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Grimma Spektakulärer Unfall auf A14 bei Grimma fordert Bergungsprofis heraus
Region Grimma Spektakulärer Unfall auf A14 bei Grimma fordert Bergungsprofis heraus
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10:53 08.01.2018
Bis Mitternacht dauerten die Bergungsarbeiten an der Muldebrücke an. Die Freiwillige Feuerwehr Mutzschen leuchtete sie aus. Quelle: Foto: Frank Schmidt
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Grimma

Den Einstieg ins Wochenende hatten sich besonders die Mutzschener Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr ganz anders vorgestellt. Am Freitagabend hatte ein Lastwagen auf der Autobahn 14 das Geländer der Muldebrücke durchbrochen, das Heck war die Böschung hinunter gerutscht (LVZ berichtete).

Kurz nach 18 Uhr waren die Mutzschener Einsatzkäfte zu dem Unfall gerufen worden, „Lkw in die Mulde gestürzt“ lautete nach ihren Angaben die erste Information, die sie erhalten hatten. Einsatzort war die Muldebrücke zwischen Mutzschen und Grimma in Richtung Leipzig. Ebenso alarmiert wurde die Feuerwehr Nerchau, die gleichfalls ausrückte, währenddessen sich die Grimmaer Floriansjünger in Bereitschaft begaben.

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Ein Unfall auf der A 14 zwischen Mutzschen und Grimma am Freitagabend bescherte den Einsatzkräften eine lange Nacht. Ein Lastwagen hatte das Brückengeländer durchbrochen. Die Bergung forderte den Profis alles ab.

Das mit der Alarmierung verbundene Szenario hielt bei den Rettern in der Not den Adrenalinspiegel am Köcheln. Nicht auszudenken, ein Lastwagen stürzt kopfüber etwa 30 Meter in die Tiefe, denn so hoch ist die Brücke. Am Ort des Geschehens bot sich allerdings ein etwas anderes, relativ entspanntes Bild. Der Brummi ist nach einer offenkundigen Schlingertour mit dem Heck am Anfang der gut 340 Meter langen Brücke nach rechts in die Böschung gerutscht und hat sich mit dem vorderen Teil der Ladefläche am Brückengeländer regelrecht aufgespießt. Zuvor hatte das Fahrzeug erst die Leitplanken, dann auch etwa zehn Meter des Brückengeländers buchstäblich abrasiert.

Damit ragte nur das Fahrerhaus an der Brückenkante hervor. So, als mutierte der Laster zum Alpinisten, der das Bauwerk erklommen hat und sich mit letzter Kraft über die Kante hinweg nach oben ziehen will. Nur wenige Meter weiter hätte der 15 Tonnen schwere „Kletterer“ mit etwa vier Tonnen Gepäck, respektive Fracht, diese vermeintlich sportive Übung nicht mehr gemeistert, er wäre entweder auf die darunter führende Straße sowie auf den Muldentalbahnradweg zwischen Nerchau und Golzern gestürzt oder tatsächlich in die Mulde.

Da der Brummifahrer bei diesem fiktiven Stunt rein körperlich unversehrt blieb, gab es für die Nerchauer und Grimmaer Feuerwehren wie auch für den angerückten Rettungsdienst Entwarnung; ihr Einsatz war beendet. Einzig die Kameraden aus Mutzschen blieben bis zum Schluss gegen Mitternacht vor Ort, um die Bergungsarbeiten auszuleuchten. Und nachdem klar war, dass es beim Unfall keinen Personenschaden gegeben hatte, waren die Einsatzkräfte durchaus geneigt, von einem „spektakulären Unfall“ zu sprechen.

Die Mitglieder des angeforderten Bergungsteams aus Dornreichenbach zogen ebenfalls respektvoll die Augenbrauen nach oben. „Das haben wir so auch noch nicht erlebt“, sagte der Chef, Reinhard Otto, der als Profi der Branche nach eigenen Angaben „schon allerhand gesehen“ hat. Trotzdem er mit seinen Mannen schnell einen Bergungsplan hatte, wurde es dennoch „eine ordentliche Herausforderung“, sagte er.

Das ganze Geschehen begehrte die Blicke der auf der Gegenfahrbahn in Richtung Dresden Fahrenden. Dass jedoch nicht wenige von ihnen dafür ihre Handys für Fotos und Videos zückten und ungeniert während der Fahrt Aufnahmen machten, hatte für Einsatzleiter Enrico Pfütze einmal mehr ein Geschmäckle. Und auch die Polizisten staunten nicht schlecht, als sie beobachteten, wie auf der Gegenfahrbahn, am Unfallort vorbei, ein Elefantenrennen zelebriert wurde, obwohl auf der Brücke Überholverbot für Lastwagen besteht.

Von Frank Schmidt