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Grimma Nun doch Verlängerung für Steinbruch Trebsen?
Region Grimma Nun doch Verlängerung für Steinbruch Trebsen?
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13:04 15.08.2019
Neue Schäden: Helfried Schmidt aus Seelingstädt zeigt auf Risse neben der Eingangstür, die nach seinen Worten dieses Jahr durch eine Detonation entstanden sind. Von einem Teil der Wände ist der Putz schon abgehackt, dort liegt der Lehm frei. Quelle: Frank Pfeifer
Trebsen

Wahrscheinlich lenkt die Stadt nun doch noch ein und genehmigt der Basalt AG (BAG), die Laufzeit für den Abbau im Steinbruch Trebsen um 26 Jahre zu verlängern. Der Technische Ausschuss stimmte dem Wunsch zu, allerdings nur unter einer Voraussetzung: Es muss eine Arbeitsgruppe gebildet werden, in der sich künftig Vertreter der Kommune und des Unternehmens über Probleme austauschen. Letztes Wort hat nun der Stadtrat.

Wie sehr die Seelingstädter, die den Steinbruch fast vor der Haustür haben, das Thema im wahren Wortsinn seit langem bewegt, erläutert Hellfried Schmidt. „Unser Haus steht auf einem Felsstock zwischen den beiden Steinbrüchen Trebsen und Hohnstädt, der sich in elf Metern Tiefe befindet. Jedes Mal, wenn zu DDR-Zeiten in einer der Gruben gesprengt wurde, kam es zu Rissen in den Wänden“, berichtet der 68-Jährige.

Der Steinbruch zwischen Trebsen und Seelingstädt. Quelle: Frank Schmidt

Dieses Jahr neue Risse

Das Fachwerk im ersten Stock steckt die Schwingungen weg. Aber im Erdgeschoss bestehen die Mauern aus Bruchsteinen, gestampftem Lehm und Ziegeln. Wie ein Spinnennetz breiten sich über sie die Spalte aus. Weil lange Ruhe herrschte, begann Schmidt mit der Sanierung, die noch läuft. Doch dann kam am 6. Mai dieses Jahres diese schwere Sprengung, die in der Nachbarschaft und bei ihm Schäden hinterließ. „Jetzt habe ich neue Risse“, kritisiert der Rentner.

Basalt AG verspricht Messungen

Was an jenem Tag geschah, kann der Technische Leiter der BAG, Matthias Zeipert, bis heute nicht nachvollziehen, obwohl er das Geschehen überprüfen ließ. Aus seiner Sicht sollten mit der modernen Technik solch heftige Detonationen ausgeschlossen sein. „Bei unseren Intervallsprengungen bekommt jeder Zünder eine eigene Zündzeit im Abstand von Millisekunden“, erläutert er und verspricht: Künftig werden bei ausnahmslos allen Sprengungen die Erschütterungen gemessen.

Arbeitskreis Steinbruch lohnt sich

Kommentar von Frank Pfeifer

Wenn man nicht mehr weiter weiß, gründet man ’nen Arbeitskreis. Auf den ersten Blick scheint es so, als seien die Seelingstädter an diesem Punkt angelangt. Mit dem Steinbruchbesitzer Basalt AG kommen sie nicht so richtig auf einen Nenner, nun also soll es eine Laberrunde richten. Aber stimmt das wirklich?

Nein, denn hier formiert sich ein Gremium, das ernsthaft versuchen will, Lösungen für künftige Probleme zu finden, sobald sie sich ergeben. Rumst es im Steinbruch wieder zu stark, wissen die Seelingstädter, an wen sie sich wenden können. Sollte die Bergbautätigkeit eines Tages zunehmen, haben die Seelingstäder Ansprechpartner. Wird die Ortsdurchfahrt einmal saniert, was dem Dorf mehr als zu wünschen ist, gibt es Menschen, die sich um deren Erhalt kümmern müssen.

Soweit zumindest die Idee. Gemessen wird sie an der Realität, denn es muss sich zeigen, ob im Fall der Fälle wirklich beide Partner – Stadt und Unternehmen – gemeinsam zu Resultaten kommen, die den Menschen im Umkreis der Quarzporphyrgrube gerecht werden. Dass diese sich dem Bergbau nicht total verweigern, haben sie jetzt bewiesen. Sie nehmen Unannehmlichkeiten hin, dies muss ihnen hoch angerechnet werden.

Die neue Form der Kooperation muss nicht auf Seelingstädt beschränkt bleiben. Im benachbarten Altenhain hat der Streit zwischen dem Eigentümer der Schotter- und Splittwerke und der Bevölkerung eine viel länger gepflegte Tradition. Ließen sich diese Kontrahenten in die Diskussion einbinden, werden vielleicht auch dort öfter Kompromisse möglich.

Keiner bestreitet, dass für die Gespräche enorme Kraftanstrengungen nötig sein werden. Und möglicherweise lassen sich auch nicht alle Schwierigkeiten aus der Welt schaffen. Doch selbst wenn es gelingt, nur einige von ihnen im beiderseitigen Einvernehmen zu beseitigen, könnte sich in Abwandlung des obigen Sprichworts sagen lassen: Kostet es auch manchmal Schweiß, es lohnt sich dieser Arbeitskreis.

Bahntransporte denkbar

Schon einmal war die Verlängerung des Rahmenbetriebsplans bis Ende 2045 Thema im Ausschuss.
Danach verwies der Stadtrat, der weiteren Klärungsbedarf sah, den Antrag zurück an das Gremium. Nun geht Zeipert näher auf strittige Punkte ein, wie zum Beispiel die Verfrachtung des Gesteins. Derzeit werden jährlich nur 0,3 bis 0,5 Millionen Tonnen Quarzporphyr aus dem Bruch geholt. Zulässig sind aber 1,2 Millionen Tonnen. Sollte sich deutschlandweit der Bedarf erhöhen, kann diese Jahresmenge laut Zeipert ausgeschöpft werden. „Da es dann aber um Transporte über weitere Strecken geht, würden wir uns im Bahnverkehr betätigen, da wir einen intakten Gleisanschluss haben“, kündigt er an.

Ortsumgehung für Trebsen?

In Sachen Infrastruktur ende die Zuständigkeit seines Betriebs am Werktor. Dennoch könnten mit Unterstützung von Stadt und Freistaat bessere Verkehrsverbindungen geschaffen werden. „Ich weiß nicht, ob sogar die lange diskutierte Ortsumgehung für Trebsen eine Chance hätte“, stellt Zeipert in den Raum und sagt: „Wir müssen uns dann gemeinsam hinsetzen und sehen, was wir für die Bevölkerung tun können.“

70 Jahre Regen nötig

Ist der Tagebau im Bruch Trebsen beendet, läuft er nach Zeiperts Worten mit Regenwasser voll, was 70 Jahre dauern soll. Die Randbereiche würden der Natur überlassen und damit eine seltene Fauna und Flora anziehen. In der Peripherie seien einige landschaftspflegerische Maßnahmen vorgesehen. Alle Gebäude und Anlagen würden abgerissen, soweit sie nicht jemand anderes zu nutzen wünscht, was dann auszudiskutieren wäre.

Kritik: Alles zu schwammig

Manfred Müller (Bürgerinitiative für eine sichere Zukunft) sieht das alles als viel zu schwammig an. „Ich sehe keine Verbindlichkeit, ab welcher Abbaumenge der Bahntransport reaktiviert wird“, wendet er ein. „Ich höre nicht, wie sich das Unternehmen beteiligt, die Ortsdurchfahrt Seelingstädt zu erhalten, falls sie einmal saniert werden sollte, worauf wir seit Jahrzehnten warten.“ Und von Renaturierung könne keine Rede sein, wenn der Bruch einfach nur vollläuft.

Arbeitsgruppe soll helfen

Weil die BAG keine konkreteren Zusagen machen kann, regt Müller die Bildung einer Arbeitsgruppe „Steinbruch“ an, was der Technische Ausschuss befürwortet. Sie soll aus Vertretern der Stadt und des Betriebs bestehen und sich dann zusammensetzen, wenn neue Probleme auftauchen. Katrin Kamm, Ortsvorsteherin von Altenhain, möchte gern Mitglied werden. Nach ihrem Dafürhalten könnten auch die dortigen Schotter- und Splittwerke in die Gesprächsrunde eingebunden werden.

Botschaft ans Oberbergamt

Grundsätzlich will sich der Technische Ausschuss einer Betriebsverlängerung des Steinbruchs Trebsen nicht verweigern. Und einem ähnlichen Antrag für den Steinbruch Hohnstädt gibt er in der gleichen Sitzung ebenfalls die Zustimmung. Ans Sächsische Oberbergamt richtet er aber – mit Blick auf die Bergbaupläne im Alten Tausend – ein Begleitschreiben mit der Botschaft: Es darf keine neue Grube aufgeschlossen werden! Inwieweit der Stadtrat da mitgeht, wird sich in der Sitzung am 27. August zeigen.

Hellfried Schmidt erhofft sich von allem nur eins: „Keine neuen Schäden mehr an unserem Haus!“

Von Frank Pfeifer

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