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Grimma Otterwisch putzt sich für Festwoche zur 750-Jahr-Feier heraus
Region Grimma Otterwisch putzt sich für Festwoche zur 750-Jahr-Feier heraus
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14:31 30.08.2019
Skatrunde: Renate Büssow serviert den Spielern vor der ehemaligen Gaststätte „Gute Quelle“ das Bier. Quelle: Thomas Kube
Otterwisch

Farbenfrohe Figuren säumen die Straßenränder von Otterwisch. Ihre Bewegungen wirken wie eingefroren, nichts scheint sie aus dem Dornröschenschlaf wecken zu können. Ein ganzes Dorf wurde hier seinem Namensgeber, dem Otter gerecht, der als cleverster Handwerker des Tierreichs gilt. Rund 100 Bilder fertigten geschickte Hände, zum Teil sehr aufwändig mit mehreren Strohpuppen. Sie alle heißen die Besucher zur Festwoche willkommen, mit der ab Montag das 750-jährige Ortsjubiläum gefeiert werden soll.

„So etwas hatten wir nicht erwartet“, sagt Mitorganisator Chris Hünerfürst. „Einfach überwältigend!“ Nachdem sich ganze Straßenzüge zusammengeschlossen hatten, um die Ortseingänge festlich zu schmücken, begannen die Otterwischer, auch ihre Grundstücke zu zieren. Kein Standplatz mehr im Dorf, von dem aus nicht gleichzeitig mehrere Szenen zum Schmunzeln und Staunen anregen.

Rund 100 Bilder haben die Otterwischer gebastelt. Hier eine Auswahl von Szenen.

„Gute Quelle“ macht nochmal auf

Vor der früheren Gaststätte „Gute Quelle“ sitzen drei Stammtischler beim Skat, denen Renate Büssow mal eben ein Bierchen serviert. „Mein Sohn, Imo Herrmann, hat die Gruppe gebaut als Hommage an seine Großeltern Gerda und Arthur, die das Lokal führten, bis es Ende der 1970er-Jahre schloss“, sagt sie. „Als Gag wollen wir es zur Festwoche noch einmal öffnen und haben dafür extra eine Ausschankgenehmigung erhalten.“

Im Angebot: Sechs-Gänge-Menü aus einer Bockwurst und fünf Bier. Quelle: Thomas Kube

Im Angebot wird ein Sechs-Gänge-Menü sein: Bockwurst plus fünf Pils. Findige Otterwischer haben längst schon viele Plätze vorgebucht, schließlich gibt es in Otterwisch, das früher laut der Erinnerung mehrerer Einwohner bis zu sieben Gaststätten besaß, ansonsten derzeit nur eine offene, das Sportlerheim.

Erinnerung an alte Schlosserei

Die Zahl der Handwerker im Dorf übertraf die der Gastwirtschaften. Dreherei, Schmieden, Baubetrieb und Schnapsbrennerei gehörten ebenso zu Otterwisch wie die Bäcker, Fleischer, Friseure und Lebensmittelhändler. „Wir hatten früher eine Schlosserei, die bis August 1999 bestand“, sagt Tino Köcher.

Detailverliebt: Tino Köcher an der Schlosserei, die seinen Vater bei der Arbeit zeigt. Quelle: Thomas Kube

Seine Familie bildete den Betrieb aus einer Gitterbox und alten Schuppentüren nach; Vater Reinhold geht in ihr als Puppe dem Tagwerk nach. All seine Arbeitsgeräte hatten die findigen Bastler gut befestigt, damit sie niemand stehlen kann. „Nichts kam abhanden“, resümiert Köcher. „Im Gegenteil: Seit die Schmiede an der Straße steht, haben Unbekannte je zwei Schusterambosse, zwei Tiegel und zwei Sicheln hinzu gehängt.“

Da steht ein Pferd an der Straße

Geprägt wurde das Dorfleben von der Landwirtschaft, laut Bürgermeister Matthias Kauerauf gab es zu Spitzenzeiten zig Bauern. Mandy Röhr, die einen ehemaligen Hof bewohnt, kam auf die Idee, ein Pferd zu konstruieren. „Mein Freund und sein Kumpel bauten es schließlich“, berichtet sie. „Unser Vermieter steuerte einen Wagen und Stroh bei.“

Riesig: René Bauer, Kathy Held und Mandy Röhr mit Sohn Lenny an einem Pferdegespann. Quelle: Thomas Kube

Die jungen Leute, die das Gut bevölkern, fühlen sich als Gemeinschaft, sie helfen sich gegenseitig, wo sie können, ihre Kinder spielen zusammen. Und so packten 14 Leute an, um eine Komposition zu entwerfen, die an die Agrargeschichte erinnert. Auch das einer von vielen Hinguckern, über die genauso zu erzählen wäre.

Programm der Festwoche

Montag, 2. September

19.30 Uhr Eröffnung der Woche in der Kirche Otterwisch

20.30 Uhr Eröffnung der Ausstellung „Historisches Otterwisch von der Frühzeit bis zur Gegenwart“ im alten Steakhouse „Oklahoma

Dienstag, 3. September

15 Uhr Tag der offenen Tür in der Kindertagesstätte

17 Uhr Waldwanderung mit dem Naturschutzbund ab Sportlerheim nach Großbuch

Mittwoch, 4. September

16.30 Uhr Grillabend mit den Senioren-Clubs und dem Frauenchor Kitzscher im Sportlerheim

17 Uhr Sportnachmittag auf dem Sportplatz

Donnerstag, 5. September

19.30 Uhr Kabarett „Die perfekte Notlösung“ in der Kirche Otterwisch

Freitag, 6. September

18 Uhr Picknick in Weiß und Ballonglühen auf der Schlosswiese

22 Uhr Feuerwerk zur Eröffnung des Festivals „Sound of sunshine“

Sonnabend, 7. September

10 Uhr Mittelaltermarkt auf dem Sportplatz

10 Uhr Offizieller Tischtennis-Punktspieltag des Otterwischer SV im Festzelt

10 Uhr Kinder- und Jugend-Fußball-Turnier

11 Uhr Otterwischer Freizeitgruppen und Vereine stellen sich vor

13 Uhr Technikschau der Feuerwehr

14 Uhr Kuchenbasar im Festzelt

14.30 Uhr Tombola mit Hauptpreis Ballonfahrt

15 Uhr Fußballspiel Traditionsmannschaft des 1. FC Lok Leipzig gegen 1. Herren des Otterwischer SV

19 Uhr Otterwisch tanzt mit seinen Gästen im Festzelt

Sonntag, 8. September

9.30 Uhr Festgottesdienst in der Kirche

10 Uhr Mittelaltermarkt auf dem Sportplatz

13 Uhr Großer Festumzug von der Bahnhofstraße zum Sportplatz

14.30 Uhr Kuchenbasar im Festzelt

15.30 Uhr Auftritt der Musikschule Fröhlich

16.30 Uhr Kinderdisco im Festzelt

17 Uhr Start der Ballonfahrt (Tombolagewinn)

17.30 Uhr Finale im Festzelt

Ausführliches Programm: http://www.gemeinde-otterwisch.de/index.php/750jahre/festtagsaktivitaeten

Abschluss mit großem Festumzug

Nun also kann die Festwoche kommen. „Ein harter Kern von 30 bis 50 Otterwischern hat sie gut vorbereitet“, sagt Chris Hünerfürst. Beim Höhepunkt, dem großen Festumzug am 8. September, sei sogar das halbe Dorf involviert, weshalb es dann besonders auf viele auswärtige Besucher ankäme, die die Straßen säumen. „Das Einzige, was wir nicht beeinflussen können, ist das Wetter“, bedauert Hünerfürst, der fleht: „Es möge kein siebentägiger Dauerregen kommen!“

Von Frank Pfeifer

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