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Markkleeberg Jäger, Revierförster und Kommunalpolitiker suchen Lösungen fürs Eichholz
Region Markkleeberg Jäger, Revierförster und Kommunalpolitiker suchen Lösungen fürs Eichholz
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12:20 11.05.2019
Die letzte Treibjagd im Eichholz war erfolgreich, doch sind jetzt wieder drei Rotten mit Frischlingen unterwegs. Quelle: A. Kempner
Zwenkau

Wildschweine wüten in Zwenkau und richten seit geraumer Zeit große Schäden an. Betroffene Anwohner, die Jagdpächter der Region und Revierförster Carsten Pitsch als Vertreter des Forstbezirks Leipzig diskutierten anlässlich des öffentlichen CDU-Stammtisches diese Woche in großer Runde im Schützenhaus Lösungsmöglichkeiten. Alexander Wagner, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, wollte wissen: „Was können wir als Kommunalpolitiker tun?“

„Wir müssen zwei Seiten betrachten“, sagte Bürgermeister Holger Schulz (CDU). „Auf der einen Seite die Naturliebe und das Tier, auf der anderer Seite die angerichteten Schäden nahe der Stadt.“ Auf dem Sportplatz im Eichholz hätten die Wildschweine zuerst gewütet. „Als wir dort einen Zaun aufgestellt haben, begann der Ärger in der Westsiedlung“, so Schulz. Man könne jedoch nicht die ganze Stadt einzäunen.

„Es ist schwer, den wachsenden Populationen des Schwarzwildes beizukommen“, erklärte Revierförster Carsten Pitsch. „In diesem Frühjahr sind im Eichholz drei Rotten mit Frischlingen unterwegs, die wegen des milden Winters in großer Zahl durchgekommen sind.“ Bis zum Herbst sei eine weitere rasante Vermehrung zu erwarten. Die zwei Treibjaden im Frühjahr und im Herbst könnten das Problem kaum lösen. In den Maisfeldern fühlten sich die Schweine wie im Schlaraffenland, in den Tagebauen fänden sie genügend Rückzugsorte. Immerhin sind die stadtnahen Gebüsche und Schilffelder, in denen die Anwohner nachts die Tiere gehört haben, inzwischen durch den Bauhof gerodet worden.

Mit Sondergenehmigungen dürfen jetzt die Bestände mit Lebendfallen dezimiert werden, eine Maßnahme, die wegen der näher rückenden Seuchenfront der Afrikanischen Schweinepest eingeführt wurde. In einem Käfig müsse man die gesamte Rotte fangen, damit kein Lernprozeß stattfinden könne, erklärte Pitsch. Diese Option sei jetzt auch für das Eichholz vorgesehen, obwohl es tierschutzrechtlich durchaus ein Streitfall sei.

Dass die Tiere in einem Käfig erschossen werden müssen, stößt einigen Jagdpächtern jedoch übel auf. „Das ist definitiv nicht richtig“, findet Lutz Neidhardt von der Jagdgenossenschaft Großdalzig. „Wer einmal erlebt hat, welche Panik gefangene Tiere bekommen, macht das nicht wieder.“ Tino Fischer wird noch deutlicher: „Wenn ich ein Tier in einer Falle sehe, schieße ich es nicht tot, sondern lasse es raus.“ Etwas müsse jedenfalls passieren, „denn wir haben die Sache nicht im Griff“, gibt Hartmut Pätzold, Jagdpächter in Rüssen-Zwenkau zu.

Stadträtin Ursula Herrmuth (Linke) regte an, für Abschüsse außerhalb des Eichholzes Sondergenehmigungen einzuholen. „Das hat die zuständige Jagdbehörde des Landkreises Leipzig bereits wegen der zu großen Gefahrenlage abgelehnt“, wusste Schulz. Für eine verbesserte Zusammenarbeit an allen Fronten plädierte Gert Becker, Jagdvorsteher Elster-aue-Großdalzig. „Jäger und Landwirte arbeiten bei uns gut zusammen“, erklärte er. Das müsse überall noch besser werden. Auch der umstrittene Einsatz von Nachsicht- und Nachtzielgeräten wurde diskutiert. Das fände er „tausendmal besser“ als die Lebendfallen, betonte Neidhardt. Bayern erlaubt deren Einsatz in Problemgebieten. In Sachsen kann das Verwendungs- und Nutzungsverbot nach einer Gesetzesänderung im Januar 2018 bei Gefahr durch die Afrikanische Schweinepest eingeschränkt werden. Eine schnelle Problemlösung gibt es jedenfalls nicht, alle Seiten müssten vorbehaltlos zusammenarbeiten, so das Fazit der Veranstaltung.

Von Gislinde Redepenning

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