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Grimma Wirbel um Klinikstudie: Das leisten die Krankenhäuser rund um Leipzig
Region Grimma Wirbel um Klinikstudie: Das leisten die Krankenhäuser rund um Leipzig
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16:31 16.07.2019
Die Bornaer Sana Klinik hat eine Kapazität von 422 Betten – sie gehört zu den größeren Krankenhäusern der Region. Quelle: Julia Tonne
Landkreis Leipzig

Am Montag veröffentlichte die Bertelsmann-Stiftung eine Studie zur Krankenhausversorgung in Deutschland und sorgte mit dem Fazit, in Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser, für viel Wirbel. Die Empörung kam prompt. Insbesondere in den ländlichen Regionen sahen Kritiker die Versorgung gefährdet, wenn, wie es die Studie vorsieht, 800 Krankenhäuser geschlossen und zum Ambulanzzentren degradiert würden.

Die Autoren der Studie halten dagegen, dass die Konzentration medizinischer Kompetenzen auf Komplexversorger – also große Klinikstandorte – die Qualität der Versorgung steigert. Was bedeuten die Aussagen der Studie für die Region Leipzig? Welche Behandlungsfälle sind an Krankenhäusern in Grimma, Borna oder Wurzen eher selten und welche treten häufiger auf? Wir haben uns die Zahlen angeschaut.

Die Kernaussagen der Bertelsmann-Studie

These 1: Eine Reduzierung der Klinikanzahl würde zu einer besseren medizinischen Versorgung der Patienten in Deutschland führen. Führende Experten weisen darauf hin, dass viele Krankenhäuser in Deutschland zu klein sind und oftmals nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung verfügen, um lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall angemessen zu behandeln.

In der Region Leipzig führt die Weiße Liste (ein digitaler Krankenhauswegweiser) 29 Klinikstandorte aus: Kreis Leipzig (6), Nordsachsen (6), Stadt Leipzig (6), Raum Altenburg-Zeitz (3), Region Döbeln/Mittelsachsen (7).

Geschäftsführer der Muldentalkliniken gGmbH, Mike Schuffenhauer, kritisiert die Bertelsmann-Studie. Quelle: Thomas Kube

In der Modellregion zur Studie (Köln/Leverkusen) simulierten die Experten anhand von Erreichbarkeit und Ausstattung von Kliniken, dass die Region mit 14 statt den aktuell 38 Akutkrankenhäusern eine bessere Versorgung bieten könnte, ohne dass die Patienten im Durchschnitt viel längere Fahrzeiten in Kauf nehmen müssten. Die Bündelung von medizinischem Personal und Gerät würde zu einer höheren Versorgungsqualität in den verbleibenden Häusern beitragen.

These 2: Weniger Krankenhäuser erhöhen Patientensicherheit und wirken dem Problem des Personalmangels in Kliniken entgegen. „Nur Kliniken mit größeren Fachabteilungen und mehr Patienten haben genügend Erfahrung für eine sichere Behandlung“, betonen die Autoren der Studie.

Viele Komplikationen und Todesfälle ließen sich durch eine Bündelung von Ärzten und Pflegepersonal sowie Geräten in weniger Krankenhäusern vermeiden. Kleine Kliniken verfügten dagegen häufig nicht über die nötige Ausstattung und Erfahrung, um lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall angemessen behandeln zu können.

Die drei Kliniken für Akutversorgung im Landkreis Leipzig – Sana Klinikum Borna sowie die beiden Häuser der Muldentalkliniken gGmbH Wurzen und Grimma – liegen jeweils zwischen 26 und 30 Kilometer vom Leipziger Stadtzentrum entfernt. Die Muldentalkliniken betreiben an beiden ihrer Standorte jeweils eine Allgemeine Chirurgie, jeweils eine Frauenheilkunde und Geburtshilfe, jeweils eine Innere und jeweils eine Intensivmedizin.

Das Krankenhaus Wurzen zählt mit 178 Betten zu den kleineren Kliniken in Deutschland. Quelle: Thomas Kube

Alle Fachabteilungen gibt es auch am Sana-Klinikum in Borna. Mit 177 Betten (Grimma) und 178 Betten (Wurzen) liegen beide Häuser unter dem Durchschnitt deutscher Kliniken mit 300 Betten. Die Sana Kliniken Leipziger Land haben ihre Kapazität zuletzt auf über 500 Betten erweitert.

Das sagen die Klinikchefs der Häuser

Der Regionalgeschäftsführer Sachsen Sana Kliniken AG und Geschäftsführer der Kliniken Leipziger Land (Borna und Zwenkau) sieht das Bornaer Klinikum der Diskussion um die Debatte zur Bertelsmannstudie nicht ausgesetzt. „In unseren zwölf Fachkliniken und mehreren Instituten und zertifizierten Zentren profitieren die Patientinnen und Patienten von kurzen Wegen, modernster Medizintechnik und einer Fächervielfalt, die der eines Schwerpunktversorgers gleichkommt.“ Eine wichtige Rolle spiele zudem die Notfallversorgung. So werden in der Bornaer Notfallambulanz im Jahr rund um die Uhr akute Erkrankungen und Unfallverletzungen von rund 35.000 Patienten behandelt.

Andere Töne zur Bertelsmann-Studie schlägt der Geschäftsführer der Muldentalkliniken gGmbH, Mike Schuffenhauer, an. „Bei der ersten Sichtung sind mir bereits wichtige Aspekte aufgefallen, die ich an dieser Studie kritisch sehe.“ Es werde „fast ausschließlich auf Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten sowie Mindestmengen-Eingriffe“ eingegangen.

Schuffenhauer: „Die Versorgung unserer Patienten beinhaltet aber weitaus mehr Krankheitsbereiche als die von den Studienmachern beleuchteten Erkrankungen. Da gehören auch das fiebernde Kind in der Nacht, die akute Magenblutung am Wochenende, der gebrochene Arm und der schwerkranke Patienten von der Palliativstation neben vielen weiteren Krankheitsbildern dazu. Das hat man aus unserer Sicht völlig ausgeblendet.“

Mike Schuffenhauer, Geschäftsführer Muldentalkliniken gGmbH. Quelle: Acura-Kliniken

Die angestoßene öffentliche und politische Diskussion würde von den Muldentalkliniken nun sehr genau verfolgt. „Wir stehen für eine wohnortnahe und qualitativ hochwertige Versorgung unserer Patienten im Landkreis Leipzig. Wir sind gern bereit, unsere Landes- und Bundespolitiker einzuladen, um sie von unserer tagtäglichen harten Arbeit im Sinne unserer Patienten zu überzeugen“, so Geschäftsführer Schuffenhauer in Richtung Dresden und Berlin.

Die Krankenhäuser der Region im Vergleich

Für viele alltägliche Behandlungsfälle sind die Krankenhäuser in der Region gut aufgestellt. Geburtenstationen etwa gibt es fast überall. Blinddarmentzündungen behandeln Ärzte fast täglich. Eine Knie-OP bei Gelenkarthrose hingegen wird zwar ebenfalls an den meisten Krankenhäusern umgesetzt. Die Fallzahlen allerdings offenbaren große Unterschiede bei der Häufigkeit. Wir haben uns Zahlen des Jahres 2017 bei ausgewählten Erkrankungen in sechs verschiedenen Kliniken angeschaut.

Die Sana Klink in Borna

Träger: Sana Kliniken AG

Häufigste Behandlungsursache: Geburten (872)

Betten: 422

Beschäftigte: ~1000

Vollstationäre Fälle: 25 219

Ambulante Fälle: 66  291

Muldentalklinik in Wurzen

Träger: Landkreis Leipzig

Häufigste Behandlungsursache: Geburten (339)

Bettenanzahl: 178

Mitarbeiter Muldentalkliniken gesamt: ~950

Vollstationäre Fälle: 10 108

Ambulante Fälle: 10 292

Muldentalklinik in Grimma

Träger: Landkreis Leipzig

Häufigste Behandlungsursache: Arteriosklerose (316)

Bettenanzahl: 177

Mitarbeiter Muldentalkliniken gesamt: ~950

Stationäre Fälle: 8185

Ambulante Fälle: 10 397

Kreiskrankenhaus in Delitzsch

Träger: Kreiskrankenhaus Delitzsch GmbH

Häufigste Behandlungsursache: Verletzung des Schädelinneren (227)

Bettenanzahl: 135

Mitarbeiter: ~200

Vollstationäre Fälle: 5830

Ambulante Fälle: 1783

Helios Klinik Leisnig

Träger: Helios Klinik Leisnig GmbH

Häufigste Behandlungsursache: Geburten (445)

Bettenanzahl: 175

Mitarbeiter: ~300

Vollstationäre Fälle: 9121

Ambulante Fälle: 14 992

Uniklinikum Leipzig

Träger: Freistaat Sachsen

Häufigste Behandlungsursache: Geburten (1880)

Bettenanzahl: 1345

Mitarbeiter: 4062

Vollstationäre Fälle: 54 193

Ambulante Fälle: 372 477

Von Thomas Lieb und Tilman Kortenhaus

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