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Markkleeberg Seifertshainer Reitlehrerin erhält Gründerpreis für ihr Konzept
Region Markkleeberg Seifertshainer Reitlehrerin erhält Gründerpreis für ihr Konzept
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10:01 20.06.2019
In der pädagogischen Reitschule Seifertshain freuen sich die Kinder schon auf den gleich beginnenden Kurs mit den Ponys.
In der pädagogischen Reitschule Seifertshain freuen sich die Kinder schon auf den gleich beginnenden Kurs mit den Ponys. Quelle: Olaf Barth
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Großpösna

Den Begriff „Ponyhof“ mag Anne Lau nicht besonders. Obwohl es die Kinder auf ihrem Gelände in Seifertshain vor allem mit Ponys zu tun haben. Elf dieser Tiere sowie drei Pferde stehen den kleinen und schon etwas größeren Reitern zur Verfügung. Doch die Sozialpädagogin, Reittherapeutin und Trainerin legt Wert darauf, dass es in ihrer Kinderreitschule um ein ganzheitliches Konzept geht: „Wir verfolgen reformpädagogische Ansätze, die Kinder sollen mit vielen Sinnen lernen.“ Genutzt werde dabei das sogenannte „Hippolini-Konzept“, das das Heranführen der Kinder an das Pferd mit der Schulung und Entwicklung sozialer, motorischer und sensorischer Kompetenzen verbindet und sich dadurch vom herkömmlichen Kinderreitunterricht unterscheidet. Dies werde unter anderem durch den Einsatz von nur zwei oder drei Ponys für sechs bis neun Kinder erreicht. Die Kinder seien in der Gruppe dazu angehalten, sich abzusprechen und sich die Ponys zu teilen. Zudem müssten alle Aufgaben im Team gemeistert werden.

Ponys als Medium

Damit sich die vielen Begriffe rund ums Reiten besser einprägen, wird im Theorie-Unterricht so manches gebastelt und gestaltet – immer hat es etwas mit Pferden zu tun. Auch das Verhalten und der Gemeinsinn sind wichtig, so dass auch die Jüngsten aufgefordert sind, sich selbst zu organisieren und zum Beispiel drei Gruppen zu bilden für das Ponyreiten, die Reitspiele und die nötigen Putzarbeiten. Die Ponys seien das Medium, um den Kindern Sozialkompetenzen zu vermitteln. „Wenn Eltern meinen, ihr Kind hat hier zu wenig mit den Ponys zu tun, dann müssen sie sich einfach ein anderes Angebot suchen“, erklärt die 40-Jährige. Allein aufgrund des zarten Alters und Knochenbaus dürften die Kinder noch gar nicht so viel im Sattel sitzen. Vielmehr will Lau ihre Schützlinge darauf vorbereiten, später vielleicht mal richtig den Reitsport betreiben zu können.

Lau ist selbst Springreiterin, hat für Turnierteilnahmen aber kaum noch Zeit. Die einstige Chemnitzerin studierte Pädagogik in Leipzig, blieb dann hier und zog 2014 nach Seifertshain, um sich den Traum von der Selbstständigkeit zu erfüllen. „Wir sind ein kleines Einzelunternehmen, haben aber auch einen Verein gegründet“, erzählt die Pferdeliebhaberin. Sie ist mit einem Juristen verheiratet und hat drei Töchter im Alter von elf, fünf und drei Jahren. 100 weitere Kinder kommen pro Woche zu den Kursen auf ihr Grundstück in die Kinderreitschule „Hofpferde Seifertshain“. Der Schwerpunkt der Kurse liegt dabei auf Kindergarten- und Grundschulkindern. „Leistungssport ist nicht unser Ziel. Aber eine kleine Gruppe für unser Hofturnier oder öffentliche, ausgeschriebene Reitturniere für Kinder wollen wir schon aufstellen“, erzählt Lau. Unterstützung hat sie seit März von zwei weiteren Mitarbeiterinnen, so dass nun vier Arbeitskräfte in der Reitschule tätig sind. Kurse für ältere Kinder sind gerade im Aufbau.

Gründerpreis öffnet Türen

Laues Konzept des pädagogischen Kinderreitens hatte voriges Jahr die Deutsche Reiterliche Vereinigung so überzeugt, dass ihre Schule als eines von zehn Projekten und einziges aus Ostdeutschland den Gründerpreis überreicht bekam. Ein Jahr lang erhält sie nun in der noch nicht abgeschlossenen Gründerphase von der Vereinigung logistische und materielle Unterstützung. „Bei Landes- und Fachverbänden öffnet das Türen. Es gibt Beratungen über Fördermöglichkeiten, fachliche Treffen oder auch Sachspenden von Sponsoren“, freut sich Lau über die Folgen der Auszeichnung. Unterstützung ist in der Hofpferde-Reitschule auch künftig gefragt. Zu der bereits genutzten, 450 Quadratmeter großen Reithalle soll künftig auch ein Seminargebäude mit zwei Zimmern, Toiletten und Küche hinzukommen. Die Gründungsphase wird noch eine Weile andauern.

www.hofpferde.de

Von Olaf Barth