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Markkleeberg Elster-Hochwasser 1954, Waldbrände in der alten Harth – Hans Kratz war dabei
Region Markkleeberg Elster-Hochwasser 1954, Waldbrände in der alten Harth – Hans Kratz war dabei
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07:00 02.02.2017
70 Jahre dabei: Thomas Kröter, Holger Schulz (v.l.) und Dietrich Baldeweg (r.) ehren Hans Kratz für seine treuen Dienste.
70 Jahre dabei: Thomas Kröter, Holger Schulz (v.l.) und Dietrich Baldeweg (r.) ehren Hans Kratz für seine treuen Dienste. Quelle: Andre Kempner
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Zwenkau

Für Hans Kratz war Mittwoch ein ganz besonderer Tag. Am Morgen stand hoher Besuch in seiner Tür in der Illgnerstraße: Dietrich Baldeweg, stellvertretender Chef des Kreisfeuerwehrverbandes, Stadtwehrleiter Thomas Kröter, sein Vize Alexander Hecking und Bürgermeister Holger Schulz (CDU). Im Gepäck hatten sie das Ehrenkreuz für 70 Jahre Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr Zwenkau.

„Das erfüllt mich schon mit Stolz“, gestand der 88-Jährige schmunzelnd. Dass er mal Kamerad wird, war dem gebürtigen Röthaer in die Wiege gelegt. „Schon mein Urgroßvater war in der Feuerwehr.“ Hans Kratz‘ „Karriere“ fing mit zehn Jahren an. „Ich habe mir mit dem Austragen von Einladungen für die Feuerwehr mein Taschengeld verdient. Pro Karte gab es vier Pfennig“, erzählte er den Gästen. Mit einem Schulfreund sei er dann zur aktiven Truppe gestoßen.

Über die Jahrzehnte hat er sich bis zum Löschmeister hochgearbeitet und einiges erlebt: Zum Beispiel das große Hochwasser 1954, als die Zwenkauer Kameraden den Damm der alten Weißen Elster irgendwie abdichten mussten. „Wir haben auch Leute evakuiert. Eine Frau lag im Bett und wollte nicht weg, obwohl das Wasser schon im Schlafzimmer stand“, so Hans Kratz. Unvergesslich seien auch die Einsätze in der Harth. „Die Wehrmacht hatte während des Krieges Munition im Wald versteckt. Als Kinder in den Fünfzigerjahren dort Feuer gemacht haben, kam es immer wieder zu Explosionen und Bränden. Die Geschosse pfiffen uns nur so um die Ohren.“

Ehefrau Magdalena, seit 64 Jahren an seiner Seite, war selbst in der Feuerwehr. „Wenn nachts die Sirene losging, bin ich zuerst aus dem Bett, habe ihm die Sachen hingelegt und in die Stiefel geholfen“, plauderte sie aus dem Nähkästchen. Beide denken gern zurück. „Die Kameradschaft war immer schön. Nur leider leben die meisten aus meiner Generation nicht mehr“, sagte Hans Kratz beim Blick auf ein Schwarz-Weiß-Bild, das 1964 zum 100-jährigen Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr Zwenkau aufgenommen wurde.

Zu seinen Aufgaben gehörten auch Brandschutzkontrollen in den Haushalten. „Damals gab es durch die Berliner Öfen noch viele Wohnungsbrände. Wir haben die Leute angehalten, Bleche vor die Ofentür zu legen und davor gewarnt, Glut zum Anzünden auf Schaufeln von einem Zimmer zum anderen zu tragen. Die meisten haben es trotzdem gemacht“, weiß der gelernte Ofenbauer, der als Meister seines Fachs 30 Jahre lang der PGH Ofenbau Leipzig-Mitte vorstand.

Zum Tag der offenen Tür am 1. Mai besucht er mit seiner Frau jedes Jahr das jetzige, moderne Gerätehaus in der Bahnhofstraße: „Wir werden extra abgeholt“, betonte er. Und natürlich schaue er sich die neue Technik an. „Wenn ich da an meine alte Drehleiter denke. Die war 17 Meter lang.“ Verändert hätten sich auch die Kameraden. „Die sind heute alle schlanker. In die Uniformen passe ich gar nicht mehr rein“, sagte er gestern. Dabei gab es für den Ehrentag extra eine neue. „Vater zieh den Bauch ein, sonst platzt die Linse“, meinte Magdalena Kratz lachend.

Von Ulrike Witt