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Grimma Zoff nach Feldbrand: Landwirte fühlen sich von Berger diffamiert
Region Grimma Zoff nach Feldbrand: Landwirte fühlen sich von Berger diffamiert
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15:32 17.07.2019
Der Landwirt des betroffenen Agrarbetriebes unterstützte die Feuerwehr bei den Löscharbeiten. Quelle: Frank Schmidt
Grimma/Kreis Leipzig

Der Feldbrand Anfang Juli bei Großbothen hat für Zoff hinter den Kulissen gesorgt. Mit der Kritik von Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos), der betroffene Landwirt habe selbst unzureichend gegen das Ausbreiten des Feuers agiert und die Feuerwehren zu spät alarmiert, sieht die Geschäftsführerin des Regionalbauernverbandes Muldental, Elke Zehrfeld, ihren Berufsstand „aufs Schlimmste diffamiert“.

Berger hatte im Nachgang des Einsatzes in Großbothen das Verhalten des verantwortlichen Landwirtes bemängelt. Der habe die Feuerwehr zu spät informiert und wäre anschließend nicht am Brandort gewesen.

Bauernverband: Bergers Angaben entsprechen nicht den Tatsachen

Das wiederum brachte Elke Zehrfeld auf die Palme: „Ich bin in meinen Grundfesten erschüttert. Die Angaben des Oberbürgermeisters entsprechen überhaupt nicht den Tatsachen. Der Betriebsleiter des betroffenen Betriebes hat bei Brandausbruch sofort die 112 gerufen und hing dort minutenlang in der Warteschleife. Er hat sofort Maßnahmen ergriffen, die ein Ausbreiten des Feuers verhindern sollten und meldete sich auch bei der Einsatzleitung.“

Der Brand ist während Erntearbeiten ausgebrochen – Feuerwehren und Landwirte kämpfen gegen die Flammen

Jörn Kather ist Chef des Agrarhofs Ziegner mit Sitz im Colditzer Ortsteil Schönbach. Das Unternehmen betreibt jenes Feld, auf dem am 1. Juli der Brand ausgebrochen ist. Der Chef saß da selbst auf der Maschine. Er fühlt sich durch die Kritik Bergers zum einen und einem persönlichen Gespräch mit dem Stadtchef „in der Ehre verletzt“, so Kather. „Ich bin selbst aktiver Feuerwehrmann und wusste, was zu tun ist. Ich habe die Feuerwehr sofort alarmiert und mit dem Bodenbearbeitungsgerät Schneisen gezogen, um den Brand einzugrenzen.“ Er habe sich außerdem mit der Einsatzleitung verständigt, welche Dinge zu tun sein.

Persönliches Gespräch mit Berger und Landwirt

Am nächsten Tag las er dann von den Vorwürfen des Oberbürgermeisters gegen sich und bat um ein klärendes Gespräch. „Das war dann die nächste Enttäuschung. Ich hatte jedenfalls nicht den Eindruck, dass man im Rathaus Interesse hatte, die Angelegenheit zu klären oder zu bereinigen. Es kam mir so vor, dass es nur um die Finanzierung des Einsatzes und meine Versicherung ging“, so Kather.

Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) greift die Landwirte der Region an: Sie tun nicht genug für den Brandschutz auf den Feldern. Quelle: Thomas Kube

Matthias Berger erklärte auf Anfrage, dass in dem Gespräch erörtert werden sollte, ob der Brand durch fahrlässiges Handeln entstanden ist. „Beim Einsatz selber kam es zu einer schweren Beschädigung eines Feuerwehrfahrzeuges und zweier Schlauchwagen.

Schon ohne diese Schäden dürften sich die Kosten des Einsatzes im Bereich zwischen 50.000 und 60.000 Euro belaufen“, so Berger. Im Gespräch „mit dem vermeintlichen Brandversursacher“, so Berger weiter, „wurde von diesem auch bestätigt, dass dieser keinen Wasserwagen beziehungsweise Feuerlöscher zur Erstbekämpfung vor Ort hatte, weil diese bereits vorher mit dem Erntekonvoi umgesetzt worden waren.“

Der Feldbrand zwischen Grimma und Großbothen war, ob der betroffenen Fläche von zwölf Hektar, ein Extremfall für alle Beteiligten. Quelle: Frank Schmidt

Nach dem Brand in Großbothen, bei dem auch eine Wohnsiedlung bedroht war, reagierte die Stadtverwaltung Grimma mit einer Handlungsempfehlung an die Landwirte der Region. Matthias Berger mahnte in dem zweiseitigen Schreiben die Landwirtschaftsbetriebe an, „eigenverantwortlich brandvorbeugend und verantwortungsbewusst aktiv zu werden“, wie es darin heißt. Die Feuerwehren seien nicht bereit, „fast fahrlässig unter Außenvorlassung von präventiven Maßnahmen herbeigeführte Feldbrände zu löschen“, steht in der Empfehlung.

Handlungsempfehlung der Stadt Grimma verteilt

Regionalbauernverbands-Geschäftsführerin Zehrfeld: „Wir sind doch nicht blöd. Kein Landwirt nimmt bei solchen Wetterlagen die Situation auf die leichte Schulter, für die Ernte haben wir das ganze Jahr gearbeitet. Gute Arbeit und eine vernünftige Ernte ist überlebenswichtig für den Berufsstand.“ Die Empfehlung Bergers hingegen sei kaum mit der Praxis vereinbar.

Die praktischen Tipps zur Vorgehensweise bei akuter Brandgefahr seien kaum umsetzbar, so Zehrfeld. Auch Landwirt Jörn Kather schüttelt den Kopf. „Herr Berger scheint nicht zu wissen, dass wir eben nur dreschen können, wenn es trocken ist.“ Und die Verfügbarkeit von Technik und Wasserfässern für den Ernstfall seien die Regel, „da muss uns keiner ernsthaft drauf aufmerksam machen“, so Elke Zehrfeld.

Berger hält dagegen: „Aus verschiedenen Gesprächen mit anderen Landwirten wurde bestätigt, dass diese regelmäßig bei Extremtemperaturen mit starkem Wind auf das Mulchen als potenziell besonders gefährlichen Arbeitsschritt verzichten. Beim Einhalten gewisser Grundregeln sind die Schadenspotenziale durchaus minimierbar.“

Neue Hitzewelle kommt – Feuerwehren bitten Landwirte um Hilfe

Bei anhaltender Hitze und Trockenheit seien Brandausbrüche bei Erntearbeiten nicht auszuschließen. Mit Blick auf die nächste Hitzewelle ab Donnerstag ist mit steigender Brandgefahr zu rechnen. Der Kreisfeuerwehrverband appelliert an die Landwirte, Vorkehrungen zu treffen. Eine Prävention der Flächenbrände sei enorm wichtig.

So würden einige Landwirte bei der Ernte oder anderen Arbeiten auf dem Feld bereits Wasserfässer bereitstellen, um im Ernstfall sofort eingreifen zu können. Verbandssprecher Mike Köhler: „Wir appellieren an alle Landwirte, sich auf diese Weise vorzubereiten – es reduziert schließlich auch den entstandenen Schaden auf den Feldern.“

Kreisbrandmeister sieht Landwirte gut vorbereitet

Nils Adam, hauptamtlicher Kreisbrandmeister im Feuerwehrverband, schätzt generell ein, dass die Landwirte „prinzipiell gut bis sehr vorbereitet auf derartige Brandfälle sind. Es sind in den allermeisten Fällen Vorkehrungen getroffen – von Wasserfässern bis zu entsprechender Technik. Außerdem sind die Landwirte bestens vernetzt und tun unserer Ansicht alles dafür, um ihre Ernte zu schützen. Wir haben da wenig Probleme in der Zusammenarbeit.“

Von Thomas Lieb

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