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Grimma Schiffsmühle in Höfgen schließt Mauer
Region Grimma Schiffsmühle in Höfgen schließt Mauer
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06:00 17.07.2018
Thomas Sörnitz, Geschäftsführer und Betreiber vom Hotel & Restaurant Schiffsmühle in Grimma-Höfgen vor seiner Hochwasserschutzmauer. Quelle: Thomas Kube
Grimma

Man muss den Kopf recken, um das kleine Schild am einstigen Mühlenhaus zu lesen. „Hier machte das Hochwasser am 13. August 2002 halt“, steht dort an einer Marke neben dem Balkon der ersten Etage. So unvorstellbar hoch stand die Mulde, und so hoch ragt künftig die Mauer, die noch in diesem Jahr errichtet wird. 8,50 Meter über dem normalen Wasserstand. Es ist das letzte Teilstück, das Thomas Sörnitz fehlt und für das jetzt die Baugenehmigung vorliegt.

Baugebinn für Teilstück im August

Wenn – Mitte August beginnend – diese verbliebenen 30 Meter vom Pavillon bis zur Felswand gebaut sind, hat der Geschäftsführer sein Höfgener Erlebnishotel „Zur Schiffsmühle“ rundum geschützt vor einer ungezähmten Muldeflut, wie sie zweimal über die gastliche Stätte hereinbrach. „Dann sollten wir ein Hochwasser wie 2002 überstehen“, sagt der 47-jährige Hotelier.

Seit fünf Jahren bauen die Hotelbesitzer am Schutz des stilvollen Anwesens, das sich neben dem Fluss erhebt. Am Ende werden sie wohl rund eine Million Euro investiert haben, um nicht wieder vor einem Scherbenhaufen stehen zu müssen. So wie 2002 und 2013, als sie alles in allem einen Schaden von etwa fünf Millionen Euro verkraften mussten.

Zwei Hochwasser innerhalb von elf Jahren

Nach der Jahrtausendflut glaubte kaum einer, dass schon elf Jahre später die zerstörerischen Kraft der Mulde erneut losbricht. Familie Sörnitz, die die Schiffsmühle 1952 erworben hatte, stand 2002 ohne Elementarversicherung da und verschwendete, als das Wasser wieder weg war, noch keinen Gedanken an einen eigenen Flutschutz. Nach dem 2013er Hochwasser zögerte sie aber nicht länger und passte die Pläne zum Umbau und zur Erweiterung von Hotel und Gaststätte an – mit einer 2007 abgeschlossenen Versicherung im Rücken. Noch im selben Jahr wurde das erste Mauerstück an der Hotelzufahrt gebaut. „Wir haben ohne zu fragen begonnen. Sonst gäbe es die Schiffsmühle heute nicht mehr“, gibt Thomas Sörnitz unumwunden zu verstehen.

Baustopp am Hotel Schiffsmühle Höfgen im September 2015. Quelle: Klaus Peschel

Der Ärger blieb nicht aus. Weil eine Genehmigung fehlte, kam es 2014 zum Baustopp. „Sukzessive haben wir dann Baurecht geschaffen und weitergemacht“, so Sörnitz. „Wir mussten ja unsere Leute beschäftigen.“ 2016 sei der B-Plan dann durch gewesen. „Das Projekt ist über Jahre gewachsen“, erklärt der Hotelier. Die Gründung des künftig 160 Meter langen Schutzwalls reicht tief in die Erde bis zu einer Lehmschicht.

Bauwerk in Hotelbau integriert

Mittlerweile ist viel getan – und manche Gäste fragen, wo denn die Hochwasserschutzmauer sei. Sie fügt sich nämlich harmonisch in die Front des Erlebnishotels ein. Und soll noch in diesem Jahr funktionsfähig sein. Neben dem letzten Mauerstück, das auch ein flutsicheres Tor für die Anlieferungen erhält, besorgt Sörnitz noch die 35 Aluminium-Schotten, mit denen im Ernstfall Fenster und Türen verschlossen werden. Zur jetzigen Investition gehört das Verlegen der Vorklärung, die Bestandteil einer hochmodernen, vollbiologischen Kläranlage ist und aus dem Gefahrenbereich heraus kommt. Allerdings ist dazu im Umweltamt noch ein wasserrechtliches Verfahren im Gange. Mit Bruchsteinen verkleidet, entsteht vor der Schutzanlage auch ein Entsorgungsraum für Müll, Papier, Glas und Kunststoff.

Auf finanzielle Hilfe konnte Sörnitz nicht bauen. Die Kosten des Bauwerks, das auch der Elementarversicherer fordert, müssten selbst erwirtschaftet werden, sagt der Hotelier.

Übung für den Notfall

Das Abschotten will der Chef des Hauses künftig einmal im Jahr üben lassen. Das Hotel ist eingebunden ins Warnsystem. Wenn eine Flutwelle anrollt, müssen seine Leute so schnell wie möglich alle Tische und Bänke des Biergartens rein holen und die Schotten anbringen. Die Feuerwehren Schkortitz und Kaditzsch stünden dem Hotel im Ernstfall zur Seite, sagt der 47-Jährige.

Seit der letzten Flut hat Sörnitz einige neue Arbeitsplätze geschaffen. 50 Mitarbeiter aus sieben Nationen stehen bei ihm in Lohn und Brot. In der Küche etwa fange jetzt ein Syrer als Lehrling an. Den Gästen des Hauses stehen 40 Hotelzimmer, 550 Restaurant- und 150 Biergartenplätze zur Verfügung. Sieben Veranstaltungsräume, drei Bowlingbahnen sowie Minigolf und Spielplatz vervollständigen das Equipment.

Die nächste Generation übernimmt

Die nächste Generation des Familienbetriebes steht übrigens in den Startlöchern. Der Sohn des vor zwei Jahren verstorbenen Bruders von Thomas Sörnitz ist bereits im Servicebereich im Geschäft. Sein eigener großer Sohn beendet in diesem Jahr die Hotelfachschule und will den Betriebswirt machen. Eine Sorge ist den künftigen Chefs jedenfalls genommen. Droht ein Hochwasser, ist das Haus gerüstet.

15 Jahre nach der Flut 2002: Große Serie in der LVZ

Von Frank Prenzel

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