Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Rewe-Effekt in Grimma: Es gibt Gewinner und Verlierer
Region Grimma Rewe-Effekt in Grimma: Es gibt Gewinner und Verlierer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:36 10.07.2019
Christian Schneider von Schneiders Geschenkideen in der Grimmaer Brückenstraße sagt, dass er vom neuen Rewe profitiert. Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Der Parkplatz ist selten leer: Nun fast schon ein Dreivierteljahr ziehen der Rewe-Markt und die dm-Drogerie am nördlichen Innenstadt-Rand die Kunden an. Die Kommune erhofft sich, mit den attraktiven Märkten auf der Fläche des früheren Jahnstadions die Altstadt zu beleben. Hat sich die Hoffnung erfüllt? Lenkt der eine oder andere Rewe-Kunde seine Schritte auch in den Stadtkern? Profitieren die Händler im Zentrum von der Käuferschar? Eine – nicht repräsentative – LVZ-Runde durch die Läden offenbart: Es gibt Gewinner und Verlierer.

Moderne Märkte auf dem Volkshausplatz mit prallem Angebot

Der 30-jährige Florian Schill, Filialleiter im Rewe-Markt auf dem Grimmaer Volkshausplatz, präsentiert ein riesiges Obst- und Gemüsesortiment. Quelle: Thomas Kube

Geschenke-Boutique in der Altstadt von Grimma profitiert

Christian Schneider, Inhaber von Schneiders Geschenkideen in der Brückenstraße, gehört zu den Gewinnern. Er hat eine „merkliche Zunahme der Laufkundschaft“ festgestellt und spürt auch mehr Umsatz in der Kasse. Ostern etwa konnte sein Laden im Vergleich zu 2018 um ein Drittel zulegen. „Hier kommen jetzt Leute lang, die wussten gar nicht, dass es uns gibt“, weiß der Geschäftsmann aus Gesprächen. Dass sie in den neuen Märkten waren, sieht er an den Tüten in der Hand.

Nach Schneiders Einschätzung macht es die Kombination von Rewe und dm. „Der Drogeriemarkt ist wichtig für die Stadt und zieht.“ Positiv sei auch, dass die Parkplätze auf dem Volkshausplatz wieder zur Verfügung stehen. Die Händler der Innenstadt müssten nun den Impuls aufnehmen, sagt Schneider vor allem mit Blick auf die uneinheitlichen Öffnungszeiten. Einen Laden um 17 Uhr zu schließen, sei nicht zeitgemäß. Schneider hofft, dass mit dem neuen Aldi am anderen Innenstadt-Rand, der 2020 eröffnen soll, auch die Lange Straße profitiert.

Blick in die Brückenstraße in Grimma, die vom neuen Rewe-Markt profitiert. Quelle: Frank Prenzel

Sogar die alteingesessene Drogerie in Grimma gehört zu den Gewinnern

Anke Rüssel, Inhaberin der Drogerie Dornig auf der anderen Straßenseite, teilt Schneiders Meinung. „Wir haben eine ganz andere Begehung in der Innenstadt“, gibt sie zu Protokoll. „Man glaubt nicht, wie viele junge Familien in der Stadt leben, die wir früher gar nicht gesehen haben.“ Ihr Geschäft werde ganz anders wahrgenommen, freut sich die Drogistin. Die Händler der Altstadt sollten ihr Potenzial ausspielen, Fachgeschäft mit intensiver Beratung zu sein. Rüssel plädiert dafür, Rewe und dm ebenfalls als Innenstadt-Händler zu betrachten und bekräftigt, aus den Märkten Kunden zu haben, „die wir vorher nicht hatten“. Dabei sitzt ihr mit dm ein Konkurrent vor der Nase.

„Es ist mehr Belebung in der Innenstadt

Ebenso positiv angetan ist Ute Finsterbusch, Inhaberin des Modeladens „Go In“ in der Langen Straße. „Es ist auf jeden Fall mehr Belebung in der Innenstadt“, hat sie wahrgenommen. Auch Kunden von außerhalb kämen wieder. Finsterbusch hat in letzter Zeit eine Umsatzsteigerung zu verzeichnen, will ihre Hand aber nicht ins Feuer legen, ob das wirklich ein Rewe-Effekt ist. Und auch sie meint, dass dm ein Zugpferd sei. Die Nähe der Märkte zur City sei ebenso ein Pluspunkt wie die Stellflächen auf dem Volkshausplatz. Auch der Frischemarkt trage möglicherweise zur Belebung der Stadt bei.

Blick in die Lange Straße in Grimma. Quelle: Frank Prenzel

Christin Keller von der Marktfleischerei Keller hat ebenfalls ein kleines Umsatz-Plus ausgemacht. Es gebe mehr Laufkundschaft und ein paar neue Kunden, sie sehe die Entwicklung „eher positiv“ und sei auch nie ein Gegner der Ansiedlung gewesen.

Ansiedlung bleibt ohne Auswirkung auf Leder- und Fanshop

Einige Schritte weiter am Markt betreibt Wolfgang Seidel sein Leder-Weber-Geschäft. „Ich merke Null“, verrät der Unternehmer. „Am Umsatz hat sich nichts geändert, und ich habe auch nicht mehr Kunden im Laden.“ Das war auch Seidels Erwartung: „Das hätte ich schon vorher sagen können.“ Keinerlei Effekt bemerkt auch die Konditorei und Bäckerei Florian in der Langen Straße, die zudem ein kleines Café betreibt. Filialleiterin Angela Menzel schüttelt den Kopf bei der Frage nach einem gewachsenen Zuspruch. „Wir spüren weder positive noch negative Auswirkungen.“

Eine ähnliche Aussage kommt im Fan-Shop von Karin und Uwe Rosenberg in der Langen Straße. „Wir spüren es nicht“, sagt die Geschäftsfrau. „Das braucht aber seine Zeit“, fügt ihr Mann hinzu. Die Leute seien bequem. Eine Kundin etwa habe gesagt, dass die Märkte am Rande der Stadt liegen und man gleich wieder draußen sei. Kritik übt das Ehepaar, dass der kurze Weg von den neuen Märkten zur Hohnstädter Straße nach wie vor fehlt. „Die Hohnstädter soll das Eingangstor zur Altstadt sein, rüber kommt auf kurzem Weg aber keiner.“

Vollsortimenter Rewe kann Sportfilialist nicht retten

Gerade die Hohnstädter Straße bietet ein eher trauriges Bild. Leere Ladenfenster dominieren, und die nächste Geschäftsaufgabe ist bereits angekündigt. „Alles muss raus“ – seit 14. Juni läuft bei Intersport Hanel der Räumungsverkauf.

Seit drei Jahren betreibt Felix Hanel den Laden in Grimma, jetzt gibt er auf und konzentriert sich auf sein Stammhaus in Oschatz. „Es kommen zu wenig Kunden, die Umsätze sind nicht da“, begründet der Sportwaren-Händler die Entscheidung. Er will das aber nicht auf die neuen Märkte, die er nicht gespürt habe, zurück führen. Dafür sei die Zeit zu kurz. „Ich habe jedoch von Anfang an gesagt, dass die Leute vom Rewe nicht in die Innenstadt kommen. Die kaufen Tiefkühlware, verladen alles ins Auto und fahren wieder los.“ In der zugeparkten Innenstadt würden sie vergebens einen Parkplatz suchen.

Blick in die Hohnstädter Straße in Grimma, wo ein Ladensterben zu verzeichnen ist. Quelle: Frank Prenzel

Lebensmittelmarkt ist Verlierer – Umsatz bricht ein

Großer Verlierer der Entwicklung ist Jörg Wanke mit seinem Lebensmittelgeschäft „Nah & Frisch“ in der Hohnstädter. Sein Umsatz brach um mehr als die Hälfte ein. „Jeder Euro, den Rewe uns wegnimmt, fehlt uns.“ Und je weniger Kunden er habe, desto schlechter könne er das Sortiment vorhalten.

Ein Teufelskreis. Früher habe er zwei Voll-, zwei Teil- und noch zwei bis drei Aushilfskräfte beschäftigt. „Jetzt reicht es nicht mal mehr für eine Vollbeschäftigung“, sagt Wanke frustriert, der hier seit 2012 Lebensmittel verkauft und für Investitionen viel Geld in die Hand nahm. Er könne auch deshalb nicht mithalten, weil er schlechtere Einkaufskonditionen erhalte als die großen Märkte. Wanke ist auch nicht davon überzeugt, dass die Rewe-Kunden mit Tiefkühlwaren in der Tasche noch einmal die City ansteuern. „Würden sie erst in die Stadt und dann zum Rewe gehen, müsste man die Menschheit umerziehen.“

Der Geschäftsmann gibt sich keiner Illusion hin. Über kurz oder lang werde sein Lebensmittelladen keinen Bestand haben: „Wir sind zur falschen Zeit am falschen Ort.“

Von Frank Prenzel

Aufsitzen, bitte! Schüler vom Grimmaer Gymnasium St. Augustin sind nach Prag gefahren – mit dem Rad. Die Traditionstour zum Schuljahresende erlebte ihre 44. Auflage.

09.07.2019

Die Mutzschner Region beleben – das ist das Ziel der Projekte, die aus drei Preisgeldern realisiert werden sollen. Im Fokus sind Ladesäulen, Großküche und Lärmschutz.

09.07.2019

Frisch renoviert öffnete die Stadtbibliothek Trebsen am Dienstagvormittag ihre Pforten. Zu spät, um sich am Sächsischen Buchsommer zu beteiligen. Dafür gibt’s aber andere Angebote, die einen Besuch lohnen.

09.07.2019