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Grimma Tierschutzfall Trebsen: Tochter entsetzt über Zustände in Privat-Zoo
Region Grimma Tierschutzfall Trebsen: Tochter entsetzt über Zustände in Privat-Zoo
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11:10 20.05.2019
In diesen Stallungen des Reiterhofes haben die Vollzugsbeamten zahlreiche Verstöße gegen den Tier- und Artenschutz festgestellt und entsprechend gehandelt. Quelle: Frank Schmidt
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Trebsen

Mit Entsetzen, jedoch ohne größere Verwunderung hat die Tochter der Tierhalterin S. Tscharntke in Trebsen auf die Beschlagnahmung von zahlreichen exotischen Tieren reagiert. Das Amtsgericht Grimma hatte das Ganze am Freitag angeordnet. Das Veterinäramt durchsuchte daraufhin das Haus ihrer Mutter sowie den stadtbekannten Reiterhof mit Tierpension in Trebsen.

Staatsanwaltschaft reagiert auf Tierschutzanzeige

Wie berichtet, haben die Vollzugsbeamten in Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt des Landkreises auf eine Tierschutzanzeige reagiert, die bei der Staatsanwaltschaft Leipzig eingegangen war und laut Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz gravierende Verstöße gegen den Tier- und Artenschutz zum Inhalt hatten. Dass die Tochter daraufhin von ihrer Mutter der Denunziation bezichtigt wurde, sei „purer Unsinn“, meldet sich die Beschuldigte öffentlich zu Wort.

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Tierhalterin S. Tscharntke betreibt in Trebsen einen privaten Minizoo. Die Fotos zeigen, in welchen Zuständen die Tiere auf einem Pferdehof in Trebsen gehalten werden.

„Ich bin entsetzt und sehr enttäuscht, dass diese Frau, die sich meine Mutter nennt, unsere Familienstreitigkeiten vorschiebt, um mich in aller Öffentlichkeit bloßzustellen, nur um von den Tierquälereien und sehr schlechten Haltungsbedingungen abzulenken“, wehrt sich die 33-jährige Tochter, die ihren Namen nicht öffentlich nennen will.

Tochter lehnt Glauben der Mutter ab

Familienstreitigkeiten würden schon viele Jahre die Beziehung überschatten. Tierhalterin S. Tscharntke ist nach Aussage ihrer Tochter Mitglied bei den Zeugen Jehovas. „Ich lehne den christlichen Glauben meiner Eltern ab.“ Zu den Regeln der Religionsgemeinschaft gehört, dass jeder verstoßen wird, der sich dem Glauben entgegenstellt. Deshalb ist der persönliche Kontakt zum Elternhaus schon seit vielen Jahren abgebrochen. „Die Begründung, ich wolle mich mit dieser Anzeige rächen, ist völlig haltlos“, so die 33-Jährige.

Das Amt habe die Tiere weggeholt, weil die Haltung nicht in Ordnung war, sagt die Tochter. Das sei auch einer Gruppe von Tierhaltern nicht verborgen geblieben. Sie hätten sich mit konkreten Fakten an eine Tierschutzorganisation gewandt und ihre schwerwiegenden Vorwürfe mit Fotos untermauert.

So habe ihre Mutter beispielsweise einem Tier ein Stromhalsband angelegt. „Damit hat sie einem kleinen Hund viel Leid zugefügt.“ Ein weiteres Beispiel betreffe die völlig verdreckten und zu kleinen Vogelkäfige. Erst über die Tierschutzorganisation sei der Stein ins Rollen gekommen.

Maßnahme auf dem Pferdehof in Trebsen war überfällig

Ihre Mutter sei mit den Tieren sogar in der Öffentlichkeit aufgetreten, es habe auch Fotos in der Presse gegeben. „Dass sich zuvor keine Behörde für die Herkunft und Haltung interessiert hat, ist schon sehr erstaunlich“, sagt die Tochter vorwurfsvoll.

Von Frank Schmidt