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Markkleeberg Junge Syrer arbeiten für „Chefs mit Herz“
Region Markkleeberg Junge Syrer arbeiten für „Chefs mit Herz“
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06:01 28.12.2018
Bäckermeister Dirk Uttecht (rechts) freut sich über seinen motivierten Lehrling Amjad Akkash, der in der Backstube in Zwenkau arbeitet, während andere sanft schlummern.
Bäckermeister Dirk Uttecht (rechts) freut sich über seinen motivierten Lehrling Amjad Akkash, der in der Backstube in Zwenkau arbeitet, während andere sanft schlummern. Quelle: Andre Kempner
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Markkleeberg/Zwenkau

Sie sind integriert und ihre Chefs möchten nicht mehr auf sie verzichten: Omar Alaziz (26) verstärkt als Personal Trainer das Team im Emyos Sports Club Markkleeberg und Amjad Akkash (18) lernt in der Bäckerei von Dirk Uttecht in Zwenkau. Die beiden jungen Männer haben sich als Geflüchtete auf abenteuerlichen Wegen aus Syrien bis nach Deutschland durchgeschlagen und haben lediglich per WhatsApp Kontakt zu ihren Familien in den Kriegsgebieten.

Vor rund drei Jahren landete Amjad Akkash in Merseburg. Ein Sozialarbeiter hat sich seiner mit dem Ziel angenommen, ihm eine berufliche Ausbildung zu vermitteln, mit der er überall Fuß fassen könne. Über Heidemarie Lüth vom Verein „Zwenkau ist bunt“ und Hans-Martin Schlegel wurden dem jungen Mann die Ausbildungsstelle und eine Wohnung vermittelt. Seit September lernt er bei Dirk Uttecht das Bäckerhandwerk. „Es ist für beide Seiten ein Geben und ein Nehmen. Es ist sehr schwer, Lehrlinge zu finden, wir haben in der Vergangenheit viel Pech gehabt, deshalb freue ich mich, dass Amjad zu uns gekommen ist“, sagt der Chef.

Schließlich muss Amjad fit und munter zu mitternächtlicher Stunde in der Backstube erscheinen, wenn so manch anderer gerade ins Bett fällt. „Er lächelt und kommt immer gerne zur Arbeit“, freut sich Uttecht, der sein Handwerk von der Pike auf nach alter Tradition vermittelt. „Wir backen in reiner Handarbeit seit 1930 nach alten Rezepten, ohne Convenience-Produkte.“ Amjad sei zuverlässig, handwerklich sehr begabt und lerne schnell. „Er ist auf jeden Fall eine Bereicherung für unser Team“, findet Uttecht. Amjad wiederum freut sich, einen „Chef mit Herz“ gefunden zu haben.

Omar Alaziz (26) kam schon als Sportlehrer und Fitnesstrainer nach Deutschland. Ein Stipendium für einen Deutsch-Kurs führte ihn von Dresden an die Universität nach Leipzig. Hier jobbte er, stand ein halbes Jahr bei Porsche am Band, fuhr als Beifahrer bei einem Pakete-Auslieferer mit und half bei der Inventur eines Discounters. „Das war besser, als zu Hause herumzusitzen, solange mein Abschluss noch nicht anerkannt war“, findet er. Mit der Anerkennung in der Tasche hatte er sich bei Emyos beworben. Die Kette mit zehn Filialen in Leipzig und Umgebung bietet das sogenannte EMS-Training an. Dabei wird die körperliche Anstrengung elektronisch über hautenge Anzüge und Westen mit eingearbeiteten Elektroden unterstützt. Während der Bewegungsübungen verstärkt und trainiert ein Stromimpuls von außen die natürliche Kontraktion der Muskeln.

„Omar ist qualifiziert und bringt alles mit, was wir von unseren Mitarbeitern erwarten“, betont Sebastian Winkelmann. Auch Tilo Sing, ebenfalls Geschäftsführer, ist rundum zufrieden mit dem motivierten Mitarbeiter, der jeden Kunden mit einem strahlenden Lächeln empfängt. „Er kommt sehr gut an, die Menschen mögen ihn“, stellte Winkelmann gleich nach dem ersten Probetraining fest. Ein Gefühl, das auf Gegenseitigkeit beruht. „Das Team hier ist meine Familie geworden“, versichert Omar.

Von Gislinde Redepenning