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Grimma FC Grimma hadert mit abgespecktem Stadion
Region Grimma FC Grimma hadert mit abgespecktem Stadion
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23:03 01.11.2018
Frank Weike, Präsident des FC Grimma, kann mit der abgespeckten Variante des neuen Stadions in Grimma nur schwer leben. Quelle: Frank Prenzel
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Grimma

Vor allem der FC Grimma wird das neue Stadion an der Lausicker Straße nutzen, an dem jetzt Richtfest gefeiert wurde. Dass die Stadt wegen gestiegener Baupreise Abstriche macht, betrachten die Mitglieder mit kritischen Augen. Außerdem steht der Verein durch den jetzt beginnenden Umbau des Freundschaft-Stadions vor einem großen Problem. Die LVZ sprach mit Präsident Frank Weike, der seit dem Schlaganfall von Egon Pape an der Spitze des Fußballvereins steht.

Wann haben Sie davon erfahren, dass die Stadt das neue Stadion wegen gestiegener Baupreise in einer abgespeckten Variante errichtet?

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Im Sommer, als der Bau längst im Gange war. Ich habe in einem Protokoll die Entscheidung gelesen und dann bei einer Baubesprechung erfahren, dass aus Kostengründen die überdachte Tribüne entfällt. Statt 500 wird es nur 140 überdachte Sitzplätze geben. Mit dem Verein war das nicht abgesprochen worden, auch nicht, dass die Spielfläche und das Funktionsgebäude kleiner werden.

Verein will mit Stadt zusammenarbeiten

Sie wurden also vor vollendete Tatsachen gestellt?

Ja. Aber wir sind auf die Kompromisse eingegangen. Wenn man zum Beispiel später eine Tribüne nachrüsten kann, ist das ein machbarer Weg. Wir suchen den Schulterschluss mit der Stadt und haben ein paar Themen, die auf Dauer vernünftig zu regeln sind. Die Grundkomponenten zur Erweiterung sind ja da.

Wie bewerten Sie es, dass die Stadt – wie versprochen – keinen Cent aus dem eigenen Haushalt für das neue Stadion ausgeben möchte und deshalb am Bau den Hebel ansetzt?

Der Bürgermeister steht zu seinem Budget, es gab ja auch viele Gegner zum Neubau. Es war aber absehbar, dass die Baupreise klettern werden. Wir haben vor drei Monaten einen Architekten ins Boot geholt, der wegen dieser Situation in Sachsen-Anhalt schon erfolgreich bei Stadion-Neubauten zusätzliches Fördergeld akquiriert hat. Die Töpfe der Sächsischen Aufbaubank (SAB) sind nicht leer, wir hätten mit ihm das Budget steigern können. Doch die Stadt ist darauf nicht eingegangen und hat nicht überlegt, wie sie das Loch stopfen könnte. Dafür habe ich kein Verständnis.

Stadionkapazität für attraktive Spiele zu gering

Welche Auswirkungen hat der neue Zuschnitt des Stadions auf den Verein?

Der Verein muss sein Budgets weiter kürzen, weil ihm Einnahmen fehlen werden – zum Beispiel aus Länderspielen, die wir nicht mehr nach Grimma holen können. Zwar haben die Plätze das Mindestmaß für internationale Spiele, aber die notwendige Kapazität von 3000 Zuschauern ist nicht vorhanden. Das Stadion ist nur für 800 Plätze ausgelegt, und eine transportable Bühne würde sich nicht rechnen. Auch Spiele gegen RB Leipzig können wir uns klemmen. Oder der DFB-Stützpunkt. Für den planten wir im Funktionsgebäude ein Büro, doch das fällt nun weg. Das sind alles Dinge, wo wir Geld erwirtschaften wollten. Wir hätten auf dem alten Platz keine Zukunft gehabt. Jetzt ist eine Situation eingetreten, wo wir mit dem neuen Platz auch keine Zukunft haben und schauen müssen, wie wir uns neu aufstellen.

Wie steht es um Ihren Part an der Lausicker Straße?

Der Verein errichtet ein Kunstrasen-Kleinspielfeld und eine Fluchtlichtanlage. Dafür wurden uns von der SAB zwei Anträge bewilligt, den Eigenanteil von rund zehn Prozent haben wir abgesichert. Wir investieren hier etwa 150 000 Euro, hinzu kommt eine Eigenleistung von geschätzt 50 000 Euro. Der Bau des Kleinfeldes beginnt in Kürze, auch den Trainingskäfig, wie es ihn am alten Stadion gibt, baut der Verein.

Auszug gefährdet Spiel- und Trainingsbetrieb

Im Stadion der Freundschaft beginnen jetzt die Umbauarbeiten. Ist für den FC dort Schicht im Schacht?

Noch im August bin ich davon ausgegangen, dass wir im neuen Stadion ab Spätherbst Spielflächen zur Verfügung haben. Wir haben immer damit gerechnet, die Winterzeit gut überbrücken zu können. Doch nun ist im Stadion der Freundschaft der 10. November definitiv der letzte Tag für uns, und auf die neuen Plätze können wir noch nicht drauf. Mitten im Winter müssen wir ausziehen, obwohl die Stadt einst signalisierte, dass wir erst mit Fertigstellung des neuen Sportparks umziehen brauchen. Warum lässt sich der Abriss des alten Gebäudes im Freundschaft-Stadion nicht um einige Monate verschieben? Warum bemüht sich die Stadt beim Fördermittel-Geber SAB nicht um einen zeitlichen Aufschub für den Abbruch? Das erschließt sich mir nicht.

Wo werden Ihre Mannschaften – von den Bambini bis zu den Männern – jetzt spielen und trainieren?

Schon seit dem Wegfall des Jahnstadions vor einem Jahr nutzen wir alternative Plätze. Es gibt einen Plan mit umliegenden Vereinen, der immer auf zwei bis drei Wochen ausgelegt ist. Mehrere Vereine legen auch Skepsis an den Tag, weil die Plätze nun überlastet werden. Wir wollen den Willi-Schmidt-Platz in Grimma reaktivieren, haben dort aber kein Licht. Wir werden also auch auf Hallen und Fitnessstudios ausweichen müssen, um die Spieler fit zu halten. Fakt ist, dass der Verein durch die Anmietung der Plätze eine Kostenwelle verkraften muss.

Heimspielstätte derzeit ungewiss

Wo wird die erste Mannschaft ihre Heimspiele austragen?

Das steht noch nicht fest. Für die Mannschaft ist die Situation sehr unglücklich. Sie zeigt eine geschlossene Leistung und zählt in der Sachsenliga zu den Favoriten. Für den Verein steht nun sogar die Frage im Raum, ob ein Aufstieg überhaupt möglich wäre.

Wo findet der Verein für die Geschäftsstelle ein Interim?

Die Stadt hat uns im Stadthaus unterm Dach Räume zur Verfügung gestellt. Die Lösung ist topp, aber wir haben wieder Zusatzkosten, denn wir müssen für die Anschlüsse und Ummeldungen aufkommen. Zum Umkleiden dürfen wir die Oberschule am Wallgraben nutzen, was für alle Mannschaften eine logistische Herausforderung wird. Für unsere Utensilien haben wir dank einiger Sponsoren ein Lager gefunden.

Von Frank Prenzel