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Markkleeberg Susan Heyder lebt mit dem Pager – wenn es piept, rückt sie aus
Region Markkleeberg Susan Heyder lebt mit dem Pager – wenn es piept, rückt sie aus
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06:01 19.02.2019
Susan Heyder (dritte von links) inmitten ihrer Kameraden bei der Schulung im Alloheim. Sie üben den Transport eines Bewohners aus einem Pflegebett heraus. Quelle: Andre Kempner
Zwenkau

Feuerwehrfrau Susan Heyder steht ihren Mann bei den Zwenkauer Kameraden. Die 25-Jährige wird derzeit im Alloheim, der Zwenkauer Seniorenresidenz in der Pegauer Straße 20, zur Altenpflegefachkraft ausgebildet. Im Ernstfall rückt sie auch während der Arbeit aus.

Wenn es bei ihr piept, schnappt sie sich den Autoschlüssel und rennt los. Sie darf alles stehen- und liegenlassen, die Kollegen wissen Bescheid und springen ein. Ihren Pager hat Susan Heyder immer dabei, 24 Stunden lang rund um die Uhr, denn sie ist Feuerwehrfrau mit Leib und Seele. „Wenn ich nachts zu unchristlichen Zeiten raus muss, ist das nicht so angenehm, aber das gehört eben dazu“, schmunzelt sie. „2018 hatten wir 113 Einsätze, das waren ziemlich viele, im Jahr zuvor waren es nur 65.“

Auch Residenzleiterin Uta Lindner kennt das Prozedere: „Wenn ich Susan im Laufschritt durch die Flure hasten sehe, weiß ich, dass sie zu einem Einsatz ausrückt“, sagt sie. „Wir finden das nicht nur in Ordnung, wir sind dankbar, dass es Kollegen gibt, die sich ehrenamtlich in dieser Form engagieren. Ich ziehe den Hut davor.“ Mit Udo Leeder habe man einen weiteren Mitarbeiter im Haus, der für die Feuerwehr brennt. „Er ist eigentlich Mitglied bei der Feuerwehr in Böhlitz-Ehrenberg“, fügt Lindner hinzu. Geplant sei, dass er wegen der Entfernung nur in Großschadenslagen dorthin fährt und ansonsten künftig auch in Zwenkau mit ausrückt. Ein Vorteil auch für Susan Heyder, die mit Leeder in den Dienstpausen auf Augenhöhe fachsimpeln kann.

Ihr Job liegt ihr am Herzen, der Umgang mit den Menschen, sie im Alltag zu unterstützen. Sogar der anstrengende Umgang mit an Demenz erkrankten Bewohnern. „Sie nehmen die Hilfen dankbar an, lächeln, ab und zu gibt es auch eine Umarmung“, erzählt Heyder. Die Doppelbelastung strenge schon an, mache aber Spaß. „Beides gebe ich nicht wieder auf“, betont sie. Jeden Mittwoch ist Dienst, auch in der Jugendfeuerwehr engagiert sie sich freitags. In den nächsten drei Jahren will sie sich auf ihre Ausbildung konzentrieren. Danach steht ein Lehrgang zum Maschinisten mit LKW-Führerschein auf ihrer Wunschliste. Atemschutzgeräteträgerin ist sie bereits. Was sie in vielen Stunden des aktiven Dienstes gelernt hat, habe ihr auch privat schon geholfen. „Drei Mal bin ich zu Verkehrsunfälle hinzugekommen und konnte anpacken.“ Sicher effektiver als es der Durchschnittsbürger mit seinem meist jahrelang zurückliegenden Erste-Hilfe-Kurs kann. „Da wird ein Schalter im Kopf umgelegt, und das Erlernte abgerufen“, erklärt sie die Routine.

Susan Heyder zog 2015 der Liebe wegen nach Zwenkau. In Poserna, einem Ortsteil vom Lützen, ist sie aufgewachsen und 2011 in die Freiwillige Feuerwehr eingetreten. „Wir hatten damals ein großes Hochwasser. Ich habe mitgeholfen und gemerkt, dass mich die Arbeit fesselt“, blickt die junge Powerfrau zurück. Für sie war es klar, dass sie sich auch an ihren neuen Wohnort den Floriansjüngern anschließen wird.

„Im Ernstfall hat sie sich schon bewährt“, erzählt Chefin Uta Lindner. „Als wir beim Bombenfund im letzten November alle 127 Bewohner evakuieren mussten, stand sie uns mit Rat und Tat zur Seite und hat den Kontakt zur Feuerwehr gepflegt.“ Es habe alles hervorragend geklappt. „Weil wir über Susan erfahren haben, dass die ausgewiesenen Notquartiere an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, sind wir mit unseren Bewohnern in Bussen nach Leipzig-Althen gefahren, wo wir in einem renovierten Alloheim freie Kapazitäten hatten“, erzählt Lindner.

Auf die Initiative der Feuerwehrfrau hin hat es kürzlich eine Übung im Alloheim gegeben. Mehr als 30 Kameraden haben nicht nur das Haus kennengelernt. „Viele von den Jüngeren wissen nicht, wie man im Notfall ältere Leuten transportiert, welche Hilfsmittel wie beispielsweise Pflegerollstühle zur Verfügung stehen und wie Pflegebetten funktionieren“, erläutert Heyder. So liege unter jeder Matratze ein „Hamburger Rettungstuch“, mit dem man im Brandfall bettlägerige Patienten zügig über das Treppenhaus in einen sicheren Bereich bringen könne. „Natürlich haben wir die Aktion, die sehr positiv angenommen worden ist, unterstützt“, so Lindner. Und man werde die Übung in regelmäßigen Abständen wiederholen.

Von Gislinde Redepenning

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