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Grimma Neue Drehleiter schafft es nicht nach Grimma
Region Grimma Neue Drehleiter schafft es nicht nach Grimma
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20:20 27.01.2019
Zur Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Grimma wurden diese Kameraden befördert oder für langjährige Mitgliedschaft geehrt. Quelle: Foto: Frank Prenzel
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Grimma

Die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Grimma begann Freitagabend mit einer Schweige- und Gedenkminute für den am 20. Mai verstorbenen Reiner Langner. Der langjährige Kamerad führte bis zu seiner schweren Krankheit die Alters- und Ehrenabteilung und „stand uns immer mit Rat und Tat zur Seite“, so Wehrleiter Michael Grimm. „Wir verlieren mit ihm eine wichtige menschliche Stütze unserer Arbeit“, sagte Andreas Rüssel, der den Bericht der derzeit neunköpfigen Abteilung vortrug. „Der Reiner ist nicht so leicht zu ersetzen.“

255 Einsätze im Jahr 2018

Wehrleiter Grimm ließ im Rechenschaftsbericht das vorjährigen Einsatzgeschehen der 59 aktiven Feuerwehrleute Revue passieren. Wie berichtet, wurden sie bei insgesamt 255 Einsätzen erheblich gefordert. Unterm Strich stehen 4972 Einsatzstunden, zu denen sich 321 Stunden für Aus- und Weiterbildung gesellen.

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Kameraden opfern viel Freizeit

Daran sei zu erkennen, wie viel die Kameradinnen und Kameraden in ihrer Freizeit leisten, damit die Sicherheit für das Gemeinwohl zu jeder Zeit gewährleistet ist, betonte Grimm. „Es wird in unserer Gesellschaft immer schwieriger, Mitmenschen zu überzeugen, in ihrer Freizeit aktiv an einem Ehrenamt teilzunehmen.“ Denn ohne Unterstützung durch Arbeitgeber und Familie sei der Zeitaufwand nur schwer zu bewältigen. „Deshalb ist eine Erleichterung der ehrenamtlichen Tätigkeit mehr als erwünscht“, sagte der Wehrleiter und warb in dem Zusammenhang für die Einführung einer Alarm-App.

Grimmas Wehrleiter Michael Grimm gibt den Rechenschaftsbericht. Quelle: Frank Prenzel

Ein besonderes Ereignis im vorigen Jahr war die Ankunft der neuen Drehleiter am 17. Mai. Allerdings währte die Freude nicht lang. Das bis unterm Dach mit Technik gespickte Fahrzeug versagte bei einem Wohnhausbrand am 8. Dezember in Draschwitz seinen Dienst. Der Hersteller, die Firma Rosenbauer in Karlsruhe, holte das defekte Gefährt nach dem Totalausfall zurück – und hat die Ursachen noch immer nicht abstellen können. Beim zweiten Anlauf, die Drehleiter nach der Reparatur nach Grimma zu bringen, habe sie am Freitag auf der Herfahrt erneut versagt, brachte Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) eine brandaktuelle Neuigkeit mit. Die zunehmende Technisierung mache ihm auch Sorgen, sagte der Rathauschef. Da sei nicht nur die Angst, dass sie im Einsatz versage. „Sie muss ja auch beherrschbar sein.“ Allein die neue Drehleiter wird von 16 Computern gesteuert.

Oberbürgermeister zieht den Hut

Berger zog den Hut vor den Feuerwehrleuten: „Ihr kratzt Körper von der Autobahn und geht am nächsten Tag zur Arbeit. Das ist schon irre“, spielte er auf den schweren Unfall auf der Autobahn am 25. November an. Leider werde die Gesellschaft immer egoistischer.

Kritik: Geld reicht vorn und hinten nicht

„Jedes Jahr müssen wir von der Kommune hören, dass die Gelder hinten und vorne nicht ausreichend sind. Es ist förmlich ein Gebettele an das Land“, legte Kamerad Thomas Knoblich in der Diskussionsrunde den Finger in eine offene Wunde – wohl auch in Richtung des anwesenden Landtagsabgeordneten Svend-Gunnar Kirmes (CDU). „Warum kommt hier nicht mehr hier an“, fragte Knoblich. Immerhin gibt das Land künftig pro Kamerad eine zusätzliche Anerkennung von jährlich 50 Euro. Oberbürgermeister Berger regte an, in Grimma das Geld in eine Stiftung oder einen Fonds für in Not geratene Kameraden zu geben. Das seien rund 30.000 Euro im Jahr.

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger gratuliert Silvio Bachmann und Ullrich Rückert zum 25-jährigen Dienstjubiläum bei der Feuerwehr. Quelle: Frank Prenzel

Übrigens feierte die Freiwillige Feuerwehr Grimma 2018 ihr 160-jähriges Bestehen. Die Truppe gönnte sich da mal eine Auszeit und genoss einen zweitägigen Ausflug ins Erzgebirge. Ein Viertel dieser Zeit, nämlich 40 Jahre ist Bernd Tilsner Feuerwehrmann. Während der Versammlung wurden langjährige Kameraden geehrt und weitere befördert, ehe es zum gemütlichen Teil überging.

Von Frank Prenzel