Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Markkleeberg Das leistet das Kinderhospiz Bärenherz für Kinder und Eltern: „Hier wird vor allem gelebt!“
Region Markkleeberg

Das leistet das Kinderhospiz Bärenherz: „Hier wird vor allem gelebt!“

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:33 21.11.2020
Eine Pflegerin kümmert sich um ein kleines Mädchen. Rund 140 Familien mit unheilbar kranken Kindern werden pro Jahr im Markkleeberger Kinderhospiz betreut. Das Foto entstand vor der Corona-Pandemie, jetzt muss das Personal Mund-Nasen-Schutz tragen. Quelle: Kinderhospiz Bärenherz
Anzeige
Markkleeberg

Ulrike Ludwig arbeitete 21 Jahre als Kinderkrankenschwester auf der Intensivstation im Herzzentrum. Seit 2015 ist sie Pflegedienstleiterin im Kinderhospiz Bärenherz. Die 51-Jährige spricht hier unter anderem darüber, was ein Kinderhospiz von einem Erwachsenenhospiz unterscheidet.

Frage: Mit dem Begriff Kinderhospiz sind viele Vorurteile verbunden. Warum?

Anzeige

Ulrike Ludwig: Viele Menschen kennen nur ein Erwachsenenhospiz und wissen: Wenn jemand im Sterben liegt, geht er ins Hospiz. Die ersten Kinderhospize gab es in England, und erst seit etwas mehr als zwanzig Jahren entstanden nach und nach solche Einrichtungen auch in Deutschland. Der Ansatz unserer Arbeit ist an vielen Stellen ein völlig anderer. Dennoch begegnen uns immer wieder Vorurteile, Erschrecken, Angst und der Gedanke, wir seien ausschließlich ein Ort, an dem Kinder sterben. Aber das ist nur ein Teil unserer Arbeit.

Ulrike Ludwig: „Ich möchte allen Betroffenen Mut machen, sich unser Haus anzuschauen.“ Quelle: Andre Kempner

Was unterscheidet ein Kinderhospiz von einem Erwachsenenhospiz?

Wir betreuen im Jahr rund 140 Familien mit Kindern, die lebensverkürzende Krankheiten haben. Die meisten von ihnen kommen geplant in einer so genannten Entlastungszeit zu uns. Das heißt: Hier wird vor allem gelebt! Hinzu kommen kurzfristige Aufenthalte in Krisensituationen sowie die Begleitung in der letzten Lebensphase. Ab dem Moment der Diagnosestellung, über den Zeitraum der Erkrankung hinweg bis hin zum Versterben des Kindes und in der Zeit der Trauer können wir den Familien Begleitung und Unterstützung geben.

Mehr zum Thema: Video: Ein Rundgang durch das Kinderhospiz Bärenherz

Der Familienaspekt spielt also eine große Rolle?

Ja, das ist ganz wesentlich. Denn die Familiensituation ist oft fragil, und wir erleben es auch, dass Paarbeziehungen der Eltern der Belastung nicht standhalten. Bereits mit Aussprechen einer schweren Diagnose erleben die Familien eine Verlustsituation. Sie verlieren ihren Traum vom gesunden Kind, von der Unversehrtheit ihres Kindes und unter Umständen ihr gesamtes Lebenskonzept. Damit sind diese Familien in den meisten Fällen extrem überfordert.

Weil der Tod in unserer Gesellschaft kaum thematisiert wird?

Wir wollen alle fit sein bis ins hohe Alter – dann fällt man um und ist tot. Doch so einfach ist das nicht. Und wir wollen uns schon gar nicht damit beschäftigen, dass ein Kind sterben kann. Immer wieder erzählen uns betroffene Familien mit schwer gehandicapten Kindern, welche Blicke ihnen zugeworfen werden. Und sie sagen, dass sie hier im Haus ein Stück Normalität erfahren.

Das Kinderhospiz im Kees’schen Park in Markkleeberg. Quelle: Andre Kempner

Und auch über Tod und Sterben sprechen können...

Wobei jede Familie damit anders umgeht. Manche ziehen sich bei dem Thema zurück. Andere wollen sich damit auseinander setzen, doch es fällt ihnen schwer. Wieder andere sind sehr offen. Wir sprechen nicht nur von den Angehörigen, sondern von „Zugehörigen“. Das heißt, der Kreis der Betroffenen ist als viel größer einzuschätzen, weil da auch noch Freunde und entfernte Verwandte oder Bekannte hinzukommen. Wenn ein Jugendlicher bald sterben wird, ist es gut, wenn auch sein bester Freund hierher kommen kann. Das gilt natürlich noch viel mehr für Geschwisterkinder.

Wie finden Familien zum Kinderhospiz?

Über Ärzte und Pflegekräfte in Kliniken, Hausarztpraxen, Sozialpädiatrische Zentren, über ambulante Pflegedienste, andere betroffene Familien oder den persönlichen Kontakt zu unseren Tagen der offenen Tür. Ich möchte allen Betroffenen Mut machen, sich unser Haus anzuschauen. Unsere Angebote dürfen passen, müssen das aber nicht. Es gab schon oft Rückmeldungen von Familien, die schon viel früher zu uns gekommen wären, wenn sie besser informiert worden wären über die vielfältigen Begleitungsmöglichkeiten im Kinderhospiz.

Sie leiten das Pflegeteam im Haus, haben zu Familien viel Kontakt. Wie verarbeiten Sie das persönlich?

Als ich auf der Kinder-Intensivstation arbeitete, betreute ich meist sehr schwer erkrankte Kinder, und natürlich sind dort auch Kinder gestorben. Ich habe daher Strategien entwickelt, damit umzugehen. Ich spreche gern von einer gesunden professionellen Nähe. Mir selbst ist das in meinen Jahren im Intensivbereich nicht immer nur gut gelungen, aber aus diesen Erfahrungen konnte ich lernen.

So kommt Ihre Spende an

So spenden Sie: Füllen Sie einen Überweisungsschein aus. Zahlungsempfänger: LVZ-Spendenaktion. Verwendungszweck: „Bärenherz“. Sie tragen bitte Ihren Betrag ein, den Sie spenden möchten, und überweisen diesen an: IBAN: DE89 8605 5592 1090 2297 19, BIC: WELADE8LXXX

Spendenbescheinigung: 

Bis 200 Euro gilt die vollständig ausgefüllte Quittung im Original zusammen mit dem Bareinzahlungsbeleg oder Kontoauszug Ihrer Bank als Spendenbescheinigung für das Finanzamt. Bei Überweisungen mit Ihrer kompletten Adresse gehen wir davon aus, dass Sie eine Spendenbescheinigung vom Partnerverein möchten. Zur Erstellung der Spendenquittung übermitteln wir Ihre Adressdaten und Spendenhöhe an den Partnerverein.

Spendernamen: 

Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Sollten Sie das nicht wünschen, dann tragen Sie bitte auf dem Überweisungsschein „ANONYM“ ein. Im Nachhinein können Sie 24 Stunden nach der Überweisung der Namensveröffentlichung unter der E-Mail: lesermarkt@lvz.de widersprechen.

Spendenübergabe: 

Die LVZ-Aktion „Ein Licht im Advent“ geht vom 14. November bis 13. Dezember 2020 Anschließend wird der Gesamtbetrag unserem Partnerverein für das Hilfsprojekt übergeben. Wir berichten regelmäßig über die konkrete Hilfsaktion. Sollten mehr Spenden zusammenkommen, als für das konkrete Hilfsprojekt benötigt wird, so geht das übrige Geld ebenfalls an unseren Projekt-Partnerverein. Das Projekt „Ein Licht im Advent“ wird unterstützt von der Sparkasse Leipzig.

Sehen und lesen Sie dazu auch zur LVZ-Spendenaktion:

Von Claudia Carell