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Grimma Orchestern im Landkreis Leipzig fallen Auftritte in Nordsachsen nicht in den Schoß
Region Grimma Orchestern im Landkreis Leipzig fallen Auftritte in Nordsachsen nicht in den Schoß
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09:54 14.02.2017
Ein gefragter Klangkörper: die Sächsische Bläserphilharmonie beim jüngsten Konzert in Trebsen.
Ein gefragter Klangkörper: die Sächsische Bläserphilharmonie beim jüngsten Konzert in Trebsen. Quelle: Frank Schmidt
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Landkreis Leipzig

Mehr Heimspiele hat Nordsachsens Landrat Kai Emanuel (parteilos) von den in der Region beheimateten Orchestern gefordert. „Wir wollen nicht einfach nur Geld für Kultur ausgeben, sondern vor allem darauf achten, wie viele unserer Einwohner wir mit den geförderten Angeboten erreichen“, wird der Politiker zitiert. Für Emanuel zeigen das Leipziger Symphonieorchester (LSO) in Böhlen und die Sächsische Bläserphilharmonie in Bad Lausick nicht ausreichend Präsenz in Nordsachsen.

Beide Klangkörper werden über den Kulturraum Leipziger Raum finanziert. Hier sind die Landkreise Leipzig und Nordsachen gleichberechtigte Partner. Entscheidungen - wie die zur Neuordnung der Kulturraumfinanzierung - können deshalb nur im Konsens erfolgen.

Vor dem Hintergrund der anstehenden Abstimmungen in den beiden Kreistagen hat Emanuel genau nachgezählt: „Ziehen wir doch einmal den Spielplan beider Orchester im ersten Halbjahr 2017 zu Rate. Darin finde ich insgesamt nur zehn Konzerte, davon vier Schülerkonzerte, die im Landkreis Nordsachsen stattfinden.“ Die Orchester seien gefordert, gemeinsam mit Partnern aus Nordsachsen mehr Veranstaltungen zu organisieren.

„Das würden wir sehr gern tun, aber wird sind dafür auf die Unterstützung nordsächsischer Akteure angewiesen“, entgegnet Hans-Ulrich Zschoch, Geschäftsführer des Leipziger Symphonieorchesters. Sicher sei der Eindruck richtig, dass im Landkreis Leipzig mehr LSO-Konzerte stattfinden als in Nordsachsen. „Aber dieses Missverhältnis besteht schon länger, ohne dass ein Landrat jemals auf die Idee gekommen wäre, die Konzertzahlen nachzuzählen.“ Die Verantwortlichen des LSO würden sich intensiv bemühen, mehr Auftritte in Nordsachsen anzubieten, versicherte Zschoch. Doch dieses Unterfangen gestalte sich mitunter schwierig. So suchte der LSO-Mann das Gespräch mit der neugewählten Torgauer Oberbürgermeisterin Romina Barth, um die Chance für Aktivitäten an der Elbe auszuloten. Die Stadtchefin habe ihn vertröstet und an einen Eigenbetrieb Kultur verwiesen, dessen Gründungsprozess seit über einem Jahr andauere und für den es demzufolge noch nicht mal einen Geschäftsführer gebe. „Insofern fehlt uns schlicht und ergreifend ein Verhandlungspartner.“ Ein anderes Beispiel sei das Bürgerhaus Eilenburg. „Hier haben wir 2015 vor fast ausverkauftem Haus gespielt. Unser Angebot, 2017 wiederzukommen, wurde abgelehnt. Wie gesagt, an uns liegt es nicht unbedingt, dass wir in Nordsachsen nicht so wahrnehmbar sind.“ Dennoch gebe es sehr viele Ansätze und man sei ständig auf der Suche nach Auftrittsorten und Kontakten. „So nehmen uns sehr viele Kirchgemeinden freundlich auf und wir dürfen uns auf gemeinsame Projekte mit leistungsstarken Chören in Delitzsch, Oschatz oder Altmügeln freuen.“ Im Vorjahr ließ man ebenfalls von sich hören: „2016 haben wir 20 Konzerte in Nordsachsen gegeben, also fast zwei pro Monat.“

Für die Sächsische Bläserphilharmonie bestätigte Geschäftsführer Heiko Schulze ebenfalls intensive Kontakte nach Nordsachsen, deren Ziel es sei, die Konzerttätigkeit auszubauen. „Dafür sind wir aber auf Partnerschaften und verlässliche Allianzen angewiesen.“ Sehr gut funktioniere die Zusammenarbeit mit dem Bürgerhaus Oschatz, hob Schulz ein positives Beispiel hervor. Gemeinsame Projekte gebe es auch mit der Sängerakademie Torgau, dem Behindertenzentrum Delitzsch oder der Theaterakademie Delitzsch. „Und für ein neues Musical-Projekt am Biedermeier-Strand Hayna werden gerade die Noten geschrieben“, verrät Schulze. Der Geschäftsführer plädiert allerdings dafür, die Kulturraum-Diskussion stärker unter dem Solidar-Gedanken zu führen. „Man sollte hier nicht versuchen, Zuschüsse und Besucherzahlen in den beiden Landkreisen gegeneinander aufzurechnen. Es fragt doch auch niemand, wie viele Bornaer die Ausstellungen im Schloss Torgau oder die Angebote im Agrokulturellen Zentrum Reipitz nutzen.“ Auch dies seien Einrichtungen, die der gesamte Kulturraum fördert und für die demzufolge auch der Landkreis Leipzig finanziell einsteht. „Im Übrigen“, verteidigt Heiko Schulze die von Emanuel kritisierten Auftritte zum Beispiel in Innsbruck oder Bayreuth, „finanzieren wir defizitäre Konzerte in der Region mit Engagements anderenorts.“ Für Henry Graichen (CDU), Landrat des Landkreises Leipzig, ist der Anspruch seines Amtskollegen durchaus nachvollziehbar. „Die Präsenz der Orchester muss auch in Nordsachsen zu spüren sein. Aber Auftrittsorte braucht es dafür eben auch.“

Von Simone Prenzel