Nachwuchs

Meißner, der täglich drei bis vier Stunden im Raum verbringt, um die Landschaften zu säubern und die Technik zu warten, hofft, dass sich mit der Einführung moderner Technik mehr Kinder und Jugendliche für das Hobby interessieren. Die sechs Mitglieder der Interessengemeinschaft, allesamt sind sie nicht mehr die Jüngsten, würden sich Nachwuchs für ihre Gruppe wünschen.

Vielleicht lassen sich die Kinder aber auch schon von einer ganz anderen Anlage faszinieren. Sie besteht aus einer verschneiten Landschaft und steht am Eingang des Reichs der Modellbahner. Die Technik lässt sich so einfach bedienen, dass sogar die Kleinsten Hand anlegen dürfen. Und Praxis ist nun mal immer besser als alle graue Theorie.

Frühlingsmodellbahntag am 6. April, 14 bis 18 Uhr, Haus der Vereine, Naunhof, Vereinsweg 1; gleichzeitig sind im selben Gebäude die Heimatstube und das Museum für historische Bürotechnik geöffnet

Von Frank Pfeifer

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