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Grimma SPD tritt zu Colditzer Stadtratswahl nicht mehr an
Region Grimma SPD tritt zu Colditzer Stadtratswahl nicht mehr an
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15:24 13.05.2019
Der Colditzer Gottfried Schröpfer zieht sich aus SPD und Lokalpolitik zurück. Quelle: Archiv
Colditz

Wenn ihre Zusammensetzung schon nicht einmalig ist, so doch äußerst gewöhnungsbedürftig: Die dreiköpfige schwarz-rot-rote Fraktion Pro Colditz, die seit 2014 im Stadtrat sitzt, gilt inzwischen als Auslaufmodell.

Gottfried Schröpfer, SPD-Urgestein und vor knapp 30 Jahren Wiederbegründer des sozialdemokratischen Ortsvereins, tritt zur Kommunalwahl am 26. Mai nicht mehr an. Er habe inzwischen die Partei verlassen, sagt er der LVZ auf Nachfrage. Ein Wahlzettel ganz ohne SPD – das gab es in Colditz bisher nicht.

Nötige Luft zum Atmen

Bis zuletzt lobte Schröpfer das Miteinander im Trio. Mit seinen Fraktionskollegen Cornelia Kasten (CDU) und Michael Völkl (Linke) habe er sich stets vor den Ratssitzungen getroffen, um die Vorlagen zu diskutieren. „Waren wir einer Meinung, stimmten wir als Fraktion, gab es unterschiedliche Sichtweisen, hob jeder für sich die Hand. Wir haben uns die nötige Luft zum Atmen gelassen.“

Einen Fraktionszwang habe es nicht gegeben, alles sei geräuschlos abgelaufen, sagt Schröpfer. Ähnlich sehen das auch Kasten und Völkl. Weil sie keine Einzelkämpfer sein wollten, hätten sie zueinander gefunden – wohl wissend, dass sie Sachthemen und keine Bundespolitik verhandelten.

Schröpfer zieht Schlussstrich

Während Kasten und Völkl für CDU beziehungsweise Linke abermals ihren Hut in den Ring werfen, zieht Schröpfer, der im Herbst 65 wird, einen Schlussstrich: „Ich bin jetzt Rentner, engagierte mich 45 Jahre im Ehrenamt, habe vier Enkel und ein Grundstück – man muss den richtigen Zeitpunkt für den Absprung finden.“ Er stehe vor der letzten Ratssitzung seines Lebens, werde sich dort gebührend von den Kollegen verabschieden, um das Feld jüngeren Leuten zu überlassen.

Natürlich sei es für ihn bitter, dass sein Rückzug de facto das Aus für die SPD in Colditz bedeute. Der Ortsverein, der in Spitzenzeiten knapp 30 Mitglieder zählte und als politische Macht galt, schrumpfte zuletzt immer mehr. „Weil wir keine Hand voll Mitglieder mehr waren, schlossen wir uns vor einigen Jahren dem SPD-Ortsverein Grimma an.“

Euphorische Zeiten sind längst vorbei

Längst vorbei die euphorische Wendezeit: „Viele von uns waren bis dahin politisch nicht aktiv. Also fuhren wir nach Leipzig, um zu hören, welche Angebote die Parteien hatten. Die SPD mit ihren Werten wie Arbeit, Solidarität und soziale Sicherheit überzeugte uns. Also beschlossen wir deren Wiedergründung in Colditz“, so Schröpfer.

Mit dabei Genossen wie Erhard Ortmann oder Kurt Dathe, die schon vor dem Krieg in die Partei eingetreten waren und ihre Mitgliedsbücher nach wie vor besaßen. „Alte sind verstorben, Junge rückten nicht nach“, bringt es Schröpfer, zwischenzeitlich Vorsitzender des Ortsvereins, auf den Punkt.

Schröpfer bleibt Sympathisant

Der erfahrene Stadt- und Kreisrat habe die SPD Ende 2018 nicht verlassen, um sich davon künftig mehr Wählerstimmen zu versprechen: „Es waren viele Dinge, die mich zuletzt in der Partei störten, angefangen von Reformen auf dem Arbeitsmarkt über die Flüchtlingspolitik bis hin zu Personalien. Mit der kraftmeierischen Ausdrucksweise einer Andrea Nahles etwa kann ich mich einfach nicht anfreunden.“

Dennoch bleibe er Sympathisant der Partei, bewahre alle Unterlagen auf und werde sie gern zur Verfügung stellen, sollte sich später mal eine neue Ortsgruppe bilden. Er finde es gut, dass die etablierten Parteien jetzt Gegenwind zu spüren bekämen: „Im besten Falle nehmen sie das zum Anlass nachzudenken, was all die Jahre nicht so gut lief.“ Zwar habe er etliche Angebote von diversen Gruppierungen bekommen, auf deren Listen zu kandidieren. Allen, so Schröpfer, hätte er jedoch abgesagt.

Von Haig Latchinian

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