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Grimma Sieben Tage vegan leben – ein Selbstversuch
Region Grimma Sieben Tage vegan leben – ein Selbstversuch
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10:32 26.02.2019
Eine Woche vegan - Volontärin Maria Sandig probiert es aus. Quelle: Jan Lessner
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Landkreis Leipzig

„Warum nicht mal eine Woche ohne Fleisch, Milch und Käse leben?“, dachte ich mir. Also startete ich einen Versuch: 7 Tage vegan.

Schon als Kind war ich sehr wählerisch, wenn es ums Essen ging. Fleisch und Fisch mochte ich nicht. Wenn mir meine Familie heimlich Fisch im Essen untergemengt hat, habe ich gemeckert. Gurke fand ich super. Himbeeren, Brombeeren und jedes andere Obst waren in meinen Augen aber schon immer das wahre Gemüse – das wissen alle, die mich kennen.

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Obst ist mein Gemüse

Frisches Obst war schon mit zwei Jahren mein ständiger Begleiter. Quelle: privat

Über die Jahre fing ich an, Fleisch zu essen – vor allem Schweine- und Hühnerfleisch. Aber niemals Kaninchen. Mein Opa züchtete Hasen. Meine Mama sagt immer, dass ich als Kind am liebsten zu ihnen in den Stall geklettert wäre. Wenn die süßen Tiere dann auf den Tisch kamen, konnte ich nichts davon essen. Bis heute nicht.

Klimaproblem: Fleischkonsum

Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit Möglichkeiten einer nachhaltigen Lebensweise, dem Klimawandel und Fair Fashion. Es sind Themen, die viele Menschen bewegen und mehr und mehr in der breiten Gesellschaft ankommen. Magazine wie enorm, Filme wie „The true cost“ oder „Cowspiravy- Das Geheimnis der Nachhaltigkeit“ haben bei mir ein Umdenken in Gang gesetzt. Letzt genannte Doku beleuchtet, warum ausgerechnet die größten Umweltschutzorganisationen ein großes Klimaproblem verschweigen: den Fleischkonsum.

Selbst wer sich nicht für Tiere interessiert, bekommt hier genug Gründe für ein veganes Leben. In einer Szene bekommt der Zuschauer die Schlachtung einer Ente zu sehen. Ich musste für einen kurzen Moment wegschauen, zwang mich dann, meinen Blick wieder auf das kopflose Tier zu richten. In diesem Moment sagte ich mir: „Du musst ausprobieren, auf tierische Produkte zu verzichten.“ Gesagt, getan.

Goldener Mittelweg bei der Ernährung

Etwa ein Jahr lang habe ich mich vor einiger Zeit vegetarisch ernährt. Auch danach aß ich nur selten Fleisch. Wenn ich die Wahl hatte, entschied ich mich im Restaurant in der Regel für ein vegetarisches oder veganes Gericht. Doch länger auf Käse verzichten? Ich dachte, das ist kaum möglich. Mein Papa sagt immer, dass „ein goldener Mittelweg“ richtig ist. Also stellte ich keine radikalen Verbote auf. Einfach mal schauen, was passiert.

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Zuerst informierte ich mich über die pflanzliche Ernährungsweise, stöberte nach Rezepten auf Foodblogs. Es gab eine riesige Auswahl, ich fand eine Seite mit einer Einkaufsliste für eine vegane Woche – sehr unkompliziert und bequem. Die Rezepte waren auch mein Fall.

Erster Tag: Überblick verschaffen

Nach der Arbeit lief ich zum Biomarkt und kaufte ein: Unzählige Nüsse, Kerne, frisches Obst, Gemüse, Mandelmus, Mandelmilch, Tempeh (ein fermentiertes Tofuprodukt), Tofu – die Liste war lang. Jeder weiß, dass frische Zutaten teurer sind. Gerade Nüsse und Kerne in Bio-Qualität haben es finanziell in sich – zurecht, wenn ihr mich fragt. Der Einkauf kostete 80 Euro und ich war so voll bepackt, dass ich statt nach Hause zu laufen, die Straßenbahn nahm.

Tipp zum Sparen: Hummus, Mandelmilch und Co. einfach selbst herstellen – das ist günstiger, als die teuren Fertigprodukte zu kaufen.

Zuhause angekommen ging’s los mit dem Kochmarathon. Mein erstes Ziel: Vegane Sommerrollen mit Tempeh, Mango und Erdnussdip. Das Rezept enthält viele Zutaten, ich stand eine gute Stunde in der Küche – da sollte nach Geschmack und Zeit gerne variiert werden. Das Ergebnis war wirklich lecker. Meine Mitbewohner und Arbeitskollegen freuten sich am nächsten Tag über die übrig gebliebenen Sommerrollen.

Sommerrollen mit Tempeh. Quelle: Maria Sandig

Rezept: Vegane Sommerrollen mit Tempeh, Mango und Erdnussdip

Zutaten für zehn Sommerrollen

Für die Sommerrollen

6 Reisblätter

1 Avocado

1 Gurke

3 kleine Möhren

1 Mango

1 kleiner Eisbergsalat

1/2 kleinen Rotkohl

2 Frühlingszwiebeln

1 Handvoll Minze

je nach Geschmack: Kerne (Kürbiskerne), Samen

(Leinsamen) oder Nüsse (Erdnüsse)

Für die Erdnusssauce

8 Teelöffel Erdnussbutter

3 Teelöffel Reisessig

4 Teelöffel Kokosmilch

4 Teelöffel Sojasauce

2 Teelöffel Ahornsirup

1 Stück Ingwer (2,5 cm)

1 Knoblauchzehe

Zubereitung

1. Für die Erdnuss-Sauce alle Zutaten in einen

Mixer geben und cremig mixen.

2. Avocado halbieren, entkernen und Frucht-

fleisch herauslöffeln. In dünne Spalten schnei-

den. Mango schälen, entkernen und ebenfalls in

dünne Streifen schneiden. Möhren und Gurke schälen und zusammen mit Eisbergsalat und Rotkohl in feine, etwa gleich große Streifen

schneiden. Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden.

3. Tempeh in Scheiben schneiden, mit 2 Esslöf feln der Erdnuss-Sauce vermengen und knusprig anbraten.

4. Je ein Reisblatt mit Wasser anfeuchten. Ein wenig Gemüse, Mango und Minze auf dem unteren Drittel des Reisblattes verteilen, dabei einen Rand von 2-3 cm lassen. Bei Bedarf Kürbiskerne über die Füllung streuen. Reisblatt mit Füllung bis zur Hälfte einrollen, Seiten einschlagen und vollständig aufrollen.

5. Mit Kernen, Samen oder Erdnüssen garnieren und mit Erdnussdip servieren.

Fazit nach dem ersten Tag: Für das Mittagessen am Tag danach blieb noch genügend übrig, ich war satt und zufrieden.

Morgen gehts weiter mit dem zweiten Teil: Die pflanzliche Ernährung wirkt sich auf meine Stimmung aus.

Von Maria Sandig

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