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Grimma Naunhofer Verein stellt Wiederbelebung in Fokus der Herzwochen
Region Grimma Naunhofer Verein stellt Wiederbelebung in Fokus der Herzwochen
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14:48 29.11.2019
Michael Schramm (r.), Präsident von AktivSport Saxonia und Gesundheitsförderin Anna Heit (l.) vom Gesundheitsamt des Landkreises leiteten bei praktischen Übungen zur Wiederbelebung an. Quelle: Thomas Kube
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Naunhof

Unter dem Motto „Bedrohliche Rhythmusstörungen: Wie schütze ich mich vor dem plötzlichen Herztod?“ standen die bundesweiten Herzwochen im November dieses Jahres. Am Freitag gab es dazu auch eine Veranstaltung in der Geschäftsstelle des Naunhofer Vereins Aktivsport Saxonia.

In Kooperation mit dem Gesundheitsamt und dem Kreissportbund wurden interessierte Vereinsmitglieder über die Möglichkeiten der Wiederbelebung bei Notfällen informiert. Diese Informationsveranstaltungen sollen ab 2020 dann auch in verschiedenen Städten des Landkreises angeboten werden. Michael Schramm, der Präsident von Saxonia hat im Laufe seiner langjährigen Tätigkeit schon unzählige Male solche Notsituationen bewältigen müssen und Leben retten können.

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Gemeinsam mit Gesundheitsförderin Anna Heit vom Gesundheitsamt des Landkreises wurden praktische Übungen mit einem Defibrillator durchgeführt. Wobei die beiden Referenten gleich Mut machten und bekräftigten, dass man beim Umgang mit dem „Defi“ optisch und akustisch geführt wird und somit eigentlich nichts falsch machen kann. Oberster Tenor: Wichtig ist, überhaupt zu helfen, als gar nicht zu reagieren. „Das wäre dann auch unterlassene Hilfeleistung, während jegliche Versuche einer Wiederbelebung niemals eine juristische Ahndung erfahren werden“, bekräftige Michael Schramm.

Schematische Darstellung der Abläufe einer Reanimation. Quelle: Klinik

Dann wurde er noch etwas direkter und meinte: „Eine Herzdruckmassage ohne Rippenbruch – ist keine richtige Herzdruckmassage. Schließlich geht es darum Leben zu retten, da ist ein Rippenbruch das deutlich kleinere Übel“. Andere Insidertipps kamen von Anna Heit: „Pulsmessen sollte man nicht an der Hand, sondern direkt am Hals des Verunfallten. Und zwar mit Zeige- und Mittelfinger, der Daumen ist dafür eher ungeeignet.“ Da die Herzdruckmassage sehr anstrengend ist, sollte man sich möglichst um weitere Helfer bemühen. „Wer sich vor der Mund-zu-Mund-Beatmung scheut“, so die Gesundheitsmanagerin, sollte wenigstens 100 bis 120 Mal die Herzdruckmassage anwenden. Und natürlich nur bei bewusstlosen Personen, der „Defi“ erkennt den Puls und reagiert sofort auf Veränderungen. „Leider gibt es noch viel zu wenige Defibrillatoren im öffentlichen Raum, weil es keine Pflicht in Deutschland ist“, bedauerte Anna Heit.

>> Lesen Sie auch: Woche der Wiederbelebung in Leipzig

Um gleich weitere wichtige Informationen nachzuschieben. „Wenn man einen Defi aus seiner Halterung nimmt, geht automatisch ein Notruf an die nächstgelegenen Rettungsstelle mit entsprechender Ortung heraus. Und wenn man keinen „Defi“ greifbar hat und einen Notruf via Handy absetzt, sollte man zuerst immer den Ort und die Notsituation beschreiben. Ganz einfach, weil durch Funklöcher die Verbindung abbrechen kann und dann die Rettungsleitstelle schon reagieren kann. Jährlich gibt es etwa 67.000 Fälle von plötzlichem Herzstillstand. Wenn dadurch die Durchblutung zum Hirn länger als fünf Minuten unterbrochen ist, ist der Hirntod meistens unvermeidbar. Deshalb zählt jede Minute und selbstbewusstes Handeln von möglichen Ersthelfern.

Von Thomas Kube