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Grimma Trebsens Bauamtsleiterin geht in den Ruhestand
Region Grimma Trebsens Bauamtsleiterin geht in den Ruhestand
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11:33 24.05.2019
Geschafft: Marika Haupt mit dem ersten Flächennutzungsplan für ganz Trebsen – der alte im Hintergrund umfasste noch nicht Altenhain. Beruhigt geht die Bauamtsleiterin nun in den Ruhestand. Quelle: Frank Schmidt
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Trebsen

Sie hat wesentlich zum heutigen Bild von Trebsen beigetragen, jetzt verlässt sie das Rathaus. Marika Haupt, die das Bauamt seit dem 1. September 1990 leitete, geht in den Ruhestand. Am Dienstag radelt sie letztmalig zur Arbeit.

„Für eine Stadt mit derzeit rund 3800 Einwohnern ist es gewaltig, was wir geschaffen haben“, sagt die 61-Jährige, die zwar offiziell noch bis zum 30. Mai 2021 angestellt ist, jetzt aber die Ruhephase der Altersteilzeit antritt. „Man gewöhnt sich aber schnell an die Verbesserungen und sieht sie als selbstverständlich an. Ab und zu sollte man vielleicht mal durch die Stadt gehen und sich erinnern, wie es dort früher aussah. Dann wird einem die Veränderung bewusst, und man schätzt sie mehr.“

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Gewerbegebiet als erste große Herausforderung

Als ersten Meilenstein in ihrer Zeit als Bauamtsleiterin nennt sie die Entwicklung des Gewerbegebiets in Pauschwitz, in dem sechs Betriebe hunderte Menschen beschäftigen. „Noch einige Restflächen sind frei. Ich hoffe, dass sie zeitnah vergeben werden können, denn das sichert uns als Stadt Einnahmen“, sagt Haupt. „Die Industriegebietsstraße, die wir gebaut haben, schloss die Unternehmen besser an die Bundesstraße 107 an; so konnten wir sie erhalten.“

Schulgebäude erweitert

Als es 1989 zum politischen Umbruch kam, stand das neue Trebsener Feuerwehrgerätehaus im Rohbau. „Wir haben es fertiggestellt“, zählt Haupt weiter auf. Hinzu kamen neue Depots in Neichen und Altenhain. Trebsen erhielt eine moderne Turnhalle. Saniert wurden die drei Kindertagesstätten sowie die Kulturstätte mitsamt Sportplatz. An die Erweiterung der Grundschule schloss sich von 2003 über zwei Jahre die Erweiterung der Oberschule an.

Kommunales Verkehrsnetz weitgehend in Schuss

„Der erste Flächennutzungsplan für ganz Trebsen liegt vor. Die kommunalen Verkehrsadern haben wir weitgehend in Schuss – bis auf wenige Ortsstraßen, die aber für die nächsten Jahre im Plan stehen“, erläutert die Bauamtschefin. Dass sie den größten Dauerbrenner lodernd zurücklässt, bedauert sie. „Wir haben uns stetig um die Sanierung der Ortsdurchfahrt Seelingstädt bemüht, aber zuständig ist nun einmal das Landesamt für Straßenbau und Verkehr.“ Zumindest bestehe jetzt eine Aussicht, die unendliche Geschichte beenden zu können.

Hochwasser als größte Herausforderung

Vor ihrer größten Herausforderung stand Haupt, als im August 2002 die Hochwasserkatastrophe Millionenschäden zurückgelassen hatte. Der Schlosspark war zu entschlammen, der Schlossgraben wurde freigelegt. In Neichen mussten vier Brücken neu gebaut werden, der Graben des Mutzschener Wassers wurde neu profiliert. Als 2013 eine weitere Flut Trebsen heimsuchte, hielt vieles den Wassermassen stand, was in den Jahren zuvor hergerichtet worden war. Zu sanieren war nun aber die Schlossmauer. „Das geschah in Zusammenarbeit mit Pächter Jochen Rockstroh“, erinnert Haupt. „Ihn und den Rittergutsverein unterstützen wir permanent.“

Gute Zusammenarbeit mit Verwaltung und Räten

Zusammenarbeit war der Amtsleiterin auch auf anderem Gebiet wichtig. „So viel lässt sich nur hinkriegen, wenn die gesamte Verwaltung als Team handelt und mit den Stadträten ein gutes Miteinander herrscht“, betont sie. „Zwar haben wir uns auch manchmal um die Sache gestritten. Aber wenn das zum Erfolg führt, ist es positiv für die Stadt.“ Dieter Grobe (SPD), Urgestein im Stadtrat, bestätigt das und fügt an: „Marika Haupt verstand es in höchstem Maße, Fördermittel aus verschiedenen Töpfen zum Wohle Trebsens zu akquirieren, hatte immer Projekte in der Schublade, um sie umsetzen zu können, wenn sich eine Finanzierung ergab.“

Manches lief auch schief

Sicher lief nicht immer alles gut. „Wo gehobelt wird, fallen nun mal Späne. Saniere ich etwas, trete ich dem einen oder anderen Anwohner auch mal auf den Fuß“, räumt Haupt ein. „In der Regel findet sich aber eine Lösung.“

Mit Haupt nimmt eine, wie Bürgermeister Stefan Müller (CDU) sagt, „zuverlässige Mitarbeiterin Abschied, die immer den Überblick behalten hat.“ Sie habe Wichtiges von Nebensächlichem unterscheiden können und gewusst, wie sie mit anderen Behörden kooperieren muss, um Dinge zum Erfolg zu führen.

Nachfolger Steffen Wahle übernimmt Amt

Ihren Wissensschatz konnte sie mittlerweile an Nachfolger Steffen Wahle weitergegeben, den sie in den vergangenen Monaten eingearbeitet hat. „Freilich kann er nicht alles aus den vergangenen 29 Jahren kennen“, erklärt sie. „Ich bin aber noch da, man kann mich anrufen“, bietet sie an und schränkt lächelnd ein: „Jedoch bitte nicht jede Woche!“

Marika Haupt hat etwas nachzuholen

Denn auf die Freizeitphase freut sie sich. „Ich sehe nicht mit einem lachenden und weinenden Auge zurück, sondern hoffe, den neuen Abschnitt genießen und lange gesund bleiben zu können.“ Sie bewohnt in der Kernstadt mit ihrem Mann ein Einfamilienhaus und möchte mehr ihren Hobbys frönen. „Ich lese viel, vor allem Krimis. Ich male, stricke, häkle und fahre Rad.“

Ihre bisherigen Urlaube verbrachte sie zumeist im Erzgebirge. Jetzt möchte sie mehr reisen und ganz Deutschland kennenlernen. „Es gibt ja auch noch den Thüringer Wald, die Lausitz, den Norden und den Westen“, sagt sie und lässt aufhorchen: „Noch nicht einmal ins Neuseenland habe ich es geschafft, obwohl es direkt vor der Haustür liegt.“ Fehlende Zeit sollte dafür ab jetzt keine Entschuldigung mehr sein.

Von Frank Pfeifer