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Grimma Naunhofs Waldbad endlich offen
Region Grimma Naunhofs Waldbad endlich offen
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09:05 02.07.2019
Arbeiten im Naunhofer Waldbad Hand in Hand: Schwimmmeister Jörg Hackenschmidt und Ute Kaufmann von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, die Rettungsschwimmer stellt. Quelle: Thomas Kube
Naunhof

Seit 115 Jahren wird in Naunhof Schwimmsport betrieben. Doch ausgerechnet zu diesem ehrenwerten Geburtstag läuft der Betrieb nicht rund im Waldbad. Weil Fachpersonal fehlt, öffnete es erst an diesem Montag und ist nun schon wieder zwei Tage lang geschlossen. Für Ute Kaufmann, technische Leiterin der Ortsgruppe Naunhof der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), alles andere als ein perfekter Zustand.

Problem zum Teil hausgemacht

Ihre Organisation und die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes stellen Rettungsschwimmer für das Bad. „Damit gibt es keine Probleme, unsere Jugendlichen verdienen sich auf diese Weise Feriengeld“, erklärt Kaufmann. Das Problem sei der Mangel an Schwimmmeistern, und dieses wäre zum Teil hausgemacht.

Geschichte des Naunhofer Schwimmsports

Die Geschichte des Schwimmsports in Naunhof dokumentierte der frühere technische Leiter der DLRG-Ortsgruppe, Eberhard Böhme, in einer Broschüre.

Demnach entstand um 1900 mit dem Aufstauen der Parthe der Schlossmühleich, der als Badestelle genutzt wurde. Am 22. September 1903 gründete sich ein Schwimmsportverein, dem Bürgermeister Igel vorsaß. Nach einer Durststrecke während des Ersten Weltkriegs öffnete sich der Verein 2021 für Frauen. Am 8. Juli 1934 wurde das Waldbad eingeweiht. 1939 musste sich der Schwimmverein mit dem Sportverein Naunhof und dem Turnverein Naunhof zusammenschließen. Durch den Zweiten Weltkrieg dezimierte sich die Zahl der Mitglieder erneut. 1952 entstand die Betriebssportgemeinschaft „Lokomotive“ Naunhof, unter anderem mit der Sektion Schwimmen, die viele Titel holte. Als nach dem Mauerfall das Bad schloss und sich Rahmenbedingungen für „Lokomotive“ änderten, schlief die Vereinstätigkeit der Schwimmer ein. Im März 2000 gründete sich die Ortsgruppe Naunhof der DLRG, und am 18. August 2001 eröffnete das wiedererrichtete Waldbad.

Ausführliches in der 110-seitigen Broschüre „100 Jahre Schwimmsport in Naunhof“ aus dem Jahr 2003, erhältlich bei Ute Kaufmann unter Telefon 034293/47 90 44

Früher, so erinnert die 49-Jährige, reichte eine Schwimmmeisterin mit einem Assistenten aus, die im Sommer länger arbeiteten und im Winter dafür frei machten. Später habe die Bäderverordnung zwei Schwimmmeister vorgeschrieben. „Doch seit den Streiks des städtischen Personals ist für alle Mitarbeiter der Tarifvertrag bindend, wonach eine wöchentliche Arbeitszeit von 40 Stunden nicht überschritten werden darf“, erläutert Kaufmann. „Man hat sich also selbst ein Bein gestellt und brauchte nun gleich drei Schwimmmeister, um die Öffnungszeiten abdecken zu können.“

Alle drei Fachkräfte fallen aus

Die Krux an der Sache: Eine Schwimmmeisterin fiel nun für längere Zeit krankheitsbedingt aus, die anderen beiden befinden sich im Mutterschutz. So blieb das Bad an der Wiesenstraße, das eigentlich Mitte Mai hätte öffnen sollen, bis jetzt zu. Erst kurzfristig fand sich mit Jörg Hackenschmidt aus Leipzig ein Ersatz. Ihn hatte Kaufmann in dessen früherer Arbeitsstätte, der Sachsentherme, kennengelernt und gefragt, ob er sich nicht einen Wechsel nach Naunhof vorstellen könnte.

Nur verkürzte Öffnungszeit abzudecken

„Ich wollte mich beruflich verändern und habe mich auf die bis September 2020 befristete Stelle beworben, als ich die Anzeige der Stadt las“, sagt der 47-Jährige. Er weiß, dass es momentan schwer ist, Fachpersonal zu finden, aber allein kann er nicht die von früher her gewohnten Öffnungszeiten anbieten. „Das geben meine 40 Stunden nicht her“, erklärt er.

Konkret heißt das, die Türen werden nicht mehr 21 Uhr, sondern schon 19 Uhr abgeschlossen; an manchen Tagen gehen sie erst nachmittags auf. Dienstags und mittwochs bleiben sie ganz dicht. Hinzu kommt, dass Hackenschmidt übernächste Woche einen lange geplanten Urlaub antritt und dann das Bad voraussichtlich nochmals 14 Tage geschlossen ist.

Naunhofer genießen Badespaß

Die vielen Gäste, die am Montag im Wasser planschten, waren trotzdem froh, dass die Saison nun endlich begonnen hat. Stephan Kramer-Pausch aus Naunhof genoss mit seiner Tochter und Freundin den Badespaß. Allerdings hätte er sich noch mehr gefreut, wenn die Einrichtung nicht erst jetzt geöffnet worden wäre. „Man hätte eher nach einem Schwimmmeister Ausschau halten sollen“, übt der 28-Jährige Kritik.

Negative folgen für Kinder und DLRG

„Das für Dienstag geplante Schwimmfest der Grundschule fiel aus, dafür gab es einen Wandertag. Und in der anstehenden Ferienzeit können die Kinder nicht täglich ins Bad“, nennt Ute Kaufmann unschöne Folgen der Misere. Doch auch auf die DLRG habe die Situation negative Auswirkungen. „Wir haben einen Trainingsrückstand, der sich bei Wettkämpfen niederschlägt“, sagt sie.

Zwar verfüge die DLRG über ausgebildete Kräfte, die für die Sicherheit der bei ihr organisierten Kinder und Jugendlichen sorgen können. „Aber es muss ein Schwimmmeister da sein, der auch die Wasserqualität prüft, sonst kommen wir nicht rein ins Bad“, erläutert Kaufmann. Alternativen hätten sich keine geboten. Die Naunhofer Seen seien fürs Training ungeeignet, und andere Bäder würden zu viel Geld verlangen.

Hoffen auf zweiten Schwimmmeister

„Jetzt sind wir aber glücklich, endlich mit dem Training beginnen zu können“, betont Ute Kaufmann. „Und vielleicht findet sich in der laufenden Saison ja doch noch jemand, der den Schwimmmeister unterstützt, so dass die Öffnungszeiten erweitert werden können.“

Öffnungszeiten: Montag 11 bis 19 Uhr, Dienstag und Mittwoch geschlossen, Donnerstag und Freitag 13 bis 19 Uhr, Sonnabend und Sonntag 10 bis 19 Uhr

Von Frank Pfeifer

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