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Grimma Stadt Grimma und Bauern setzen Kopfgeld auf Müllsünder aus
Region Grimma Stadt Grimma und Bauern setzen Kopfgeld auf Müllsünder aus
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09:06 19.04.2019
Fassungslos sind Claudia und Olaf Timm vom Biohof Großbardau über Umweltsünder, die immer wieder Müll auf ihre Felder und an Wegesränder entsorgen. Quelle: Frank Prenzel
Grimma/Großbardau

Die Stadt Grimma und mehrere Landwirte wollen Umweltfrevlern mit einem Mittel beikommen, wie man es sonst eher aus dem Wilden Westen kennt. Sie setzen eine Art Kopfgeld aus. 300 Euro winken jedem aufmerksamen Bürger, dessen Hinweis zur Ergreifung eines illegalen Abfallentsorgers in der Landschaft führt. Mit dem Aufruf in einem der nächsten Amtsblätter von Grimma fällt der Startschuss. Stadt und Bauern wollen die jeweilige Summe gemeinsam aufbringen.

Zunehmende Vermüllung landwirtschaftlicher Flächen

Den Stein ins Rollen brachten Großbardauer Landwirte. Auf Einladung von Claudia und Olaf Timm vom Biohof Großbardau setzten sie sich jetzt mit Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) an einen Tisch und überlegten, wie die zunehmende Vermüllung landwirtschaftlicher Flächen und Wege gestoppt werden kann.

Auf Initiative von Claudia und Olaf Timm vom Biohof Großbardau traf sich eine Runde von Landwirten mit Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger, um eine Strategie gegen Umweltsünder abzusprechen. Quelle: Frank Prenzel

Das Biohof-Ehepaar kann ein Lied von den Nacht-und-Nebel-Aktionen einiger Zeitgenossen singen. Jeden Monat fährt es einmal los, um den Unrat aufzulesen. Unlängst fand es sogar ein Kinderbett auf einem seiner Felder zwischen Großbardau und Grethen. Bauschutt, Grünschnitt, Reifen, Sperrmüll und sogar Sondermüll – manche Bürger laden ihren Abfall „einfach auf unseren Feldern ab“, klagt die 35-jährige Bio-Landwirtin. Und ist damit nicht allein. Die Chefs der KÖG Kleinbardau Landwirtschafts GmbH bestätigen den Trend, dass die wilden Müllentsorgungen zunehmen. „Je dunkler die Nächte, desto mehr wird abgelegt“, meint Geschäftsführer Sten Köhler. Das sei völlig unverständlich. Die Wertstoffhöfe stünden offen, jeder habe für Sperrmüll eine Freimenge, schüttelt er den Kopf.

Gefahr für Ökozertifikat der Biobauern

Claudia und Olaf Timm wollen als Biobauern nachhaltig wirtschaften, die Natur schonen und schützen. Mit dem illegalen Müll haben sie deshalb noch ein ganz anderes Problem als nur den Aufwand der Entsorgung. „Wenn jemand zum Beispiel seinen Grünschnitt inklusive Pflanzenschutz- oder Düngereste auf unsere Flächen kippt, können wir unsere Ökozertifizierung verlieren“, verdeutlicht die junge Frau. Das sei ein existenzielles Risiko. „Uns ärgert aber auch der respektlose Umgang dieser Menschen mit unseren Flächen.“

Neben der Verschandelung und Gefahr für die Natur, leben die Landwirte mit einem weiteren Problem, das die Übeltäter zu verantworten haben. Sie laufen Gefahr, ihre Technik zu beschädigen – etwa durch Flaschen auf den Feldern. Durch Glasscherben steigt auch die Brandgefahr.

Der normale Wahnsinn: An einem Feldweg, der von der Straße zwischen Großbardau und Grimma abzweigt, findet sich so alles, was Umweltfrevler in die Landschaft werfen, unter anderem verpackte Tierspreu. Quelle: Frank Prenzel

„Wir wollen nach Lösungen suchen“, betonte Claudia Timm. In der Runde wurden dann rasch Nägel mit Köpfen gemacht. Das Kopfgeld – besser ist vielleicht das Wort Ergreifungsprämie – mag eine drastische Maßnahme sein. Es soll aber auch der Zivilcourage auf die Sprünge helfen und eine abschreckende Wirkung für potenzielle Umweltsünder haben. Vor dem Aufruf sollen Flur und Feld in einer konzertierten Aktion gesäubert werden. Denn „wo einmal was liegt, kommt was hinzu“, weiß Rathauschef Berger aus vielfacher Erfahrung. Einmal, verriet er der Runde, war in Grimma eine Kamera auf eine illegale Abfallecke gerichtet: „Es war interessant, wer da alles Müll abgeladen hat.“

Einfallsreiche Schilder am Feldweg geplant

Zudem sollen einfallsreiche Warnschilder den ein oder anderen Feldweg säumen. Berger berichtete von einem Schild am Waldrand, das durchaus Wirkung zeigte. Der Spruch darauf: „An dieser Stelle sollten Sie über die Ablagerung von Müll nicht einmal nachdenken!“

Von Frank Prenzel

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