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Grimma Trebsener Bauteilearchiv wird verpackt
Region Grimma Trebsener Bauteilearchiv wird verpackt
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13:09 23.07.2019
Bewahren für die Ewigkeit: Uwe Bielefeld (li.) und sein Helfer Knut Kießling verpacken im Rittergut Trebsen Stuckteile eines Ballsaals, der in Dresden-Mickten stand. Quelle: Thomas Kube
Trebsen

„Die entscheidende Weiche wurde offenbar gestellt“, sagt Uwe Bielefeld erfreut. Der Vorsitzende des Fördervereins Rittergut Trebsen geht davon aus, dass im Herbst begonnen wird, das Sächsische Bauteilearchiv nach Wermsdorf zu verlagern. Deshalb begann er, erste Exponate zu verpacken.

Jüngst hatte Günther Schneider, Staatssekretär im Sächsischen Innenministerium, angekündigt, im Schloss Hubertusburg ein zentrales Bauteile- und Archivdepot einzurichten. „Der Freistaat bekennt sich zu diesem Ort“, betonte er während einer öffentlichen Veranstaltung vor 150 ehrenamtlich Beauftragten der Denkmalpflege. In der Sammlung könne auch der Trebsener Bestand aufgehen.

Grünes Licht vom Innenministerium

„Wir haben grünes Licht vom sächsischen Innenministerium bekommen, dass es nun ernst wird, das Bauteilearchiv nach Wermsdorf zu bringen“, bestätigt Bielefeld Schneiders Aussage. „Deshalb bereiten wir es auf den Transport vor.“ Mit dem Trebsener Knut Kießling, einem ehrenamtlichen Helfer des Vereins, verstaute er Stuck-Dekorationen eines Dresdener Ballsaals, die aus dem 19. Jahrhundert stammen, sorgsam in Kisten.

Rittergutsverein will Ex-Papierfabrik verlassen

Diese und eine Menge weiteres für die Nachwelt erhaltenswertes Kulturgut hatte der Verein seit den 1990er-Jahren im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege gesichert und in der alten Trebsener Papierfabrik eingelagert. Seit die Immobilie durch die Hochwasser der Mulde von 2002 und 2013 stark beschädigt wurde, ist ihm der Verbleib in ihr ein Klotz am Bein.

„Wir wollten sie schon vorletztes und dann Ende vergangenen Jahres verlassen, weil wir es nicht leisten können, die Miete und Betriebskosten aufzubringen“, rekapituliert Bielefeld, der sich zugleich erleichtert zeigt: „Die zusätzlichen Ausgaben, die bei uns aufliefen, weil die Entscheidung zum Umzug so lange auf sich warten ließ, trägt nun der Freistaat.“

Landesamt sichtet Bestände

Seine Verantwortung für das Bauteilearchiv hatte der Freistaat zwar Anfang 2018 bekundet. Die versprochene Tiefensichtung ließ allerdings auf sich warten, weshalb Bielefeld vor einem reichlichen Jahr ansetzte, es aufzulösen. Erst daraufhin setzte sich die Maschinerie in Gang. Mitarbeiter des Landesamtes für Denkmalschutz nahmen den Bestand genauer unter die Lupe.

Dieser Prozess läuft laut Bielefeld noch. In ihm gehe es auch darum, was dem Bauteilearchiv aus dem ebenfalls in der alten Papierfabrik angesiedelten Bergelager zugeordnet werden kann. „Neben der umfangreichen Stuck-Sammlung reden wir beim Bauteilearchiv von Schlössern, Beschlägen, über 200 Türen, 80 bis 100 Fenstern. Hinzu kommen Treppenteile, Öfen, Dachziegel und Fliesen“, zählt der Vereinschef auf. „Beim Verpacken ermitteln wir die genaue Menge und Tonnage. Zuletzt werden wir uns um ein Unternehmen bemühen, das den Transport übernimmt.“

Bergelager für Verein weiter eine Last

Anders steht es um das weit umfangreichere Bergelager für historische Baustoffe, für das sich der Freistaat nicht in der Pflicht sieht. Sachsen als eines der Bundesländer mit den meisten geschichtsträchtigen Bauten benötigte einstmals dingend Fachkräfte, die sich mit deren Sanierung auskannten. Im Trebsener Verein fand er jemanden, der sich der Qualifizierung widmete und außerdem Bauteile für die Zukunft sicherte, die ansonsten auf dem Müll gelandet wären.

Mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen wurden Massen an historischen Relikten aus einem Umkreis von 100 Kilometern abgeholt und ab 1996 in der ehemaligen Papierfabrik untergebracht. Als sich das Land immer weiter finanziell aus der Verantwortung zurückzog, gründete Bielefeld eine Betriebsgesellschaft, die aber schließlich nicht mehr in der Lage war, die Lasten einer solch gigantischen Industriebrache zu tragen.

Im Herbst nochmals Sonderverkauf

Über Sonderverkäufe versuchte er, den Fundus des Bergelagers an den Mann zu bringen. Doch nicht einmal zehn Prozent konnte er veräußern. Im Herbst will er nun noch einmal einen Termin ansetzen, zu dem es erheblich höhere Rabatte als bisher geben werde. Der Rest solle an Großhändler gehen; zwei hätten schon zugeschlagen und sich für den Gesamtbestand an Dielung, Parkett, Gusssäulen und Natursteinen entschieden.

„Ausgewählte Türen, Schlösser und Beschläge des Bergelagers werden wir zu uns ins Rittergut bringen“, kündigt Bielefeld an. „Sie wird man im kleinen Rahmen weiter kaufen können, wenn die alte Papierfabrik hoffentlich Ende des Jahres aufgelöst ist.“

Von Frank Pfeifer

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