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Grimma Seume erwacht 200 Jahre nach seinem Tod: Literaturpreis für „Der lange Schlummer“
Region Grimma Seume erwacht 200 Jahre nach seinem Tod: Literaturpreis für „Der lange Schlummer“
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15:00 03.12.2017
Jan Decker (Mitte) hat den Seume-Literaturpreis 2017 erhalten. Den Preis übergaben die Jury-Mitglieder Thorsten Bolte, Lutz Simmler und Dr. Thomas Frantzke sowie Stefan Müller vom Sparkassen-Vorstand (v.l.). Quelle: Frank Prenzel
Grimma

Jan Decker wählte ein Essay, das er vor etwa sechs Jahren als Stipendiat in der Denkmalschmiede Höfgen verfasste, um sich für die ihm zuteil gewordene Ehre zu bedanken. Der 40-Jährige, der in Kassel geboren wurde und heute in Osnabrück lebt und arbeitet, ist der neunte Träger des Seume-Literaturpreises, den der Internationale Johann-Gottfried-Seume-Verein „Arethusa“ Grimma seit 2001 alle zwei Jahre vergibt. In einer kleinen Feierstunde wurde der mit 3000 Euro dotierte Preis am Sonnabend in der Aula des Hauses „Seume“ des Grimmaer Gymnasiums an den freischaffenden Autor übergeben. Schüler der Muldentaler Musikschule „Theodor Uhlig“ umrahmten die Wortbeiträge.

Decker erzählt in dem Essay, wie er zum Dichter Johann Gottfried Seume (1763-1810) fand und reflektiert dessen berühmten Spaziergang nach Syrakus aus ganz eigener Sicht. Schon in seiner Grimmaer Zeit als Stipendiat der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen kamen ihm die ersten Ideen zu dem Roman, für den er jetzt mit dem Seume-Literaturpreis bedacht wurde: „Der lange Schlummer“. Decker versetzt in der fiktiven Geschichte den zeitkritischen Dichter ins Heute. Seume erwacht auf seinem Rückweg aus Sizilien an einer Autobahnraststätte im Thüringer Wald. Zu Fuß bricht er auf zu seinem letzten Wegstück nach Grimma...

Die Jury – bestehend aus Lutz Simmler und Thorsten Bolte vom Vereinsvorstand sowie dem Leipziger Kulturdienstleister Dr. Thomas Frantzke – wählte Deckers Arbeit einstimmig aus. Insgesamt hatten sich 82 deutschsprachige Autoren für den Seume-Literaturpreis 2017 beworben – 60 aus Deutschland, elf aus der Schweiz, neun aus Österreich sowie je einer aus Finnland und Schweden. Elf Textbeiträge waren in die engere Auswahl gekommen.

Jan Decker, Vater zweier Jungs, war mit seiner Lebensgefährtin Jutta Müller nach Grimma gekommen. Der Preis sei ihm sehr wichtig, „weil es eine Auszeichnung für mein Erstlingswerk ist“, so der 40-Jährige. Decker, der unter anderem am Deutschen Literaturinstitut Leipzig studierte, verdient sein Geld vor allem mit Hörspielen und Features für verschiedene Anstalten, darunter die der ARD. Gegenüber der LVZ verriet er, dass in seinem Kopf schon erste Ideen für einen zweiten Roman reifen. Es gehe um eine Fluchtgeschichte aus dem Zeiten Weltkrieg.

„Der lange Schlummer“ ist in diesem Jahr erschienen, der Preisverleihung am Sonnabend wohnte auch der Verleger bei. Thorsten Bolte, Leiter des Göschenhaus-Museums, hat den Roman mit Vergnügen gelesen. „Es scheint so, als sei Seume tatsächlich wieder da, lebendig und munter wie einst“, so der Laudator. Manche Motivketten von Seumes Syrakus-Bericht würden kunstvoll weitergesponnen. Bolte lobte Deckers feinen Humor im Roman ebenso wie zum Nachdenken anregende Passagen. „Herr Decker, ich wünsche Ihnen eine Millionenauflage – mindestens!“, schloss Bolte seine Laudatio.

Das Preisgeld stellte die Stiftung der Sparkasse Muldental zur Verfügung. Er freue sich, dass der Verein die Tradition des Literaturpreises nun schon über viele Jahre aufrecht erhalten kann, sagte Stefan Müller, Mitglied des Vorstandes des Geldinstitutes und Vizechef der Stiftung. Es sei in der heutigen Zeit nicht selbstverständlich, die Geschichte unserer Region mit den Söhnen und Gestaltern jener Zeit zu bewahren. Müller führte aus, dass die 2006 gegründete Sparkassenstiftung trotz der Zinsflaute jährlich zehn bis 20 Projekte unterstützt.

Unmittelbar vor der Preisverleihung kam der Seume-Verein „Arethusa“ zur Mitgliederversammlung zusammen. Dabei wurde der fünfköpfige Vorstand im Amt bestätigt. Lutz Simmer steht weiterhin an der Spitze.

Jan Decker, „Der lange Schlummer“, Edition 21 – 2017, 208 Seiten, ISBN 978-3-9524467-5-1

Von Frank Prenzel

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