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Grimma Veränderung statt Umsturz: Neuer Schulleiter von Parthenstein entwickelt eigene Ideen
Region Grimma Veränderung statt Umsturz: Neuer Schulleiter von Parthenstein entwickelt eigene Ideen
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00:20 08.01.2018
Der neue Schulleiter in Parthenstein Michael Bruckauf-Clauß will einiges verändern.
Der neue Schulleiter in Parthenstein Michael Bruckauf-Clauß will einiges verändern. Quelle: Foto: Thomas Kube
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Parthenstein/Grosssteinberg

Einen Umsturz plant er nicht, der neue Leiter der Grundschule Parthenstein in Großsteinberg. Dafür schätzt Michael Bruckauf-Clauß sein elfköpfiges Team, dem er schon länger angehört, viel zu sehr. Ihm geht es darum, wie er sagt, das hohe Niveau der dörflichen Bildungsstätte zu erhalten. Dazu allerdings bedürfe es durchaus auch einiger Veränderungen.

2011 begann Bruckauf-Clauß seinen Vorbereitungsdienst an der Parthensteiner Schule, zwei Jahre später wurde er Lehrer für Deutsch, Mathematik und Sport; und schon 2015 war er die rechte Hand der langjährigen Leiterin Marion Dröger, die er inzwischen ablöste. So kennt er das Kollegium bereits eine Weile und schätzt ein: „Es funktioniert gut. Die Atmosphäre ist wunderbar, hier brauche ich keine große Aufbauarbeit zu leisten.“

Selbst bezeichnet sich der 34-jährige Leipziger als jemanden, der von der alten Schule ist. Will heißen, er steht an der herkömmlichen Tafel, wenn er unterrichtet, und meint: „Auch in der Zukunft muss nicht alles digital sein.“

Der Entwicklung hin zu neuer Technik und neuen Lehrmethoden will er sich und die Bildungsstätte aber nicht verschließen. „Hier müssen wir weiter nachlegen“, meint er.

Zurzeit gibt es nur ein sogenanntes Smartboard an der Schule, also eine elektronische internetfähige Tafel, auf der sich – wie auf einem Tabletcomputer – Inhalte per Hand verschieben lassen. Damit kann lediglich eine Lehrerin umgehen. „Ich möchte abklären, ob sich noch weitere Pädagogen finden, die Interesse an dieser Technik zeigen, will sie aber niemandem aufzwingen“, sagt Bruckauf-Clauß. „Sollte Bedarf bestehen, wäre es schön, wenn die Gemeinde noch mehr Smartboards für uns anschafft.“

Und wenn der Leiter schon einmal bei möglichen Investitionen ist, dann kann er sich eine Reihe weiterer vorstellen. „Unsere Turnhalle ist betagt, eine grundhafte Sanierung wäre ideal. Vorerst würde es aber schon mal eine bessere Ausstattung tun“, beginnt er die Aufzählung und fährt fort: „Die Schule sieht schön bunt aus, aber am Nebengebäude mit dem Speiseraum ließen sich die grauen Wände verschönern. Und auch die Sternwarte hat noch graue Fassaden.“ Letztere müsste allerdings zunächst energetisch saniert werden. Danach, so ein Vorschlag aus der Elternschaft, wäre es ideal, die Wände nach Ideen der Kinder zu bemalen.

Auf die Eltern, das weiß Bruckauf-Clauß, kann er sich nicht nur bei diesem Plan verlassen. Sie halfen bei jedem Projekt der Vergangenheit mit, auch als 2015 mit großem Aufwand der Schulhof verschönert und dort ein grünes Klassenzimmer eingerichtet worden war. „Sehr engagiert ist ebenso unser Förderverein“, betont der Schulleiter. Er unterstützt uns personell und finanziell bei all unseren Vorhaben.“

Sowenig Trägheit bei den „Alten“ ein Thema ist, genauso fit wie Turnschuhe sind die 135 Erst- bis Viertklässler. Sie nehmen nicht nur rege das breit gefächerte Ganztagsangebot mit seinen neun Arbeitsgemeinschaften wahr, sondern wollen auch dem Zertifikat “Bewegte Schule“ gerecht werden. „Hier haben wir uns ein Renommee erarbeitet, das nicht einfach anderen Zielen geopfert werden sollte“, erklärt Michael Bruckauf-Clauß.

Allerdings muss er zur Kenntnis nehmen, dass anfangs noch viele sportliche Pokale erzielt wurden. „Solche Erfolge hatten wir in den vergangenen Jahren immer weniger“, räumt er ein. Deshalb kann er sich vorstellen, den Fokus irgendwann einmal auf etwas anderes zu lenken.

Interesse zeigt er an dem von der Europäischen Union finanzierten Programm „eTwinning“. Über diese Plattform können Lehrer europaweit miteinander kommunizieren, kooperieren, Projekte entwickeln und sich auszutauschen. Für die Kinder soll die Zusammenarbeit mit anderen Schulen den Unterricht interessanter machen. Sie können sich beispielsweise gegenseitig ihre Lebensart und Bräuche vorstellen, gemeinsam im Videoverbund am Computer Lieder singen. „Der Gipfel wäre ein Schüleraustausch“, sagt Bruckauf-Clauß. „So tragen wir Parthenstein ein bisschen in die Welt hinaus und bringen die Welt nach Parthenstein.“

Für ihn eine Herzensangelegenheit, denn ein solcher Kontakt entzieht seiner Meinung nach Vorurteilen den Nährboden. „Aus meiner eigenen Biografie, von meinem Studium her weiß ich, wie wertvoll es ist, andere Menschen und Kulturen kennenzulernen. Meine Frau betreut ausländische Studenten aus aller Herren Länder in Leipzig“, sagt er. „Mit eTwinning lassen wir die Schule in Parthenstein, öffnen den Mädchen und Jungen aber den Blick, dass sie nicht nur in Sachsen oder Deutschland, sondern in einer großen Welt leben.“

Von Frank Pfeifer