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Grimma Schulgarten-Wettbewerb in Naunhof: Mehr als Umgraben und Gießen
Region Grimma Schulgarten-Wettbewerb in Naunhof: Mehr als Umgraben und Gießen
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10:12 31.05.2019
Laura, Marie, Tim und Kim (v.l.) setzen Mangold-Pflänzchen in Töpfe. Sie sollen wachsen und später ins Beet kommen. Quelle: Claudia Carell
Naunhof

Acht Viertklässler und Lehrerin Anne Berger betreten den Schulgarten. „Zwei Minuten schweigen, nur gucken“, sagt die Pädagogin. Die Kinder laufen die Beete entlang. Ein Mädchen zeigt auf einen gelb blühenden Strauch und tuschelt seiner Freundin leise zu: „Upps, das da ist über den Weg gewachsen!“

Später erzählen die Kinder laut, was sie entdeckt haben. „Die lila Blumen sind aufgegangen“, sagt Laura. Sie meint Allium. Tim ruft: „Die Erdbeeren blühen.“ – „Und da steht ein Bäumchen“, hat ein Junge bemerkt. Anne Berger sagt lächelnd: „Ja, der steht schon ’ne ganze Weile. Die Sauerkirsche hat letzte Woche sogar geblüht. Jetzt hat sich der Baum schon wieder verändert.“

Einmal in der Woche gibt es das Ganztagsangebot Schulgarten – und innerhalb von sieben Tagen sieht einiges schon wieder anders aus, stellen die Kinder fest. In ihrem Garten haben sie viel zu tun, denn er ist noch ziemlich neu. Der alte Schulgarten musste weichen, weil für die 333 Kinder mehr Platz für den Pausenhof gebraucht wurde, die Grundschule platzt derzeit aus allen Nähten. Ein neues Areal gleich neben der Schule wächst seit vergangenem Frühling zum Schulgarten.

Schwerer Sommer ohne Brunnen

Motor der Aktion ist Anne Berger. Sie arbeitete zuvor in einer Leipziger Schule, wo sie ebenfalls einen Schulgarten anlegte. Ihr neues Projekt liegt nun in Naunhof, damit bewarb sich die Schule für den Wettbewerb und schaffte die erste Stufe. Der Anfang im Grünen war nicht leicht. „Es war ja so heiß letzten Sommer und wir hatten noch keinen Brunnen. Dank unseres lieben Nachbars konnten wir trotzdem gießen“, erzählt die Lehrerin.

Die 47-Jährige ist mit einem Garten zu Hause groß geworden – und will dies weitergeben. „Die Gesellschaft verliert zu sehr den Bezug zu unserer Grundlage, was nun mal die Natur ist“, sagt sie. Es gehe ihr nicht nur ums Umgraben und Gießen, „die Kinder sollen Dinge entdecken und verstehen und genießen“.

Kapuzinerkresse und Walderdbeeren naschen

Wenn es so weit ist, naschen sie Walderdbeeren, Sauerkirschen und Kapuzinerkresse. Sie lernen etwas über Drei-Felder-Wirtschaft, wo es darum geht, Gemüse so anzubauen, dass sich der Boden erholen kann. Und es wachsen Brennnesseln im Garten, weil die Raupen der Tagpfauenaugen die Pflanze als Nahrung brauchen, „sonst gibt es diese Schmetterlinge bei uns nicht mehr“, so die Pädagogin.

Naunhofer Grundschüler haben in ihrem Schulgarten zu tun: Sie graben Beete um, pflanzen, gießen – und gehen auch mit kleinen Lupen auf Entdeckungsreise. Hier dazu einige Fotos.

Diesmal hat sie kleine Lupen mitgebracht. Damit beobachten sie gelbe Blumen mit vielen kleinen Blüten. „Guckt mal in den Stiehl rein“, sagt die Lehrerin. „In der Mitte ist nischt“, kommt prompt als Antwort und schon diskutieren alle über Strohhalm, Stabilität und Biegsamkeit – und wie gut die Natur das hinbekommt.

Die Ritter helfen bei den Schwertlilien

Anschließend bewundern sie ausgiebig die herrlichen gelben Schwertlilien, auch wenn die Schüler nicht gleich auf den Namen kommen. „Die Ritter hatten so was“, kommt als Hilfe. Ach ja, Schwertlilien. Laura betrachtet diese Blumen und sagt: „Die sind wunderschön.“ Sie mag überhaupt Blumen. Ihr Papa gibt ihr immer mal einen Strauß aus dem heimischen Garten fürs Klassenzimmer mit, erzählt sie.

Dann wird’s praktisch. Vier Kinder graben ein Beet um, in der nächsten Woche werden hier Tomatenpflanzen in die Erde gebracht. Die anderen pflanzen Mangold in kleine Töpfe. „Die Pflanzen müssen noch ein bisschen wachsen, bevor sie auf die Beete können“, erklärt Berger.

So funktioniert der Wettbewerb

– 30 Schulen aus ganz Sachsen sind Sieger der 1. Stufe des diesjährigen Sächsischen Schulgartenwettbewerbs unter dem Motto „Aus Grau macht Grün!“ Darunter sind drei Einrichtungen aus dem Landkreis Leipzig: die Grundschulen in Trebsen und Naunhof sowie das Bildungszentrum Püchau.

Sie können sich über ein Preisgeld von jeweils 400 Euro freuen. Dabei werden grüne Klassenzimmer, Blumenwiesen, Insektenhotels, Weidenhäuser und verschiedene Biotopflächen gestaltet und umgesetzt.

– Alle allgemeinbildenden Schulen waren aufgerufen, ihr Schulgelände in kleinen oder großen Schritten zu einer grünen, naturnah gestalteten Oase zu machen. Es konnten sowohl Konzeptideen als auch Projekte, die gerade anlaufen oder schon realisiert wurden, eingereicht werden. Zum Wettbewerb gehört ein Begleitprogramm mit regionalen Fortbildungen und dem Forum zur Natur- und Umwelterziehung am 13. September 2019 in Meißen.

– Der Wettbewerb des sächsischen Kultusministeriums wird in drei Stufen durchgeführt und läuft zwei Jahre. Alle 30 Siegerschulen präsentieren ihre fortgeschrittenen Wettbewerbsbeiträge im September einer Jury, die daraus die zehn Teilnehmer der dritten Stufe auswählt. Diese erhalten ein Preisgeld von jeweils 1000 Euro. Im Frühjahr 2020 werden sie von einer Jury vor Ort besucht. Im Anschluss daran werden die drei Landessieger ermittelt, die sich dann über jeweils 2.500 Euro freuen können. Der nächste Wettbewerb startet 2020.

– Weitere Informationen gibt es unter http://www.schulgarten.sachsen.de oder von der Koordinatorin Barbara Kroll, Tel. 037325 239992.

„Ich finde es schön, wenn ich mir mal die Hände schmutzig machen kann“, meint der zehnjährige Tim. Er mag nicht nur den regulären Schulgarten-Unterricht einmal in der Woche, sondern hat sich auch noch für dieses Ganztagsangebot angemeldet. „Es ist schön, so an der frischen Luft im Garten zu sein“, sagt er – und kennt das auch von zu Hause. Dort wachsen Kartoffeln, Salat, Zwiebeln, Tomaten, Paprika, Möhren, Kürbis, Erdbeeren und Chili-Schoten. „Das schmeckt viel besser, als wenn man es kauft“, findet Tim. „Und überhaupt ist es gut, das selbst anzubauen und zu ernten.“

Kuschelige Winterquartiere für Marienkäfer

Schön im Schulgarten findet er die mit Holzwolle gefüllten Blumentöpfe, die die Kinder bunt bemalt und in die Beete gestellt haben: „Dort können sich Marienkäfer und andere kleinen Tiere verstecken, wenn es kalt ist, damit sie nicht erstarren. Da haben sie’s warm und kuschelig.“ Auch das Insektenhotel wanderte vom alten in den neuen Schulgarten. Aus Steinen, die übrig waren, legte die Lehrerin eine kleine Trockenmauer an.

Schulleiterin Gabi Lehmann ist froh: „Ohne solch eine engagierte Kollegin geht es nicht, da wird es nur irgendwie gemacht und das wäre schade.“ Was den Wettbewerb betrifft, ist sie gespannt. Im September präsentiert sich ihre Schule mit den Fortschritten in Meißen – vielleicht schaffen es die Naunhofer unter die Top 10.

Interview mit Koordinatorin

Schulgärten und grüne Schulhöfe sind in der Regel nicht die Nummer 1 in der Prioritätenliste. Der Wettbewerb will Anstöße zur Veränderung geben. Wir sprachen darüber mit Koordinatorin Barbara Kroll. Die 39-Jährige ist freiberufliche Garten- und Landschaftsarchitektin und beschäftigt sich seit ihrem Studium mit dem Thema naturnahe Gestaltung von Schulgelände.

Frage: Welches Ziel verfolgen Sie mit diesem Wettbewerb?

Barbara Kroll: Es geht uns vor allem darum, dass an Schulen Freiräume geschaffen werden, die die Auseinandersetzung der Schüler mit der Natur fördern und Anreize für Kreativität, Bewegung und gesunde Ernährung geben. Wesentlich ist aber auch, das Schulgelände im Miteinander zu gestalten, ohne dass den Schulen ohne Rücksprache vom Schulträger etwas übergestülpt wird.

Es heißt zwar Schulgarten-Wettbewerb, aber es sollen doch auch ausdrücklich Schulhöfe grüner werden?

Ja unbedingt. Es geht nicht allein um Schulgärten, sondern um naturnahe Rückzugsräume, durchaus mit dem Naturschutz-Gedanken. Das Thema Insektensterben ist jetzt in aller Munde, auch bei solchen kleinen Projekten kann mit einer entsprechenden Gestaltung darauf reagiert werden.

Sind Schulgärten und grüne Schulhöfe ein Stiefkind in Sachsen?

Durch die Verankerung im Lehrplan sind Schulgärten zum Glück an vielen Schulen noch vorhanden. Unseren Wettbewerb gibt es seit über 25 Jahren, aber man muss leider sagen, dass das Interesse daran zurück gegangen ist.

Woran liegt das?

Gute Frage. Die, die nicht mitmachen, können wir leider nicht fragen. Wir hören immer mal, dass der allgemeine Lehrermangel durchaus eine Rolle dabei spielt. Schulgärten fallen dabei als erstes runter. Lehrer aus DDR-Zeiten, die sich häufig noch lange darum gekümmert haben, fanden zum Teil keine Nachfolger. Allerdings – und dies macht Mut – haben die jungen Kollegen das Thema jetzt wieder mehr entdeckt. Es gibt ja den allgemeinen Trend, dass sich junge Familien wieder mehr für Gärten und gesunde Ernährung interessieren.

Gibt es bei dem Thema einen Unterschied zwischen großen und kleinen Städten?

In Großstädten wie Leipzig und Dresden herrscht oft Platzmangel, die Schulen sind sehr voll, die Höfe oft zu klein. Allerdings gibt es durchaus schöne Beispiele. Eine der Siegerschulen beim letzten Wettbewerb war die 30. Grundschule in Dresden, also eine klassische Großstadtschule. Auch das Gymnasium Marienberg hat auf sehr wenig Platz eine naturnahe Oase mitten in der Stadt geschaffen.

Wenn Kinder über den Hof toben, haben es Pflanzen schwer...

Ja, das stimmt. Aber mit erhöht angelegten Pflanzflächen, eingefasst zum Beispiel mit Trockenmauern, gibt es gute Erfahrungen. Generell kann bei Platzmangel mit unterschiedlichen Ebenen gearbeitet werden, auch bei Spielgeräten. Mit einer Bodenmodellierung lassen sich Schulhöfe auch naturnaher gestalten und die Geschwindigkeit bei Bewegungsaktivitäten im positiven Sinne verringern. Unsere Beobachtung, die von vielen Pädagogen bestätigt wird: In naturnah gestalteten Schulgeländen passieren weniger Unfälle und es gibt weniger Konflikte. Bei dem Wettbewerb können sich Pädagogen zu diesem Thema intensiv austauschen und Anregungen holen, das ist für uns ein wichtiger Punkt.

Schulgartenunterricht gehört in Sachsen in den Lehrplan. Wie viele Schulen haben denn überhaupt einen Schulgarten?

Das lässt sich nicht genau sagen. Wir haben die Sächsische Schuldatenbank. Dort gibt es für die Schulen die Möglichkeit anzukreuzen, ob sie einen Schulgarten haben oder nicht – aber das ist kein Pflichtfeld. Wir sind jetzt dabei, das zu ändern, denn es tut ja keinem weh, dort ja oder nein anzukreuzen. Das ist also in Arbeit. Erst dann wissen wir genau, wie viele Schulgärten es hierzulande überhaupt gibt.

Interview: Claudia Carell

Von Claudia Carell

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