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Markkleeberg Tunnel soll als Ersatz für die Agra-Brücke her
Region Markkleeberg Tunnel soll als Ersatz für die Agra-Brücke her
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06:01 03.01.2019
Das Streitobjekt Agra-Brücke aus der Vogelperspektive: Das marode Bauwerk soll einem Tunnel weichen.
Das Streitobjekt Agra-Brücke aus der Vogelperspektive: Das marode Bauwerk soll einem Tunnel weichen. Quelle: André Kempner
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Markkleeberg

Seit Jahren engagieren sich die Markkleeberger dafür, die Bundesstraße 2, die als Brücke mitten durch den Agra-Park, den historischen Herfurthschen Landschaftspark, führt, unter der Erde verschwinden zu lassen. 2018 brachte das Bemühen, vor allem des Vereins Pro Agra-Park, die Akteure einen riesigen Schritt voran. Im neuen Jahr muss weiter gekämpft werden.

Das marode Bauwerk wurde zwischen 1972 und 1976 als Ersatzmaßnahme für im Zuge des Braunkohlentagebaus verschwundene Straßen errichtet. Die heute darauf täglich verkehrenden 42 000 Fahrzeuge dürfen nur noch 60 Stundenkilometer fahren und auch nicht schwerer als 40 Tonnen sein (die LVZ berichtete). Vehement wehrte sich der Verein gegen einen geplanten Neubau der Brücke. Jubel kam im Mai auf, als Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) mit einem Versprechen nach Markkleeberg kam: Das sächsische Verkehrsministeriums bevorzuge die Tunnelvariante, für die es gute Gründe gebe, und werde sie dem Bund vorschlagen. „Wir haben die Voraussetzungen geschaffen, die Entscheidung fällt in Berlin“, dämpfte er die Euphorie.

Denkmal Agra-Park

Die „guten Gründe“ hatte das im Dezember 2017 vom Landesamt für Denkmalpflege beauftragte Landschaftsarchitekturbüro von Gagern bei der Erstellung eines rund 80 Seiten starken, denkmalfachlich-konservatorischen Gutachtens zum Hochstraßenausbau herausgearbeitet. Inhalt ist die eingehende, vergleichende Betrachtung von vier möglichen Varianten, die das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) in Voruntersuchungen vorgestellt hatte: Brücke, Trog, Tunnel und ebenerdiger Tunnel. Der Fokus der Bearbeitung lag auf der Frage, welche Auswirkungen diese vier Varianten auf das Gartendenkmal Agra-Park mit seinen Blickbeziehungen und Raumfolgen hätten.

Der Vergleich lässt eine klare Schlussfolgerung zu: Eine ebenerdige Tunnel-Lösung ist die verträglichste der zur Wahl stehenden Optionen, stellt eine erhebliche Verbesserung der aktuellen Situation dar und kommt der Bedeutung des Geländes als Erholungspark am nächsten.

Acht bis zehn Jahre bis zum Baurecht

Im September wurde das geplante Projekt „Tunnellösung“ im Markkleeberger Lindensaal der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine 381 Meter lange Unterführung, knapp 25 Meter breit und mit 110 Meter langen Rampen an beiden Enden, soll für veranschlagte Baukosten in Höhe von rund 50 Millionen Euro realisiert werden. Eine Ersatzbrücke würde die Hälfte kosten. Eine sogenannte ebenerdige, vom Park aus unsichtbare Tunnelvariante, die bis zu 8,50 Meter tief ins Erdreich ragen würde, liegt auch noch auf dem Tisch. Die Umsetzung hängt von Detailplanungen ab. Gibt der Bund grünes Licht, werden dafür drei Jahre benötigt. Vier Jahre werden für das erforderliche Planfeststellungsverfahren veranschlagt. Mit Baurecht sei in acht bis zehn Jahren zu rechnen, der Tunnelbau dauere dann noch einmal vier Jahre, hieß es im September von Seiten der Planer.

Oberbürgermeister Karsten Schütze (SPD) hatte sowohl anlässlich der Bürgerinformation als auch zur Jahreshauptversammlung des Vereins Pro Agra-Park betont, der Kampf gehe weiter, bis der erste Spatenstich Realität geworden sei. „Wir sind sehr froh, dass das Gutachten zum eindeutigen Schluss kommt, dass die Tunnellösung die verträglichste Lösung ist“, erklärte er. „Die Stadt Markkleeberg wird sich auch 2019 mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass die Tunnellösung zielstrebig weiterverfolgt wird. Hier geht es um eine Forderung der gesamten Region sowohl von den Bürgerinnen und Bürgern als auch aus der Politik. Sie ist Ausdruck eines breiten Konsens der Städte Markkleeberg und Leipzig sowie des Landkreises Leipzig“, erläuterte der Oberbürgermeister weiter.

Bürgermeisterin Jana Thomas hat mit Blick auf die kürzlichen Entwicklungen festgestellt: „Das ist keine Leistung der Verwaltung, sondern in erster Linie dem Verein Pro Agra-Park mit seiner Vorsitzenden Brigitte Wiebelitz zu verdanken. Ich freue mich über dieses bürgerschaftliche Engagement.“

Das Gutachten steht im Internet unter http://www.verkehr.sachsen.de/download/Agra-Gutachten03092018.pdf.

Von Gislinde Redepenning

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