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Grimma Pro Bahn kritisiert Wasserstoffzüge im Landkreis Leipzig
Region Grimma Pro Bahn kritisiert Wasserstoffzüge im Landkreis Leipzig
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14:35 17.05.2019
Ein Wasserstoffzug war für einen Tag bereits auf der Strecke Leipzig-Grimma im Einsatz. Quelle: Thomas Kube
Landkreis Leipzig/Pegau

Schon jetzt gerät die Strecke Leipzig-Zeitz-Gera häufig an ihre Kapazitätsgrenzen. Eine Einbindung der Trasse in das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz würde es ermöglichen, mehr Passagiere zu befördern. Was vor allem auch der Stadt Pegau und der gesamten Elsterregion zugute käme.

Gegenwind erntet allerdings die Idee, alternative Antriebe auf der Strecke einzusetzen. „Wasserstoffzüge sind keine Alternative zur Elektrifizierung der Strecke Leipzig-Gera und auch als Übergangslösung nicht zielführend“, heißt es seitens des Fahrgastverbandes Pro Bahn und des Verkehrsclubs Deutschland (VCD). Die Verbände sehen die Stärken der neuen Technologie eher nicht auf Hauptstrecken, wie der Thüringer Landesverband von Pro Bahn betont.

Kritiker sehen Elektrifizierung der Strecke Leipzig-Gera gefährdet

Der Wasserstoffzug, der zwischen Leipzig und Grimma eine Testfahrt absolvierte, warb mit bahnbrechender Technologie. Quelle: Thomas Kube

Im Gegenteil: „Mit dem Aufbau der teuren Wasserstoffinfrastruktur entsteht die latente Gefahr, dass aus der Übergangslösung eine Dauerlösung wird und die Streckenelektrifizierung zwischen Leipzig und Gera auf den Sankt-Nimmerleins-Tag verschoben wird.“ Auch die vollwertige Anbindung der Städte Zeitz und Gera an das Leipziger S-Bahn-Netz würde damit in eine ungewisse Zukunft verschoben, so die Kritiker.

Olaf Behr, Vorsitzender von Pro Bahn Thüringen, verweist auf die Möglichkeit, die Strecke mit Bundesmitteln zu elektrifizieren. Der Bund wolle noch in diesem Jahr einen eigenen Fördertopf dafür auflegen. „Auch im Zuge des Kohleausstiegs eröffnen sich neue Finanzierungswege.“

Pro Bahn hegt Zweifel an Wirtschaftlichkeit von Wasserstoffzügen

Aus technischen und wirtschaftlichen Erwägungen sei zudem nicht nachvollziehbar, warum der Zweckverband für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL) einseitig auf den Einsatz von Zügen mit Brennstoffzellen fixiert sei. „Unser Eindruck ist, dass keine ergebnisoffene Untersuchung über geeignete Alternativen stattgefunden hat. Dies ist umso fraglicher, da der Einsatz von Wasserstoffzügen in fast allen denkbaren Einsatzszenarien bei Betrachtung der Gesamtkosten wirtschaftlich am schlechtesten abschneidet, wie eine Studie der Fakultät Verkehrswissenschaften der Technischen Universität Dresden von 2017 zeigt.“ Es gebe damit aus Sicht von Pro Bahn keinen Grund, sich jetzt auf diese noch nicht ausgereifte und teure Technologie festzulegen. Längere Fahrzeiten würden ebenfalls gegen die Wasserstoff-Lösung sprechen.

Von Elektrifizierung soll Güterverkehr profitieren

Betrachte man das Eisenbahnsystem als Ganzes und beziehe die Anforderungen von Fern- und Güterverkehr mit ein, so zeige sich, dass eine klassische Elektrifizierung die größeren Vorteile verspricht. „Da im Raum Gera und im Industriepark Zeitz Güterkunden relevante Mengen auf die Schiene bringen, würde von einer klassischen Elektrifizierung auch der Güterverkehr profitieren und mit ihm Mensch und Umwelt. Außerdem böte die Elektrifizierung die prinzipielle Möglichkeit, Fernverkehrszüge von Leipzig nach Gera zu verlängern.“

Disput um grauen und grünen Wasserstoff

Die Verbände bezweifeln außerdem, dass „grüner Wasserstoff‘ entlang der Strecke in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht. Dieser wird aus erneuerbaren Energien gewonnen. So müsste auch im Leipziger Raum bis auf Weiteres „grauer Wasserstoff“ zum Einsatz kommen, für den fossile Energien eingesetzt werden. „Damit“, so der Thüringer Pro-Bahn-Chef, „entfallen fast alle postulierten Umweltvorteile der Wasserstoffzüge. Im elektrifizierten Streckennetz hingegen liegt der Anteil der Erneuerbaren Energien bereits heute bei über 50 Prozent.“ Behrs Fazit: „Die Verantwortlichen in Sachsen sollten daher die Planungen in Sachen Wasserstoff schnell zu den Akten legen und sich auf die Streckenelektrifizierung zwischen Leipzig und Gera konzentrieren.“

Der Zweckverband Nahverkehr lässt die Realisierbarkeit des Einsatzes von Wasserstoffzügen prüfen. Quelle: pd

Landrat Graichen fordert schnelle Lösungen

Landrat Henry Graichen (CDU), Vorkämpfer für die alternative Beförderungsvariante, verteidigt hingegen die Stoßrichtung. „Mit der Antriebsart Wasserstoff soll nicht die Elektrifizierung der Strecke Leipzig-Gera verhindert werden. Vielmehr ist mein Ziel, spätestens ab Dezember 2024 diese Linie in das Mitteldeutsche S-Bahn-Netz zu integrieren.“ Eine Elektrifizierung der Strecke Leipzig-Gera sei bis dahin jedoch unmöglich. „Insofern würden wir in der Region sehr viel Zeit verlieren und eine Entwicklung erschweren, welche gerade für den vom Strukturwandel betroffenen Landkreis Leipzig wichtig ist.“

Das bedeute nicht, dass man sich von der Elektrifizierung der Trasse verabschiedet. „Diese bleibt gemeinsames langfristiges Ziel“, betont Graichen. Aktuell gehe es darum, den Einsatz alternativer Antriebe in das Maßnahmengesetz des Bundes zum Kohleausstieg aufzunehmen. „Sobald diese gesetzliche Grundlage vorhanden ist, wird der ZVNL auf den Freistaat Thüringen zugehen, um die Ausschreibung der Verkehrsleistung ab 2025 vorzubereiten.“ Der Einsatz von grünem Wasserstoff sei im Übrigen möglich und auch gemeinsames Ziel in der Region.

Von Simone Prenzel

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