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Grimma Ackern mit Pferden begeistert in Glasten
Region Grimma Ackern mit Pferden begeistert in Glasten
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11:05 08.04.2019
Wolfhard Röder aus Mittelbach beim Pflügen.
Wolfhard Röder aus Mittelbach beim Pflügen. Quelle: Ekkehard Schulreich
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Bad Lausick/Glasten

Die Erde, die die Pflugschar umbrach, duftete nach Frühling. Nicht mit Dieselschwaden von Traktoren mischte sich die klare Luft über dem Feld am Glastener Dorfausgang, sondern mit dem Geruch von Pferden: 17 Gespanne ackerten am Sonnabend wie in alten Zeiten, rückten Holz - und begeisterten mehrere Hundert Zuschauer, die zum Ackertag der Interessengemeinschaft Zugpferde gekommen waren. Ausgerichtet hatten den Sigrid und Thomas Schirmer, die sich hier in Herrmanns Gut seit einigen Jahren der Zucht des Rheinisch-Deutschen Kaltbluts widmen und die als Forstdienstleister gern auf Pferde setzen. Dass die Arbeit mit Pferden in der Land- und Forstwirtschaft durchaus lebendig ist, dieser Tag führte es vor Augen.

Pferde auf dem Acker begeistern nicht nur Ältere

„Wenn man sein ganzes Leben in der Landwirtschaft verbracht hat, freut man sich, wenn man das heute sieht“, sagten Erika und Rolf Bergmann, in Glasten zu Hause. Aus dem Nachbarort Leisenau war Horst Wismach herübergekommen. Gestützt auf einen Haselstecken, verfolgte er genau das Pflügen: „Es wird aller höchste Zeit, dass die Landwirtschaft mit solchen Dingen auf sich aufmerksam macht. Schließlich ist das Pferd seit Jahrhunderten der Freund des Menschen.“ Seine „Liebe zu den Zugpferden“ brachte Marco Fetzer aus Bad Lausick zu dem Entschluss, selbst mit der Zucht zu beginnen - des Sächsisch-Thüringischen Schweren Warmbluts. Diese Tiere seien sehr vielseitig, so der 26-Jährige: „Der Ackertag ist schön, einfach gelungen.“

Beim Ackertag in Glasten wurde nicht nur gepflügt. Auch die Feldbestellung und das Holzrücken wurden demonstriert. Quelle: Ekkehard Schulreich

Die Pferde zurück nach Glasten gebracht

„Schirmers haben die Pferde zurück ins Dorf gebracht“, sagte Peter Tendler, Zweiter Vorsitzender der IG Zugpferde, die in Sachsen 66 Mitstreiter zählt. Er freute sich, dass die Idee dieser Veranstaltung „so einen großen Anklang findet“. Positiv überrascht zeigte sich Dieter Gustmann von der Agrargenossenschaft Pötzschau von dieser Resonanz, aber auch vom Können der Geschirrführer. Die Furchen seien exakt gezogen, bescheinigte er etwa Bernd Schaarschmidt aus Großrückerswalde; Gustmann, der als Schiedsrichter unter anderem bei Sachsenmeisterschaften tätig war, weiß, wovon er spricht. Schaarschmidt selbst kennt Schirmers von Holzrücke-Wettbewerben: „Heute wollen wir sie unterstützen. Außerdem sehen wir nach der Winterpause die Kollegen wieder.“

Viele Zuschauer verfolgten die Arbeit der Gespanne. Quelle: Ekkehard Schulreich

Für Wolfhard Röder aus Mittelbach bei Chemnitz sind die Arbeit mit Pferden und ihre Zucht „Hobby, Spaß und die Erhaltung eines Kulturgutes“. Axel Steinhäuser, der auf dem Linke-Hof in Leipzig-Baalsdorf beschäftigt ist und der Schirmers Gespann begleitete, arbeitet sehr gern mit Pferden: „Das ist bodenschonend, klimaneutral, nachhaltig.“ Zwar verfüge der Demeter-Betrieb auch über Traktoren, doch vieles erledigten zuverlässig Pferde.

Erlös fließt in das Parthenfest

Den besten Blick auf das Geschehen hatte Matthias Jenzsch aus Spergau bei Merseburg: Von einem Wagen herab kommentierte er sachkundig das Geschehen auf dem Acker. Er hat selbst Kaltblüter, bringt eine Stute demnächst zu Schirmers Hengst Oskar zum Decken. Thomas Schirmer war angetan vom Zuspruch der Veranstaltung: „Ich bin sehr überrascht, wie viele Menschen wir mobilisieren konnten.“ Viele aus dem Dorf, namentlich die Mitglieder des Parthenvereins, leisteten Unterstützung, kümmerten sich um den Parkplatz und um die Gastronomie. Der Erlös soll für das Parthenfest verwendet werden, das die Glastener im Sommer nach einigen Jahren Unterbrechung erneut feiern wollen.

Von Ekkehard Schulreich