Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Grimma Steinbachs Herrenhaus wird saniert
Region Grimma Steinbachs Herrenhaus wird saniert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:00 20.08.2019
Bauberatung im Herrenhaus Steinbach: Jan Arnold, Manuela Friebe, David Knoche, Wolfgang Walther (von links). Quelle: Jens Paul Taubert
Bad Lausick/Steinbach

Mehr als zwei Jahrzehnte ist es her, dass die Grundschule im Steinbacher Herrenhaus geschlossen wurde. Seither fristete der drei Jahrhunderte alte, barocke Bau, eingebettet in einen ehemals prachtvollen Park und flankiert durch einen inzwischen völlig ruinösen Wirtschaftshof – letzterer in privatem Besitz – eher ein Schattendasein. Zwar bemühten sich die Steinbacher, das Gebäude für die Öffentlichkeit zu erhalten.

Doch erst ein Grundsatzbeschluss des Bad Lausicker Stadtrates 2015 gab Planungssicherheit und den nötigen Impuls. Aktuell ist das Erdgeschoss des um 1715 errichteten Schlosses, das um 1901 erheblich umgebaut und überformt wurde, eine Baustelle. Binnen drei Jahren will die Kommune rund 350 000 Euro investieren, um das Haus für Veranstaltungen verschiedener Art und für die Vereine des Dorfes wieder nutzbar zu machen.

Drei Jahrhunderte alt sind die Reste der Ausmalung, die unter Vertäfelung und Farbschichten entdeckt wurde. Quelle: Jens Paul Taubert

Niveauvolle öffentliche Nutzung ermöglichen

Natürlich könnte man ohne Weiteres ein paar Millionen Euro in das Ensemble investieren, sagt Architektin Manuela Friebe: „Das Spannende an Steinbach aber ist: Wir wollen zeigen, dass wir in einem guten Miteinander mit einem viel kleineren Aufwand als Ziel kommen können.“ Friebe und ihr Partner David Knoke vom Architekturbüro Schwarzformat planen im Auftrag der Stadt Bad Lausick die schrittweise Sanierung.

Dass sich die Menschen im Dorf seinerzeit klar zu ihrem Herrenhaus bekannten, habe für sie den Ausschlag gegeben. Ende 2015 wurde eine Arbeitsgruppe gegründet, in der neben Bürgermeister Michael Hultsch (parteilos) und der Kur GmbH das Büro und der Heimatverein mitarbeiten. Nach konzeptioneller Vorbereitung und einer Behebung kleinerer Bauschäden wird seit einigen Monaten intensiv gebaut.

Bad Lausick investiert 351 000 Euro in den Barockbau. Der Heimatverein leistet Unterstützung.

Barrierefreie Toiletten sind bald fertig

„Jedes Gebäude kann nur überleben, wenn es vernünftig genutzt wird“, benennt David Knoke eine Maxime. Deshalb starte man im Erdgeschoss. Barrierefreie Toiletten lösen endlich die Schulklos ab. Drei große Räume mit Stuck und Parkett, zum Park hin, werden hergerichtet. Sie sollen für Veranstaltungen genutzt werden und bei Vermietung ein bisschen Geld einspielen. Parkett ist zum Teil schon abgeschliffen.

Ein Restaurator fand unter der Holzverkleidung Farbfassungen aus der Erbauungszeit. Wie mit denen zu verfahren ist, befindet sich mit den Denkmalschützern in der Klärung. Im Foyer weicht der schultypische Flockputz einem aus Kalkglätte. Die Elektrik im Erdgeschossbereich wurde bereits erneuert. Dabei setzt man nach Möglichkeit auf Handwerksbetriebe aus der Region.

Heimatverein unterstützt den Fortgang der Arbeiten

„Das gibt schon ein ganz anderes Ambiente“, sagt Wolfgang Walther vom Heimatverein – und meint das Verschwinden des Aufzugs, der das Foyer verschandelte und mit dem „der Hausmeister die Kohleneimer transportierte, um die Kachelöfen zu heizen“. Mitstreiter des 2006 gegründeten Vereins hatten den Schacht, der vom Keller bis ins Obergeschoss reichte, abgebrochen. Überhaupt packt die Truppe gern mit an, wenn es gilt, das Vorankommen zu unterstützen. Die Steinbacher registrierten mit Wohlwollen und Freude, dass sich im Haus endlich etwas tue, so Walther: „Wenn es nach dem Bauen ans Großreinemachen geht, helfen wieder viele mit.“

2020/21 geht es an Dach und Fassade

„In diesem Jahr wollen wir das im Erdgeschoss Begonnene fertig stellen. Danach geht es in den kommenden beiden Jahren an die Fassade“, sagt Jan Arnold vom Bad Lausicker Bauamt. Eine 80-prozentige Förderung über die Leaderregion Leipziger Muldenland ermögliche außerdem, die Gauben des Daches zu ertüchtigen und die historischen Kastenfenster zu überarbeiten; tauschen müsse man nur wenige.

„Es gibt ein paar statische Probleme mit dem Dachstuhl. Aber die resultieren schon aus der Zeit des Umbaus vor 100 Jahren“, sagt David Knoke. Manuela Friebe und er betreiben ihr Büro im Herrenhaus von Gestewitz, einer ebenso denkmalgeschützten und geschichtsträchtigen Immobilie nördlich von Borna. „Zwei, drei Nummern kleiner, aber vom Aufbau her identisch.“

Der Heimatverein verschaffte sich bei einer Radtour vor zwei Jahren in Gestewitz einen Eindruck von dem, was baulich möglich ist. Der Verein war es, der gemeinsam mit dem Ortschaftsrat vor Jahren schon Räume im Herrenhaus renovierte, um Sitzungen, Veranstaltungen und private Feiern zu ermöglichen. Mit Ausstellungen und der Schlossweihnacht will er das barocke Kleinod wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken.

Von Ekkehard Schulreich

Der Bau des neuen Kindergartens im Grimmaer Ortsteil Großbardau liegt gut zwei Monate in Verzug. Wegen Lieferengpässen und dem hohen Auftragsvolumen der Handwerker wurde aus der Einweihung im Juni nichts.

20.08.2019

„Tour ins Ungewisse“ – ein besonderer Filmabend ist am 28. August in der Grimmaer Frauenkirche zu erleben. Die Dokumentarfilmer Heidi und Bernd Umbreit, mit Preisen überhäufte Koryphäen ihres Fachs, sind zu Gast.

20.08.2019

Schon zum 15. Mal wird in Klinga ein Fischerstechen veranstaltet. Zum Kinder- und Sommerfest am Fuße des Senfbergs müssen die Kontrahenten viel Geschick beweisen. Und es gibt noch weit mehr zu erleben.

20.08.2019