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Grimma Wertvolle Dokumente für Feuerwehrmuseum Grethen
Region Grimma Wertvolle Dokumente für Feuerwehrmuseum Grethen
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14:55 22.07.2019
Neues Material fürs Feuerwehrmuseum: Leiter Gerd Winkler freut sich über historische Unterlagen des Görlitzer Herstellers, von dem die Grethener Sammlung auch Technik besitzt, wie den B 1000 im Hintergrund. Quelle: Thomas Kube
Parthenstein/Grethen

„Wir freuen uns über alles, was unsere Sammlung bereichert“, sagt Gerd Müller. Was dem Leiter des Feuerwehrmuseums Grethen aber jetzt in die Hände fiel, hat für ihn einen besonderen Stellenwert. Es handelt sich um Originaldokumente des Volkseigenen Betriebs Löschgerätewerk Görlitz, von dem zu DDR-Zeiten republikweit alle Feuerwehren Technik bezogen.

„Sämtliche Standardanhänger wurden dort produziert, und zwar in verschiedenen Ausführungen, bestückt mit Schläuchen, Beleuchtung, Tragkraftspritzen, Schaumbildnern, Ventilatoren“, erläutert Winkler die Bedeutung der Fabrik und führt weiter auf: „Auch der LO, den jede größere Feuerwehr besaß, kam aus Görlitz. Der Lastwagen hatte zwar den Nachteil, dass sich Geräte und Mannschaft auf einer Pritsche befanden, was heute verboten ist, weil sich jemand verletzen könnte, wenn bei einem Unfall Geräte verrutschen. Aber mit ihm konnten wir in jedes Gelände fahren. Und er hatte nur ein Gestell für die verschiedenen Zwecke: Löschen, Bergen, Retten.“ Auch das Kleinlöschfahrzeug auf B-1000-Basis sei eine Görlitzer Konstruktion gewesen.

Der Görlitzer Hans-Dietrich Müller bewahrt Schätze

Hervorgegangen war das Werk aus der 1864 gegründeten Rot- und Glockengießerei Gustav Adolf Fischer, die 1946 – bereits unter anderem Namen – verstaatlicht wurde. Nach der deutschen Wiedervereinigung liquidierte die Treuhand das Unternehmen. Hans-Dietrich Müller, der sein ganzes Leben dort gearbeitet und sich zum Meister und Ökonomen qualifiziert sowie die Kommission Betriebsgeschichte geleitet hatte, bewahrte nach dem Aus alles auf, was an Material vorhanden war und ansonsten weggeworfen worden wäre.

Zeitzeugnis: Unter anderem dieses Heft gelangte nun in den Besitz des Feuerwehrmuseums Grethen. Quelle: Detlef Nase

„Seinem Wirken ist es zu verdanken, dass die Historie in mehreren Veröffentlichungen einem breiten Publikum zugänglich gemacht wurde. Broschüren erschienen von ihm, die Geschichtsinteressierte auch heute begeistern und immer noch gesucht werden“, informiert Detlef Nase aus Pasewalk, der Mitglied im Verein Feuerwehrmuseum Grethen ist. „Doch leider macht sich sein Alter bemerkbar. Es geht nicht mehr so schnell, und die Gesundheit ist altersbedingt angeschlagen.“

Schenkung ans Feuerwehrmuseum Grethen

So habe der 82-Jährige eine Lösung gesucht, seine Sammlung für die Nachwelt zu sichern. Und diese fand sich in einer Schenkung an das Grethener Museum. Dort stehen laut Winkler schon mehrere Exponate des Görlitzer Betriebs. „Wir haben eine Tragkraftspritze von 1934, die zurzeit restauriert wird, eine Tragkraftspritze von 1944, einen Anhänger von 1968 und einen B 1000 aus dem Jahr 1976“, zählt er auf. „Außerdem lagern in unserem Archiv Prospekte und anderes Material aus dem Werk.“

Nach der Schenkung: Gerd Winkler (li.) bedankte sich bei Hans-Dietrich Müller in dessen Wohnung. Quelle: Detlef Nase

In Görlitz besuchte Winkler den Sammler. „Mir gefiel seine Art, wie er zu unserem Verein recherchiert hatte und gut über uns Bescheid wusste“, sagt der Museumsleiter. Zurück kam er mit Postkarten, Originalprospekten von LO und B 1000, Werksaufnahmen der Anhänger, Originalfotos des Betriebs und seiner Feuerwehr, Annoncen der Firma aus den 1920er-Jahren sowie zahlreichen weiteren Dokumenten, Broschüren und Büchern.

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Wichtig für Ausstellungen und Forschung

„Für unser Museum sind diese Dinge wichtig, denn es handelt sich um Material eines sächsischen Herstellers“, sagt Gerd Winkler. „Wir können es gut gebrauchen für unsere Ausstellungsvitrinen über die ostdeutschen Betriebe, zu denen außerdem Flader in Jöhstadt und Koebe in Luckenwalde zählen.“ Auch das Museumsarchiv, das Interessierten für die wissenschaftliche Arbeit offen steht, würden die Dokumente aufwerten. Winkler: „Aus einem Privateigentum ist etwas für die allgemeine Nutzung geworden.“

Broschüre: Auch dieses Büchlein gehörte zur Schenkung. Quelle: Detlef Nase

Drehleitern kommen aus Görlitz

In Görlitz indessen hat sich Hans-Dietrich Müller noch längst nicht zur Ruhe gesetzt, er widmet jetzt seine Forschung speziell dem Thema Drehleitern. Und ein neuer Betrieb setzt die lange Tradition fort, Fahrzeuge und Ausrüstungen für Feuerwehren zu produzieren. Die Brandschutztechnik Görlitz GmbH besteht seit 1992, sie gehört Andreas Neu, der sie mitbegründete, und beschäftigt 65 Mitarbeiter.

Feuerwehrmuseum Grethen, Steinberger Straße 1, geöffnet mittwochs 17 bis 19 Uhr sowie von Mai bis September sonntags 14 bis 17 Uhr und für Gruppen nach Vereinbarung; Anmeldungen per E-Mail unter fwm-grethen@t-online.de und per Telefon unter 0170/9 94 65 22

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