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Grimma Pfarrerin schickt Adventskoffer auf Reisen
Region Grimma Pfarrerin schickt Adventskoffer auf Reisen
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08:05 01.12.2018
Pfarrerin Susann Donner schickt im Advent wieder den Koffer mit Maria und Josef auf Reisen durch ihre Kirchgemeinden. Erstmals macht sich auch ein Hirte auf den Weg von Familie zu Familie.
Pfarrerin Susann Donner schickt im Advent wieder den Koffer mit Maria und Josef auf Reisen durch ihre Kirchgemeinden. Erstmals macht sich auch ein Hirte auf den Weg von Familie zu Familie. Quelle: Frank Prenzel
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Otterwisch/Grossbardau

Rund um Otterwisch und Großbardau kann in der Adventszeit plötzlich ein freundlicher Dorfbewohner mit einem ganz besonderen Anliegen vor der Tür stehen. Er bittet um eine Bleibe für Josef und dessen hochschwangere Frau Maria. Er bittet um eine Unterkunft für eine Nacht. Die beiden sind nicht aus Fleisch und Blut. Nein. Es sind zwei Krippenfiguren, die in einem ockerfarbenen Koffer unterwegs sind. In einem Koffer, den Pfarrerin Susann Donner am 1. Advent auf Reisen schickt.

Nach dem ungeahnten Zuspruch zur Premiere im vorigen Jahr wartet Donner jetzt zum zweiten Mal mit der „Adventskoffer“-Aktion auf – und erweitert sie. Die Pfarrerin ist mit Otterwisch-Stockheim, Großbuch und Großbardau-Kleinbardau-Bernbruch für drei evangelisch-lutherische Kirchgemeinden zuständig. 750 Gemeindeglieder gehen in dem Schwesterkirchverband Otterwisch ihrem Glauben nach. Der Adventskoffer soll sie nun erneut etwas näher zusammen bringen.

In dem Koffer befindet sich auch ein Reisetagebuch

Statt eines aufwendigen lebendigen Adventskalenders entschied sich Donner für eine Idee, die bereits in einigen Kirchgemeinden Westdeutschlands auf gute Resonanz trifft. Sie nahm einen etwas abgeschabten Koffer, erwarb eine weibliche und eine männliche Figur und legte ihnen ein Reisetagebuch bei. Die Puppen stellen die Eltern von Jesus Christus dar. Dank hilfsbereiter, gütiger Menschen ziehen sie in der Adventszeit in den sechs Dörfern von Haus zu Haus und genießen jede Nacht die Gastfreundschaft einer anderen Familie.

Wie in der Weihnachtsgeschichte sind Maria und Josef unterwegs von Nazareth nach Bethlehem, wo am 24. Dezember ihr Sohn Jesus Christus geboren wird. Die Gastfamilie kann die Figuren aus dem Koffer nehmen und am Alltag teilhaben lassen. Sie kann mit ihnen auch Zwiesprache halten. „Am nächsten Tag sucht sie dann ein neues Quartier ihrer Wahl“, beschreibt die Pfarrerin. So wisse man nie, wo Maria und Josef übernachten. Wie seinerzeit im wahren Leben.

Erstmals ist ein Hirte dabei

Im vorigen Jahr gab Donner den Koffer am ersten Adventsonntag in Großbardau ab, am Heiligen Abend fand er sich in Otterwisch – versehen auch mit Geschenken wie Karten, Sternen und Plätzchen. „Das lief so gut, dass ich dieses Mal auch noch einen Hirten aussetze“, verrät Donner. Er ist in einem schwarzen Koffer unterwegs und soll Heiligabend ebenfalls an der Krippe stehen. Und vielleicht wird es im nächsten Jahr noch einen dritten Koffer mit den drei heiligen Königen geben.

Sie wünsche sich, dass der Advent in ihren Gemeinden präsent ist, nennt die Pfarrerin ihre Intention. Die Menschen und Gemeinden sollten sich verbunden fühlen und mit der Weihnachtsgeschichte befassen. Denn in der Adventszeit bereite man sich auf das Kommen von Christus vor. Eines Abgesandten, der jene Menschen ins Bewusstsein rückt, denen es nicht so gut geht.

Pfarrerin von Berichten gerührt

Im vorigen Jahr öffneten nicht wenige Gastfamilien im beigefügten Reisetagebuch ihre Herzen. Manche schrieben ihre Gedanken fein säuberlich auf drei bis vier Seiten nieder, fügten Fotos bei mit den Figuren von Maria und Josef im eigenen Haus. Einige erzählten, was sie an jenem Tag unternahmen, andere legten dar, wie sie Weihnachten und den heutigen Kommerz empfinden. Wieder andere brachten ihr Leben mit dem von Maria und Josef in Verbindung. Und es gab auch sehr nachdenklich machende Worte. So habe eine Familie geschildert, sagt Donner, welche Last sie durch Krankheit oder berufliche Probleme zu tragen habe. „Das geht schon unter die Haut.“

Das vorjährige Reisetagebuch wandert ins Kirchenarchiv. Die beiden Koffer, die am Sonntag auf Wanderschaft gehen, sind mit neuen Büchern ausgestattet. Und jene Familien, die Maria und Josef beziehungsweise den Hirten am 23. Dezember aufnehmen, werden die Figuren am Heiligen Abend mit in ihre Kirche zum festlichen Gottesdienst bringen. Zur Krippe des Jesus Christus.

Von Frank Prenzel