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Markkleeberg Markkleeberg erfüllt Förderkriterien nicht
Region Markkleeberg Markkleeberg erfüllt Förderkriterien nicht
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07:00 01.02.2017
Bezahlbare Mietwohnungen, wie hier in der Sonnesiedlung, sollen wieder verstärkt in Markkleeberg gebaut werden.
Bezahlbare Mietwohnungen, wie hier in der Sonnesiedlung, sollen wieder verstärkt in Markkleeberg gebaut werden. Quelle: André Kempner
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Markkleeberg

Wohnen in Markkleeberg, das ist für viele der Traum vom Einfamilienhaus. Doch nicht jeder kann sich den leisten. „Wir müssen auch an die unteren Einkommensgruppen denken“, mahnte Grünen-Stadtrat Tommy Penk im Herbst, als mit der Kuhle das jüngste Wohngebiet ausgewiesen wurde. Er regte an, die neuen Fördermöglichkeiten für sozialen Wohnungsbau zu nutzen.

„Markkleeberg erfüllt aktuell gar nicht die Kriterien“, sagt Oliver Fritzsche, wohnungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion im sächsischen Landtag und CDU-Fraktionschef im Markkleeberger Stadtrat. Er bezieht sich auf die Ende 2016 vom Dresdner Kabinett beschlossene Richtlinie zur Förderung von neuem mietpreis- und belegungsgebundenem Mietwohnraum. Danach können Kommunen Fördermittel bei der Sächsischen Aufbaubank abrufen, wenn die Zahl der Haushalte in den letzten drei Jahren gestiegen ist, aber nicht adäquat neuer Wohnraum geschaffen wurde, die Leerstandsquote unter vier Prozent liegt, die Angebotsmiete mindestens fünf Prozent und die Mietbelastung generell über dem sächsischen Durchschnitt liegt. Mit einer Leerstandsquote von 5,2 Prozent und einer Angebotsmiete von 6,40 Euro pro Quadratmeter im Bestand (laut SMI-Statistik zum 31. Dezember 2015) hat Markkleeberg keine Chance.

„Nur drei Kriterien zeigen aktuell eine leichte Tendenz zu einem angespannten Wohnungsmarkt. Noch findet man locker eine Wohnung unter 6,50 Euro pro Quadratmeter. Aber das kann sich bei dem gegenwärtigen Zuzug schnell ändern – sogar noch dieses Jahr“, meint Fritzsche. Die kommunale Wohnungsbaugesellschaft (WBG) mit ihren 2144 Wohnungen leiste einen großen Beitrag, dass in Markkleeberg bei insgesamt 12 815 Wohnungen (die Häuser sind hier eingerechnet) noch ausreichend bezahlbarer Wohnraum zur Verfügung steht.

Wobei bezahlbarer nicht gleich sozialer Wohnraum ist. „Sozialer Wohnungsbau ist mietpreis- und belegungsgebunden. Der Wohnraum wird mit einem Mietberechtigungsschein vergeben und darf pro Quadratmeter maximal 6,50 Euro kosten. Die Förderung ist bindend für 15 Jahre“, erläutert Fritzsche. Bezahlbarer Wohnraum sei indes eine sehr individuelle Größe, abhängig vom Einkommen und der Frage, wie viel der Einzelne bereit sei, für die Miete auszugeben.

„Wir müssen die Entwicklung im Rahmen der 2016 begonnenen Strategiediskussion – und zwar über die WBG hinaus – im Auge behalten. Die Richtlinie sieht ja auch eine jährliche Abfrage der Daten vor“, sagt Fritzsche. Er gehe davon aus, dass der Geschosswohnungsbau in Zukunft für die WBG wieder stärker Thema wird. Seit der Wende hatte sich die Stadttochter, in Sachsen übrigens eines der erfolgreichsten kommunalen Wohnungsunternehmen, vor allem um die Sanierung ihres Bestandes gekümmert.

„In Markkleeberg müssen wir ganz stark die einzelnen Segmente betrachten. Beispielsweise werden seit einiger Zeit verstärkt Vier- und Fünfraumwohnungen von größeren Familien nachgefragt“, sagt Fritzsche. Weil das Angebot fehle, steigen die Mieten. Erst recht bei Neubauten. „Hier wirken sich natürlich auch die durch den Bauboom gestiegenen Baukosten aus. Neun bis zehn Euro pro Quadratmeter Miete sind hier durchaus drin“, weiß der studierte Geograf und Stadtplaner. In der Kuhle, dem neuen innerstädtischen Wohngebiet hinter der Rathausgalerie, rechnet Fritzsche in den wenigen, am Rand geplanten Mietwohnungen mit 8,50 bis 10 Euro pro Quadratmeter.

„Ergebnis der Strategiediskussion sollten verschiedene Handlungsfelder sein: Die Stadt weist entsprechende Flächen aus, die WBG, aber auch Private investieren“, so Fritzsche. Laut Rathaussprecher Daniel Kreusch läuft die Strategiediskussion voraussichtlich bis Ende des 1. Halbjahrs intern im WBG-Aufsichtsrat.

Von Ulrike Witt