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Grimma Orgel der Grimmaer Frauenkirche wird groß gereinigt
Region Grimma Orgel der Grimmaer Frauenkirche wird groß gereinigt
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14:01 10.09.2019
Grimmas Kantor Tobias Nicolaus kennt die Eule-Orgel in der Frauenkirche wie seine Westentasche und freut sich auf den 5. Orgelherbst. 2020 soll das Instrument eine Generalreinigung erfahren. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Kantor Tobias Nicolaus hat für den 5. Grimmaer Orgelherbst ein Programm auf die Beine gestellt, das er gern mit dem Wort „Extravaganz“ umschreiben möchte. Denn das Besondere zieht sich durch alle fünf Veranstaltungen, die vom 14. bis 22. September in der Frauenkirche zu erleben sind. Schon das Stück zum Eröffnungskonzert am Sonnabend um 17 Uhr ist nicht alle Tage zu hören. „Das hatte ich noch nie“, macht der 52-Jährige neugierig auf den Abend.

Im Gotteshaus werden sich 13 Gongs verteilen, wenn das „Vita di San Frencesco“ von Lutz Werner Hesse erklingt. Das vor etwa 20 Jahren komponierte Werk für Orgel und Gongs erzählt elf Stationen aus dem Leben des Heiligen Franziskus von Assisi. An der Eule-Orgel der Frauenkirche nimmt Ruth Forsbach Platz, eine renommierte Organistin aus Remscheid. Uwe Fischer-Rosier spielt die Gongs, die teils gewaltige Ausmaße haben.

Festgottesdienst zum Kurrendetag

Tags darauf, am 15. September, tritt das Reinhold-Quartett, ein renommiertes Ensemble aus Musikern des Gewandhaus-Orchesters Leipzig, auf. Organist David Schollmeyer wartet dann am 18. September mit Filmmusiken auf. Das Konzert biete eine „interessante Farbe, die wir sonst so nicht haben“, meint Kantor Nicolaus. Eingebettet in den Orgelherbst ist am 21. September ein Festgottesdienst zum Kurrendetag, der Kinderchöre aus dem Kirchenbezirk zu einem stimmgewaltigen Ensemble vereint. Und zum Abschlusskonzert am 22. September nimmt das Leipziger Symphonieorchester in der Frauenkirche Platz. Dann erklingen die Suite für Orgel, Instrumente und Orchester von Josef Rheinberger und der 42. Psalm von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Das Programm des Grimmaer Orgelherbstes

14. September, 17 Uhr: Eröffnungskonzert

Lutz Werner Hesse: Vita di San Francesco. Für Orgel und 13 Gongs. Ruth Forsbach (Orgel), Uwe Fischer-Rosier (Gongs).

15. September, 17 Uhr: Konzert

Das Reinhold-Quartett, ein Ensemble aus Musikern des Gewandhaus-Orchesters Leipzig, spielt Streichquartette von Mendelssohn und Rubinstein.

18. September, 20 Uhr: Orgel und Rotwein

David Schollmeyer spielt Gershwin, Berstein und Filmmusik.

21. September, 17 Uhr: Festgottesdienst zum Kurrdendetag der Ephorie Leipziger Land

22. September, 17 Uhr: Abschlusskonzert

Felix Mendelssohn Bartholdy: 42. Psalm / Josef Rheinberger: Suite für Orgel, Instrumente und Orchester. Malwine Nicolaus (Gesang), Florian Zschucke (Orgel), Anna-Maria Reiß (Violine), Alma Stolte (Violoncello). Kantorei der Frauenkirche, Motettenchor Leipzig. Leipziger Symphonieorchester unter Leitung von Tobias Nicolaus.

Karten im Vorverkauf im ev.-luth. Pfarramt, Mühlstraße 15 in Grimma, und dann an der Abendkasse.

Instrument wurde 1928 von Firma Eule eingebaut

Zum 5. Orgelherbst wird das königliches Instrument in der Frauenkirche wieder seine volle Klangschönheit entfalten. Im Herbst 2020 muss Nicolaus aber bei der Konzertreihe improvisieren und wird in die Dorfkirchen ausweichen. Der Grund ist simpel: Das 1928 eingebaute Kircheninstrument der noch heute in Bautzen ansässigen Firma Hermann Eule Orgelbau muss sich einer Generalreinigung unterziehen. Und die streckt sich über Monate hin.

Die letzte große Reinigung der Orgel mit ihren 31 Registern und 1800 Pfeifen liegt 25 Jahre zurück. Es wird deshalb höchste Zeit, alle beweglichen Teile gründlich zu säubern und in diesem Zuge auch Schäden am Instrument zu beseitigen. Jede Pfeife ist mit einer Ledertasche verbunden. Drückt der Organist eine Taste, pustet sich die Tasche auf und bewegt ein Ventil, das den Zugang zur Pfeife öffnet. „Das Leder wird mit der Zeit aber brüchig und porös“, erklärt der Kantor die Notwendigkeit, nunmehr alle Ledertaschen auszutauschen. Und das ist eine aufwendige Angelegenheit.

Blick ins Allerheiligste der Orgel in der Grimmaer Frauenkirche. Für den Kirchenbesucher sind diese Pfeifen nicht sichtbar. Quelle: Frank Prenzel

Schadhafte Partien an Grimmaer Orgel werden repariert

Für den Wechsel und die große Reinigung muss die Eule-Orgel auseinandergebaut werden. „Alle Pfeifen werden herausgenommen“, erklärt Nicolaus – die größte mit rund fünf Metern ebenso wie die kleinste, deren klingendes Teil gerade mal einen Zentimeter misst. Alle Zink- und Holzpfeifen werden gründlich durchgepustet, die metallenen Pfeifen zudem gewaschen. „Ein großer Teil der Arbeit wird dabei in der Werkstatt erledigt“, erklärt Nicolaus. Einmal geöffnet, wird der „Patient“ an sonst nicht sichtbaren Stellen nach Holzwurm-Schäden untersucht. „Alles was über die Reinigung hinaus geht, machen wir jetzt mit“, stellt der Kantor die Sanierung schadhafter Partien in Aussicht. Sollte dafür nicht zu viel Geld drauf gehen, will er die Zinkpfeifen mit frischer Lackierung optisch aufwerten lassen.

Blick auf die Eule-Orgel in der Grimmaer Frauenkirche. Quelle: Frank Prenzel

Nicolaus rechnet mit rund 70.000 Euro fürs große Putzen und Reparieren. 24.000 Euro stelle die Landeskirche in Aussicht. „Wir beantragen auch öffentliche Mittel und brauchen Spenden.“ Die Meisterwerkstatt ist bereits gefunden und gebunden. Die Lausitzer Firma Orgelbau Ekkehart Groß nimmt sich des Grimmaer Instrumentes an. „Die Orgelbauer haben gut zu tun“, erklärt der Kantor den langen Vorlauf.

Orgel mehrere Monate nicht bespielbar

Kommenden Sommer soll die Eule-Orgel ausgebaut und kurz vor Weihnachten im Dezember wieder eingebaut werden. Kantor Nicolaus hofft, dann erst mal eine Weile Ruhe zu haben. Doch er kennt die alte Weisheit wie kein anderer: „Mit einer Orgel ist es wie mit einem Denkmal-Haus. Auch wenn es schön ist, bleibt es immer eine Baustelle.“

Von Frank Prenzel

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