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Grimma Nerchau: Zirkus Bügler zieht den Stecker
Region Grimma Nerchau: Zirkus Bügler zieht den Stecker
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16:41 26.01.2017
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Grimma/Nerchau

Statt in ihrer Manege hatten die Leute vom Zirkus Bügler am Donnerstag einen Auftritt im Amtsgericht Grimma. Anlass war eine Güterverhandlung, die von der Stadt Grimma im Eilverfahren angestrengt wurde, um eine einstweilige Verfügung gegen die Fahrensleute zu erwirken. Es ging um wiederholte rechtswidrige Nutzung von städtischen Flächen an der ehemaligen BHG (LVZ berichtete). Im Ergebnis haben die Streitparteien einem gerichtlichen Vergleich zugestimmt, der die Zirkusleute bis Donnerstag 15 Uhr zum Handeln zwang. Sie haben, so fasste Gerichtssprecher Malte Fischer das Ergebnis zusammen, „das im Streit stehende Grundstück in Nerchau zu räumen und die Nutzung künftig zu unterlassen.“ Bei jeder Zuwiderhandlung des Zirkus werde eine Zahlung von 3 000 Euro fällig. Und: „In dem Vergleich wurde jedoch der Stadt vorbehalten, eine Räumung auch selbst vornehmen zu dürfen.“

Zuvor hatte die Richterin den Zirkusleuten, vertreten durch das Familienoberhaupt Ludwig Bügler und dessen Sohn August, den von der Stadt verfassten Räumungsantrag ausgehändigt. „Was sollen wir damit anfangen? Wir können nicht lesen“, ließen Vater und Sohn wissen, die ohne juristischen Beistand vor Gericht erschienen. Weshalb die Richterin ausdrücklich nachfragte, ob ihnen der Inhalt des Schreibens und damit des Verfahrens verständlich gemacht wurden sei. Was schlussendlich bejaht wurde, führte dann zur Darlegung der Streitpunkte.

Um die komplex zu erfassen, bedarf es einer Rückblende. Bereist im November 2016 wurden die Zirkusleute kurz nach ihrer Ankunft in Nerchau von der Stadt auf die rechtswidrige Nutzung städtischer Flächen aufmerksam gemacht und ultimativ aufgefordert, diese zu räumen. Mehrere festgesetzte Fristen sind mehr oder weniger eingehalten worden. Ein letzter Termin vor Ort fand vor einer Woche statt. Da bekräftigte Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) erneut seine Sorge, dass die Stadt auf den Müll und Schrott als Hinterlassenschaften des Zirkus sitzen bleiben könnte, sollte dieser irgendwann wieder weg sein. Diesbezüglich relativierte die Richterin Berges Ansicht. Was das Stadtoberhaupt als Müll und Schrott wertet, sei eine subjektive Einschätzung, für die Zirkusleute sei es indes Brauchbares. Dennoch, so stellte die Richterin unmissverständlich klar, „geht es nicht, eigenmächtig fremde Flächen zu nutzen.“ Und deshalb strengte Berger die einstweilige Verfügung an. Doch die Zirkusleute Bügler quittierten das mit der Anmerkung, dass es zwei Jahre dauern könnte, bis da etwas passiere. Von der Richterin allerdings wurden sie eines Besseren belehrt, da es keine zwei Wochen gedauert hätte, bis man sich vor Gericht treffe. Knackpunkt in der Verhandlung war die Stromversorgung der Zirkusleute. Die wurde über ein Kabel gewährleistet, welches am Bahnhof angesteckt, lose und derzeit im Schnee liegend, zur Wagenburg an der BHG führte. „Wir haben hier die Verkehrssicherungspflicht, wenn da etwas passiert, haften wir als Stadt“, erklärte die städtische Justiziarin Sandra Ludley und war hier zu keinem Kompromiss bereit. Deshalb musste der Zirkus auch hier sofort den Stecker ziehen. Wie es nun ohne Stromversorgung und auch überhaupt weitergehen soll, dazu lehnten die Zirkusleute ein Statement ab.

Von Frank Schmidt