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Grimma Nimbschener Zeitreise durch Katharinas Leben an der Seite des Reformators weckt Emotionen
Region Grimma Nimbschener Zeitreise durch Katharinas Leben an der Seite des Reformators weckt Emotionen
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11:02 23.05.2017
Katharina von Bora und Martin Luther alias Barbara Sauter und Fred Urban begrüßten die Gäste.
Katharina von Bora und Martin Luther alias Barbara Sauter und Fred Urban begrüßten die Gäste.  Quelle: Frank Schmidt
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Grimma

 Am Anfang war das Wort. Was schon im Evangelium nach Johannes geschrieben steht, galt auch für die Kammeroper „Katharina von Bora“, die vor imposanter Kulisse der illuminierten Ruine des Klosters Marienthron in Nimbschen nahe Grimma vor 900 Gäste aufgeführt wurde. Am Originalschauplatz musizierten Samstagabend auf der Bühne die Sächsische Bläserphilharmonie, dirigiert von Thomas Clamor, und der Universitätschor Dresden unter musikalischer Leitung von Christiane Büttig. Als Solisten brillierten Kathrin Göring, Johannes G. Schmidt, Radoslaw Rydlewski und Diana Tomsche sowie Alfred Trobisch und Leander Markus.

Es war eine Augenweide und ein Ohrenschmaus. Am Originalschauplatz vor der Klosterruine Nimbschen führten die Sächsische Bläserphilharmonie, dirigiert von Thomas Clamor, und der Universitätschor Dresden unter musikalischer Leitung von Christiane Büttig, die Kammeroper „Katharina von Bora“ auf.

Aber wie schon bemerkt: Am Anfang war das Wort. Und das ließ sich Martin Luther nicht nehmen. Gemeinsam traten er, gemimt von Fred Urban, und Schauspielerin Barbara Sauter als Katharina von Bora vor das Publikum. Unter dem weit ausgebreiteten Blätterdach einer opulenten Eiche sitzend, lauschte es gespannt dem, was der Reformator über seine Käthe zu berichten hatte. „Die Geschichte dieses Ortes ist lang, war ereignisreich und begann im 12. Jahrhundert. Damals wurde hier ein Zisterzienserkloster gegründet, in dem viele Jahre Nonnen friedlich und glücklich nach den Geboten des Ordens lebten, darunter auch Katharina von Bora“, blickte Luther zurück. Nicht nur verbal, auch sinnbildlich spannte er einen weiten Bogen hinweg über die dicken Klostermauern bis nach Wittenberg, um so den Verdiensten seiner Gattin zu huldigen, statt die eigenen um die Reformation ins Rampenlicht zu rücken. Denn was dann in der Osternacht 1523 geschah, wurde zum Wendepunkt für Katharina von Bora, was sie, also Barbara Sauter als Sprecherin, aber selbst zu berichten wusste. Ihre theatralische und zugleich mitfühlende Inszenierung in sieben Bildern rollte sich wie ein roter Teppich vor dem Publikum aus, über den die von Urban konstatierte „erste evangelische Muster-Ehe“ wandelte.

Damit erlebte Grimma und die Region eine Neuinszenierung dieser Kammeroper, die bereits im Jahr 2011 entstanden ist. Die Idee dazu – von der Organisation über die Finanzierung bis hin zur Verpflichtung der Künstler – gehöre zur „selbst gestellte Orchesteraufgabe“, sagte Heiko Schulze, Geschäftsführer der Sächsischen Bläserphilharmonie: „Um nicht nur der Kunst zu frönen, sondern auch zu zeigen, dass Kultur und Touristik im Einklang ganz wichtige Standortfaktoren für diese Region sind. Und inhaltlich wollten wir mit einer Schauspielerin jene Emotionen verstärken, die das Leben von Katharina von Bora ausmachten.“ Dazu gehörte eine Illumination, für die wie 2011 Gunter Ries gewonnen wurde. Gleichwohl man vor 500 Jahren diese Form der Lichtkunst noch nicht kannte – oder doch? „Und ob, denn es gab Feuer und Fackelzüge, etwa zur Sonnenwende. Insofern haben wir mit dieser Lichtkunst einen direkten Bezug zur damaligen Zeit“, sagte Ries.

Das Publikum kam mit unterschiedlichen Erwartungen nach Nimbschen. „Ganz gleich, was gespielt wird, das Ambiente finde ich ganz prima“, sagte Wolfgang Krüger aus Bennewitz. „Mich interessiert sehr, wie eine zeitgenössische Kammeroper dargestellt wird“, verriet Gerd Beyer aus Trebsen. „Wir feiern das Lutherjahr, was ich hier und heute direkt miterleben und damit auch in gewisser Form würdigen möchte“, sagte Silke Richter aus Mutzschen. Ihr Gatte Hans-Frieder ließ sich darauf ein, „an diesem Abend eine Verbindung zwischen den Geschehnissen von vor 500 Jahren und der zeitgenössischen Kunst herzustellen“. „Für mich hat sich die Anreise aus Pirna bei Dresden wirklich gelohnt. Einfach toll und großes Kompliment an alle Beteiligten“, formulierte Claudia Herzog am Ende ein Lob.

Von Frank Schmidt