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Markkleeberg Anwohner sorgen sich um Zustand des Zwenkauer See
Region Markkleeberg Anwohner sorgen sich um Zustand des Zwenkauer See
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09:01 15.06.2019
Scheinbar unkontrollierbare Verdriftungen, über die gesamte Fahrt des Verklappungsschiffes zu beobachten, lassen die Zwenkauer um die Qualität ihres Sees fürchten. Quelle: Gislinde Redepenning
Zwenkau

Die Verklappungen von Auflastschüttungen, die im Zuge des Harthkanal-Baus im Zwenkauer See versenkt werden, trüben weiterhin das Wasser und die Stimmung der Zwenkauer (die LVZ berichtete). Dass der Tagebausanierer Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) regelmäßig abgebaggerten Kippenboden der ehemaligen Tagebaue Cospuden und Zwenkau mit einem Schiff zu einer ausgesuchten Stelle im See fährt, besorgt vor allem die Anwohner am Kap.

„Meine Nachbarn machen sich Gedanken, wir sehen die Spuren im Wasser, die manchmal bis zum Badestrand reichen, und diskutieren täglich darüber, wenn die Leute zu mir in den Laden kommen“ erzählt Dominik Berne von der Galerie am Wasser. „Gerade jetzt im Sommer haben viele Angst um den See.“ Zum einen, weil sie um ihr ungetrübtes Badevergnügen fürchten, zum anderen, weil die Bewohner der Häuser am Kap ohnehin für die Problematik der Kippenböden sensibilisiert sind. „Wir alle hier haben diesen Schluff, der verkippt wird, in unseren Gärten, da wächst nichts richtig an“, sagt Berne. Für den Laien sei es nur schwer vorstellbar, dass ausgerechnet das laut LMBV „Sand-Schluff-Gemisch mit stark inhomogener Struktur“, das als „nicht einbaufähig“ gilt und somit nicht zur weiteren Geländeregulierung genutzt werden kann, zur Stabilisierung der Böschungen in rund 40 Metern Seetiefe beitragen soll.

Vlies ist nicht dicht

Schon wenn das Verklappungsschiff den schwimmenden U-förmigen Rahmen anfährt, der mittels den an drei Seiten befestigten Geovliesvorhängen die absinkenden Massen steuern soll, entstehen deutlich sichtbare Verwirbelungen im Wasser. Fotos zeigen, dass die Vliese keineswegs dicht bis fast zum Boden reichen, wie von der LMBV beteuert wird, sondern zumindest zeitweise verdreht und frei im Wasser schweben. Beobachter wollen auch bemerkt haben, dass sich der Rumpf des Verklappungsschiffe schon mehrere Bootslängen vor Erreichen des Rahmens öffnet.

„Es ist einfach großartig, was die LMBV mit ihrem riesigen Erfahrungsschatz hier leistet, doch warum führt man solche Maßnahmen ausgerechnet in der Hochsaison und in den Vegetationsperioden durch und nicht im Winter“, fragt sich Berne. Bei der Sanierung von Häusern an Land werde der Dreck doch auch durch Rohre gleich in Container geleitet. Warum solle Ähnliches nicht auch im See möglich sein?

Bitterling steht unter Schutz

Im Zuge des Hochwassers 2013 kam mit dem Wasser der Weißen Elster viel Leben in den See, Kleinstlebewesen und Flossentiere wie der Döbel, eigentlich ein klassischer Fließgewässerfisch. Sie seien ein absolutes Alleinstellungsmerkmal für einen so jungen Tagebausee, betont einer der Anwohner, der sich um den Natur- und Artenschutz sorgt. Auch Bitterlinge wurden im See registriert und könnten die Rolle der Kleinen Hufeisennase übernehmen. Für den Schutz der Fledermaus haben die Dresdener beim Bau der Waldschlösschenbrücke vor einigen Jahren viel Geld ausgegeben. Der Karpfenfisch ist laut Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume der Europäischen Union gefährdet und absolut schützenswert. Würden sich die Schwebstoffe auf dem Laich ablagern, wäre das ein Umweltskandal, so der Naturschützer.

Ortsunkundige dürfen nicht mehr tauchen

Die Vertreter der Tauchbasis am See sind für kein persönliches Statement zu haben. Doch hat Chef Robert Lange auf seiner Facebook-Seite bekannt gegeben, dass aufgrund der Sichtverhältnisse, die sich mit den Verklappungen dramatisch verschlechtert hätten, ortsunkundige Taucher „mit sofortiger Wirkung auf unbestimmte Zeit“ vom sportlichen Vergnügen ausgeschlossen werden. Es dürften nur noch erfahrene Taucher nach Absprache ins Wasser.

Andreas Schmidt, Geschäftsführer der Sächsischen Seebad Zwenkau (SSZ), sieht das größte Problem in der mangelhaften Kommunikation der LMBV mit der Bevölkerung. Es sei einfach schwierig, alle Details zu einem so komplexen Thema wie dem Bau des Harthkanals zu vermitteln. Da gelte es, den gordischen Knoten zu lösen. „Ich bin jedenfalls heilfroh, dass wir hier kein privates, sondern ein staatliches Unternehmen und damit Profis haben, die sich um die Sanierung kümmern“, betont Schmidt.

Von Gislinde Redepenning

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