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Grimma Neichen bleibt vorerst ohne Glasfasernetz
Region Grimma Neichen bleibt vorerst ohne Glasfasernetz
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05:00 15.08.2018
Bunt und schnell: Glasfaser gibt’s vorerst nur für Trebsen, Seelingstädt und Altenhain, wenn sich dort genügend Haushalte dafür entscheiden. Neichen muss warten. Quelle: Archiv
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Trebsen

Die Kernstadt, Altenhain und Seelingstädt bleiben drin, Neichen fliegt vorerst raus aus den Ausbauplänen der Deutschen Glasfaser AG (DG). Im Technischen Ausschuss überraschte Bürgermeister Stefan Müller (CDU) am Montagabend mit der Aussage, dass das Unternehmen aus Borken an der holländischen Grenze in einem ersten Schritt nur noch 92 Prozent des Gemeindegebiets mit superschnellen Internetleitungen versehen will. Voraussetzung bleibt: Es müssen mindestens 40 Prozent der Haushalte ihr Interesse anmelden.

Aufwand für Neichen zu groß

„Die Glasfaser AG hat die Längen ausgemessen und festgestellt, dass der Aufwand höher als gedacht ist“, informiert Müller. „Zunächst drohte Altenhain zu entfallen, dieser Gedanke ist aber vom Tisch.“ Knapp werden könnte es noch für Randgebiete der Kernstadt, wie Walzig und die Schneiderteiche.

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Vom Grundsatz her bestätigt DG-Regionalleiter Michael Kölling die Angaben. „Bevor wir final sagen, was pro Standort geht, fahren wir die Orts- beziehungsweise Stadtteile ab“, erklärt er auf Anfrage. „Deshalb ist in einem ersten Schritt der Ausbau nur in 92 Prozent von Trebsen möglich. die restlichen acht Prozent, also Neichen, können später folgen.“

Glasfaser AG will Einzelfälle prüfen

Aktiv wird das Unternehmen allerdings nur, wenn 40 Prozent der Haushalte einen Vertrag mit ihm unterschreiben. Ob in der Kernstadt, Altenhain und Seelingstädt das Interesse gemeinsam abgefragt wird oder in irgendeiner Weise das Gebiet gesplittet wird, um wenigstens einen Ortsteil zu erschließen, will Kölling am Donnerstag mit dem Bürgermeister besprechen.

Wenn das abgesteckte Gebiet aber befragt wird und sich für die DG entscheidet, „dann werden wir es zu 100 Prozent erschließen“, verspricht Kölling weiterhin, schickt aber eine Einschränkung hinterher: „Es kann sein, dass ein einzelnes Haus 500 Meter von der Hauptstraße entfernt liegt und in Phase eins nicht dabei ist. Das bewegt sich aber im Promillebereich. Wir müssten dann mit dem Eigentümer eine Einzelfallentscheidung treffen, er könnte per finanzieller Beteiligung oder Eigenleistung zum Anschluss beitragen.“

Glasfasernetz anstatt Kupferleitung

Zahlen muss für den Anschluss auch, wer sich erst für einen DG-Vertrag entscheidet, wenn das Glasfaserkabel schon in seiner Straße versenkt ist. Kostenlos erhalten ihn nur jene, die vorher unterschreiben. Mehrere Abgeordnete diskutierten nach der Trebsener Ausschusssitzung darüber, ob überhaupt noch das alte Kupfer-Telefonkabel der Telekom benötigt wird, wenn Glasfaser im Haus liegt. Kölling sagt dazu klipp und klar Nein.

„Wir suchen uns einen vorhandenen Abgangspunkt eines Anbieters, von dem aus wir ein eigenes Netz verlegen“, erläutert er. „Über Glasfaser gibt’s dann Telefon, Internet und Fernsehen. Der Kupferanschluss kann abgeklemmt werden.“

Interesse in Altenhain am höchsten

Am 22.September will die DG, die mit der Kommune einen Wegenutzungsvertrag abgeschlossen hat, in die Werbung gehen. Für Stadtrat Dieter Grobe (SPD) etwas zu spät. „Zum Tag des offenen Denkmals am 9. September kommt fast ganz Seelingstädt am Speicher zusammen. Dann würde es sich gut anbieten, das Angebot zu erläutern“, meint er. Bürgermeister Müller will das am Donnerstag mit ansprechen.

Nach allgemeinem Dafürhalten besteht in Altenhain das größte Interesse, denn dort wird noch mit Modemgeschwindigkeit gesurft. Das Grimmaer Unternehmen Drahtlos DSL hatte sich auch um einen Ausbau bemüht und schon zwei Schaltkästen gesetzt, als der finanzstarke Konkurrent DG auf den Plan trat. Seitdem wurden keine Aktivitäten des regionalen Betriebs mehr im Ort beobachtet.

Von Frank Pfeifer